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Birger Hartnuß, Stephan Maykus (Hrsg.): Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule

Rezensiert von Dr. Elke Moning, 20.10.2006

Cover Birger Hartnuß, Stephan Maykus (Hrsg.): Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule ISBN 978-3-89983-123-8

Birger Hartnuß, Stephan Maykus (Hrsg.): Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Ein Leitfaden für Praxisreflexion, theoretische Verortungen und Forschungsfragen. VSTP Verlag Soziale Theorie und Praxis (Gelsenkirchen) 2004. 1228 Seiten. ISBN 978-3-89983-123-8. 44,00 EUR.
Reihe: Hand- und Arbeitsbücher (H) 9.

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Einführung in die Thematik

Das Handbuch beinhaltet Artikel aus der Geschichte der Kooperation von Jugendhilfe und Schule über Bearbeitungen theoretischer Konzeptionen, Handlungsmethoden und Problemfelder bis hin zu Forschungsfragen innerhalb der Thematik. Das Buch vermittelt systematisch den Stand der Kooperationspraxis in allen Bundesländern in Deutschland und äußert sich auch zu rechtlichen Grundlagen. Darüber hinaus werden best practice Beispiele dargestellt, die auch für die eigene Konzeptentwicklung hilfreich sein können.

Zielgruppen

Das Handbuch zeigt die tiefgreifenden, gravierenden Veränderungen in den Herausforderungen und Bedingungen für Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule auf. Daher ist dieses Werk für Fachwissenschaftler mit forschungsleitendem Interesse ebenso geeignet wie für Praktiker. Das Handbuch richtet sich daher an Bildungstheoretiker und Sozialwissenschaftler ebenso wie an Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiter, Schulverwaltung, Politikerinnen und Politiker.

Entstehungshintergrund und Ziele

Dieses Buch soll eine Standortbestimmung zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule darstellen und fünf wichtige Fragen der Herausgeber aufgreifen:

  1. Frage nach den Faktoren, die die Kooperation von Jugendhilfe und Schule beeinflussen
  2. Frage nach den Diskussionszusammenhängen zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule
  3. Frage nach der begrifflichen Klärung bzw. Eindeutigkeit von "Kooperation von Jugendhilfe und Schule"
  4. Frage nach dem Gegenstandsbereich im Feld der Kooperation
  5. Frage nach den Erscheinungsformen der Kooperation

Ziele sind hierbei, diese Erscheinungsformen in aller Breite darzustellen und damit eine Bestandsaufnahme zu leisten, darüber hinaus eine Systematisierung für das Forschungsfeld darzulegen um für Theorie und Praxis Anregungen und Hilfen für eine gelingende Optimierung der Kooperation von Jugendhilfe und Schule anzubieten.

Aufbau

Das Handbuch gliedert sich in neun Kapitel.

  1. Das erste Kapitel befasst sich in sechs Aufsätzen (Hans-Günther Homfeldt; Thomas Olk und Karsten Speck; Franz Prüß; Manfred Bönsch; Frank Nieslony; Stephan Maykus) mit der Geschichte der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Dabei werden historische Aspekte zum Verhältnis von Jugendhilfe und Schule ebenso thematisiert wie Schulsozialarbeit und sozialintegrative Optionen von Sozialpädagogik im Kontext der Schule und auch Chancen und Risiken thematisiert. Manfred Bönsch  fragt in seinem Artikel nach der Motivation, sich als Schule auch zur Sozialhilfe hin zu öffnen. Frank Nieslony spricht in seinem Beitrag die internationale Vernetzung der Schulsozialarbeit an.
  2. Das zweite Kapitel enthält zehn Artikel (Lothar Böhnisch und Wolfgang Schröer; Hans Thiersch; Burkhard Müller; Ulrich Deinet; Thomas Coelen; Roland Merten; Stephan Maykus (2); Birger Hartnuß, Hans-Günther Homfeldt) zu Handlungsmethoden, Konzepten und fachlichen Maximen.Dabei werden die Themen Sozialraumorientierung, sozialpädagogische Bildungsarbeit sowie bürgerliches Engagement ebenso in den Blick genommen wie das Thema "Gesundheitsförderung und Schulsozialarbeit" (H.-G. Homfeldt). Die Konzeptionalisierung von Schulsozialarbeit in ihrer Ausgestaltung eines Anforderungsprofils in Bezug auf Handlungskompetenz ist v.a. auch im Bereich der Methoden thematisiert (B. Müller), aber auch die PISA-E Ergebnisse werden auf mögliche Perspektiven für die Kooperation von Jugendhilfe und Schule (R. Merten) untersucht. Das aktuelle Thema Sozialraumorientierung wird von U. Deinet dargestellt während T. Coelen die kommunale Jugendbildung in den Blick nimmt.
  3. Das dritte Kapitelbeschäftigt sich mit Adressaten und Problemfeldern von Jugendhilfe und Schule. In zehn Aufsätzen (Lotte und Ute Dithmar; Bernd Stickelmann und Hans-Dieter Will; Martin Nörber; Dieter Greese; Joachim Schroeder; Wilfried Schubarth; Wolfgang Mack; Harald Ansen; Karlheinz Thimm; Andres Pchalek) werden unterschiedlichste Problembereiche angesprochen. Das Verhältnis von Schulsozialarbeit und Erziehungshilfe (B. Stickelmann und H.-D. Will), die Zusammenarbeit von Schule und ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) (D. Greese) werden angesprochen und die Chancen der Kooperation für Gewaltprävention (W. Schubarth) diskutiert. Die Themen "Soziale Ungleichheit" (H.Ansen) und Schulverweigerung (K. Timm) zeigen das weite Feld der Kooperationsmöglichkeiten ebenso wie die Frage nach der "Schulsozialarbeit im Berufsvorbereitungsjahr (A. Pchalek). "Interkulturelle Pädagogik" (J. Schroeder) und "Geschlechterorientierung" (Lotte Rose und Ute Dithmar) sind weitere Arbeitsthemen innerhalb der Problemfelder.
  4. Das vierte Kapitel befasst sich in drei Beiträgen (Johannes Münder; Birger Hartnuß und Stephan Maykus; Joachim Merchel) mit rechtlichen und planungsbezogenen Grundlagen der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Dabei wird das Kinder- und Jugendhilfegesetz ebenso herangezogen wie die Ausführungs- und Schulgesetze der Länder. Birger Hartnuß und Stephan Maykus begründen den Vorschlag einer bundesrechtlichen Neuverortung  der schulbezogenen Angebote der Jugendhilfe im KJHG.
  5. Das fünfte Kapitel zeigt den Stand der Kooperationspraxis von Jugendhilfe und Schule in Deutschland in einem systematischen Überblick auf. Dabei werden in sechzehn Beiträgen (Werner Miehle-Fregin und Andreas Pchalek; Gabriela Lerch-Wolfrum; Günter Lütke; Karlheinz Thimm und Katrin Kantak; Ingrid Minner und Michael Schwarz; Wolfgang Hammer und Regine Schilde; Cordula Schlichte und Heinz-Jürgen Stolz; Henriette Binder; Erich Hollenstein und Ingrid Wahner-Liesecke, Gertrud Oelerich; Richard Hartmann; Peter Balnis; Andreas Wiere; Karsten Speck, Karsten Egge; Olaf Zucht und Gerlinde Wehner) alle Bundesländer in Bezug auf die Kooperation von Jugendhilfe und Schule untersucht. Es schließen sich vier Beiträge an, die "good practice" in diesem Zusammenhang verdeutlichen. Elisabeth Regneri zeigt dies für Ostpommern, Kathrin Achtelik und Kerstin Reichelt tragen mit einer vorläufigen Bestandsaufnahme zur sozialen und theaterpädagogischen Arbeit an der Integrierten Gesamtschule "Willi Brandt" mit dem Schulsozialarbeitsprojekt "Theater ohne Bühne" zur Verdeutlichung von positiven Beispielen bei. Gabriele Pfeil erläutert die Schulsozialarbeit in der Kooperativen Gesamtschule Neustadt, Wolfgang Seeger-Roth die Schulsozialarbeit in Ravensburg.
  6. Das sechste Kapitel erläutert die Praxis-, Konzept- und Qualitätsentwicklung in der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Vier Aufsätze (Peter Floerecke und Heinz Günter Holtappels; Karsten Speck und Thomas Olk; Tilman Zschiesche; Hiltrud von Spiegel) beschäftigen sich mit der konzeptionellen Weiterentwicklung der Kooperation von Jugendhilfe und Schule auch vor dem Hintergrund der Öffnung von Schule und unterschiedlichen Qualitätsmodellen, die es vor allem auch von wissenschaftlichen Standpunkt aus zu überprüfen gilt. Hier ist die Diskussion um Qualitätsstandards ebenso fundamental wie die Überprüfung von Erfolgen durch Instrumente der Selbstevaluation. Aber auch der Weiterbildungssektor wird in diesem Zusammenhang thematisiert.
  7. Das siebte Kapitelbefasst sich mit weiterführenden Forschungsfragen im Bereich der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Vier Aufsätze (Wolfgang Melzer und Frank Ehninger; Eberhard Bolay; Jürgen Schulze-Krüdener; Ursula Bylinski, Josef Faltermeier und Hans-Jürgen Glinka) beziehen einerseits Unterrichts- und Schulforschung in Fragen zur Weiterentwicklung der Kooperation ein, andererseits wird  ein Praxisforschungsprojekt zum Phänomen Schulverweigerung im Netzwerk von Schule, Jugendhilfe und Wirtschaft vorgestellt. Hier finden sich Darstellungen zum Aufbau von Netzwerkstrukturen, ein sozialpädagogisches Handlungskonzept sowie ein Blick auf erste Evaluationsergebnisse.
  8. Das achte Kapitel zieht eine Bilanz und weist Perspektiven durch die Herausgeber des Handbuchs auf. "Integriertheit" als Referenzrahmen für die Passung von Konzeptualisierungs- und Institutionalisierungsperspektiven" ist der Artikel von Stephan Maykus und Birger Hartnuß überschrieben. Die Vielfalt der "Integriertheit" (S.1095ff) (z.B. von Interventionszielen, der Zielgruppenorientierung, etc.) verweist auf die Chancen und Möglichkeiten sinnvoller Kooperationsstrukturen von Jugendhilfe und Schule v.a. auch im kommunalen Raum. Die Autoren benennen klare Bezugsfelder zur Entwicklung von Kooperationsstrukturen.
  9. Das neunte Kapiteldient durch fachpolitische Stellungnahmen und Empfehlungen zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule als Nachschlagewerk und Argumentationshilfe.  Hier finden sich Stellungnahmen der Bundesregierung ebenso wie KMK Berichte u.a.

Diskussion und Fazit

Das Handbuch ist vielseitig angelegt und gut lesbar. Die einzelnen Artikel sind klar strukturiert und zeigen neben einem  aktuellen Forschungsstand  zielführende Perspektiven auf, die Theoretiker wie Praktiker ermutigen, weiterhin in diesem Forschungsfeld angesichts gravierender Probleme im Alltag von Kindern und Jugendlichen (siehe Schulverweigerer, etc.) intensiv tätig zu sein. Das Handbuch informiert, berät und gibt konkrete Hilfen zum Auf- und Ausbau von Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule. Es dient Lehrern, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Pädagogen, Psychologen  sowie Politikern als Nachschlagewerk und Hilfe und gibt Wissenschaftlern in diesem Forschungsfeld wichtige Anregungen.

Rezension von
Dr. Elke Moning
Akad. Oberrätin
Institut für Erziehungswissenschaft Universität Koblenz-Landau
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Es gibt 2 Rezensionen von Elke Moning.

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Zitiervorschlag
Elke Moning. Rezension vom 20.10.2006 zu: Birger Hartnuß, Stephan Maykus (Hrsg.): Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Ein Leitfaden für Praxisreflexion, theoretische Verortungen und Forschungsfragen. VSTP Verlag Soziale Theorie und Praxis (Gelsenkirchen) 2004. ISBN 978-3-89983-123-8. Reihe: Hand- und Arbeitsbücher (H) 9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3516.php, Datum des Zugriffs 19.05.2024.


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