Rainer Brödel, Julia Kreimeyer (Hrsg.): Lebensbegleitendes Lernen als Kompetenzentwicklung
Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, 14.03.2006
Rainer Brödel, Julia Kreimeyer (Hrsg.): Lebensbegleitendes Lernen als Kompetenzentwicklung. Analysen - Konzeptionen - Handlungsfelder.
W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG
(Bielefeld) 2004.
333 Seiten.
ISBN 978-3-7639-3103-3.
24,90 EUR.
Reihe: Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen, Band 4.
Mit Beiträgen von Wolfgang Böttcher, Rainer Brödel, Horst Dichanz, Hans W. Gummersbach, Klaus Harney, Dieter Kirchhöfer, Julia Kreimeyer, Harm Kuper, Joachim Ludwig, Winfried Marotzki, Kurt R. Müller, Sigrid Nolda, Sybille Peters, Gabi Reinmann-Rothmeier, Jörg Siefker, Matthias Trier, Bernd Thunemeyer & Reinhold Weiß.
Lebensbegleitendes Lernen und Kompetenzentwicklung
Die gesellschaftlichen und pädagogischen Verhältnisse verändern sich. Dieses Buch zeigt, wie das lebensbegleitende Lernen das formal organisierte Erwachsenenlernen relativiert und öffnet. Mit der "Entgrenzung" des Lernens gewinnen Kompetenzentwicklung und informelles Lernen an wissenschaftlicher Aufmerksamkeit. In diesem Buch werden Beiträge zu den vorzufindenen oder notwendigen Veränderungen bei den Lernsubjekten, bei den pädagogischen Institutionen sowie beim Lernen in der Arbeit bzw. in der betrieblichen Weiterbildung zusammengetragen.
Inhalt
Der erste Abschnitt des Buchs umfasst Beiträge zu der "Relativierung und Öffnung pädagogisch-institutionalisierten Erwachsenenlernens".
- Julia Kreimeyer macht auf die erwachsenenpädagogische Aufgabe bei dem lebensbegleitenden Lernens aufmerksam.
- Das soziale Umfeld als Lernfeld greift Dieter Kirchhöfer auf.
- Dass und wie berufliche Kompetenzen in außerberufliche (ehrenamtliche) Tätigkeitsfelder übertragen werden, untersucht Matthias Trier.
- Interkulturelle Kompetenz wird von Jörg Siefker als ein Ausdruck einer lebensbegleitenden Lernkultur betrachtet.
- Drei Beiträge beschäftigen sich mit dem Internet und E-Learning: So zu dem Begriff der Medienbildung, verstanden als Internetkritik und Beteiligung am kulturellen Raum Internet (Winfried Marotzki), desweiteren zum dreifachen Einzug als Lerngegenstand, Lernmittel und Lehrerersatz in der Erwachsenenbildung (Sigrid Nolda) und schließlich ein Überblicksbeitrag zum E-Learning (Horst Dichanz).
Der zweite Abschnitt beinhaltet Beiträge zur "Rechenschaftslegung und Neuorientierung pädagogischer Institutionen". An Bedeutung haben dabei die zunehmende Orientierung am Markt und der Bedarf an Qualitätssicherung und Evaluation gewonnen. Für unterschiedliche Institutionen arbeiten die Autoren Herausforderungen heraus:
- Bildungsreform und Bildungsstandards in der Schule (Wolfgang Böttcher),
- Evaluation in der Jugendberufshilfe (Harm Kuper),
- Perspektiven für die Volkshochschulen (Hans W. Gummersbach),
- Universitäre regionale Kooperationen (Bernd Thunemeyer) und
- Qualitätsmanagement im Berufskolleg (Klaus Harney).
Der dritte Abschnitt beschäftigt sich schließlich mit der "Kompetenzentwicklung zwischen Lernen in der Arbeit und betrieblicher Weiterbildung":
- Reinhold Weiß untersucht die These einer mangelnden Professionalisierung der Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen.
- Sybille Peters und Rainer Brödel analysieren das Zusammenspiel von Kompetenzentwicklung und Personalentwicklung.
- Die Methode der Fallarbeit - wobei Bildungsinhalte in Seminaren erst im Prozess der Fallbearbeitung entstehen, also weder den Seminarleitern noch den Teilnehmern vorab bekannt sind - beschreiben Joachim Ludwig und Kurt R. Müller.
- Gabi Reinmann-Rothmeier beschreibt schließlich Kompetenzentwicklung als Kerngeschäft des Wissensmanagements von morgen.
Hintergrund und Gestaltung des Buchs
Das Buch wird von dem Professor für Pädagogik Rainer Brödel und seiner Mitarbeiterin Julia Kreimeyer (beide Universität Münster) herausgegeben und umfasst 16 Beiträge von Wissenschaftlern sowie von Verantwortlichen für Bildungsarbeit und Bildungspolitik. Es gehört zu der Reihe "Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen" (herausgegeben von Rainer Brödel und Dieter Nittel). Das Buch ist sorgfältig gestaltet und beinhaltet einige Abbildungen. Stilistisch fällt der Beitrag von Hans W. Gummersbach durch Witz und Provokation zwischen den sonst eher zurückhaltenden, analytisch-wissenschaftlichen Beiträgen auf.
Fazit
Das Buch ist aus meiner Sicht als eine Gesamtschau auf die vielseitigen Veränderungen und Anforderungen durch eine verstärkte Betrachtung des lebensbegleitenden Lernens sowie der Kompetenzentwicklung und das informelle Lernen innovativ und zu empfehlen. Es ist weniger ein Lehr- oder Handbuch als ein Lese-Buch akademischen Niveaus. Die Einleitung setzt die notwendige Klammer einer gemeinsamen "Überschrift", die Veränderungen des Lernens Erwachsener und der pädagogischen Institutionen, und verbindet Artikel mit sehr unterschiedlichen Aspekten. Inhaltlich liegt dabei ein Schwerpunkt auf Themen der Erwachsenenbildung und lernaffinen Teilnehmern - Lernbarrieren, Geringqualifizierte oder Erwerbslose werden kaum thematisiert.
Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Es gibt 23 Rezensionen von Sandra Schaffert.



