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Claude-Hélène Mayer: Trainingshandbuch Interkulturelle Mediation und Konfliktlösung

Cover Claude-Hélène Mayer: Trainingshandbuch Interkulturelle Mediation und Konfliktlösung. Didaktische Materialien zum Kompetenzerwerb. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2006. 256 Seiten. ISBN 978-3-8309-1596-6. 24,90 EUR.
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Anliegen und Kontext des Buches

Claude-Helene Mayer ist Ethnologin, systemische Beraterin und Mediatorin. Sie hat das Konzept interkultureller Mediation auch in Afrika in internationalem Kontext erprobt und weiterentwickelt. Zusammen mit Christian Boness hat sie zu den theoretischen Grundlagen das Buch "Interkulturelle Mediation und Konfliktbearbeitung. Bausteine deutsch-afrikanischer Wirklichkeiten" (2004) publiziert. Das vorliegende Werk baut darauf auf und "... soll die theoretischen Abhandlungen und Exzerpte nun um eine trainingsorientierte und praxisnahe Variante bereichern" (17). Die Autorin  formuliert als Lernziele:

  • "Einblick in den "State of the Art" zur interkulturellen Mediation
  • Entwicklung eines eigenen Verständnisses zu Konflikt, interkulturellem Konflikt, Mediation und interkultureller Mediation
  • Anstoß zur Selbst- und Fremdreflexion interkultureller Verhandlungs- und Konfliktlösungssituationen und ihrer Mechanismen
  • Beitrag zur Entwicklung einer mediativen Persönlichkeit
  • Beitrag zur Entwicklung und zum Aufbau interkultureller Kompetenz
  • Erweiterung des Spektrums der Lösungsoptionen in interkulturellen Kontexten" (18)

Inhalt und Aufbau

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich nicht um einen systematisch-fortlaufend entwickelten Text, sondern um Materialen für einen Trainingskurs, die entweder der Systematik des Aufbaus folgend nacheinander eingesetzt oder bearbeitet werden können, aber auch abschnittsweise situationsangemessen zur Anwendung kommen.

Das Handbuch umfasst vier Trainingsbausteine sowie einen sehr kurzen fünften Abschnitt, der in einem Ausblick die "Visionen interkultureller Mediation" zusammenfasst. Die Bausteine 1 - 4 sind den Themen

  1. Konflikt (B1),
  2. Mediation (B2),
  3. Interkulturelle Mediation (B3) und
  4. Lösungsoptionen (B4)

gewidmet, von denen der Baustein "Interkulturelle Mediation" von Umfang her das größte Gewicht erhält. Die einzelnen Bausteine sind innerhalb ihrer thematischen Setzung in unterschiedlichem Maße weiter ausdifferenziert. Die einzelnen Unterthemen sind jedoch einer wiederkehrenden Systematik folgend strukturiert. Sie beginnen jeweils mit einem theoretischen Input: die relevanten Grundbegriffe werden erläutert, der theoretische Kontext beschrieben und die jeweiligen theoretischen Annahmen formuliert.

Dieser theoretischen Einführung schließen sich mehrere praktische Übungen an, die allein oder in der Gruppe bearbeitet werden und entweder der Erprobung einzelner Methoden, der Simulation von Praxissituationen oder der individuellen Reflexion dienen. Schaubilder, Checklisten und Arbeitsbögen tragen dazu bei, dass dieser Teil unmittelbar in die Praxis umgesetzt werden kann. Um den praktischen Einsatz dieser Übungen zu erleichtern, sind ihnen häufig didaktische Hinweise angefügt, die as notwendige Setting genauer beschreiben, mögliche Schwierigkeiten benennen oder weiterführende Fragen skizzieren.

Dieser Aufbau der einzelnen Bausteine ermöglicht, sowohl jeden thematischen Baustein für sich zu bearbeiten oder anzuwenden, als auch aus den jeweiligen Bausteinen einzelne Inputtexte oder Übungen heraus zu lösen und separat einzusetzen. Letzteres setzt allerdings eine gute Kenntnis des theoretischen Kontextes voraus, soll die Arbeit mit den Trainingseinheiten nicht zu einem beliebigen "patchworking" verkommen.

Diskussion

Die innerhalb jedes Bausteins zur Verfügung gestellten Texte und Übungen ermöglichen eine vielschichtige und umfassende Erarbeitung der Themenbereiche Konflikt, Mediation, Interkulturelle Mediation und Lösungsoptionen. Die Texte und Übungen sind anregend und gut nachzuvollziehen. Selbstverständlich sind viele der theoretischen Überlegungen und eine Reihe der Übungen denjenigen, die mit dem Thema im weitesten Sinn vertraut sind, aus anderen Zusammenhängen bekannt. Der Autorin ist es aber in den meisten Fällen gelungen, neue Zusammenhänge herzustellen, den Fokus zu verändern oder anregende Variationen zu entwickeln.

Fazit

Die vorliegende Publikation stellt ein hilfreiches und differenziertes Medium zur Entwicklung interkultureller Kompetenz in Konfliktbearbeitung und Mediation dar. Insoweit hat die Autorin ihre eingangs formulierten Ziele in vollem Umfang erreicht. Wie immer bei Handbüchern mit vergleichbarem Aufbau ist die Gefahr allzu eklektizistischer Nutzung nicht auszuschließen - aber das ist ja nicht der Autorin anzulasten.


Rezensent
Dipl.-Soz. Willy Klawe
war bis März 2015 Hochschullehrer an der Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg. Jetzt Wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Instituts für Interkulturelle Pädagogik (HIIP, www.hiip-hamburg.de)
Homepage www.klawe-sozialepraxis.de
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Zitiervorschlag
Willy Klawe. Rezension vom 22.08.2006 zu: Claude-Hélène Mayer: Trainingshandbuch Interkulturelle Mediation und Konfliktlösung. Didaktische Materialien zum Kompetenzerwerb. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2006. ISBN 978-3-8309-1596-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3518.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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