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Veronika Hammer: Die Transformation kulturellen Kapitals

Cover Veronika Hammer: Die Transformation kulturellen Kapitals. Berufliche Weiterbildung für Risikogruppen allein erziehender Frauen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2004. 362 Seiten. ISBN 978-3-531-14360-6. 34,90 EUR.
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Ziel und Hintergrund

Das Ziel des Buchs ist die Entwicklung eines Kurskonzepts für Frauen in den neuen Bundesländern mit besonderen Risiken (z.B. geringes Einkommen) unter besonderen Berücksichtigung der Lebenslage und den Erfahrungen damit.  Mit dem Titel des Buches verweist Veronika Hammer auf ihren spezifischen Ansatz, insbesondere das "kulturelle Kapital" der Teilnehmerinnen in aktuell verwertbare Handlungskompetenzen zu übertragen.

Mit dem Buch legt die Diplom-Sozialpädagogin und Diplom-Soziologin Veronika Hammer (http://veronika-hammer.de) ihre Dissertation im Fach Soziologie vor. Eine gründliche theoretische Analyse und Aufarbeitung empirischer Befunde, verbunden mit einer hochgestochenen Sprache - wie es zum Anforderungsprofil einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit gehört - sollten dabei nicht davon ablenken, dass die Arbeit auch wichtige und praktische Impulse aus soziologischer Perspektive für die Bildungsarbeit von Frauen und die Arbeit mit alleinerziehenden Müttern enthält.

Theoretischer und empirischer Hintergrund zur Lebenlage alleinerziehender Frauen in den neuen Bundesländern

Auf Grundlage eines Forschungsberichts zur Alleinerziehendenforschung in den neuen Bundesländern beschreibt Veronika Hammer die theoretischen Bezüge, in die sie die Arbeit stellt. Sie greift dazu u. a. auf den Begriff des "kulturellen Kapitals" von Pierre Bourdieu zurück. Dieses kann sich in drei Formen ausprägen, nämlich als subjektiver bzw. verinnerlichter Besitz, als materielles Kulturgut oder mittels schulischer und beruflicher Titel (S. 63).  

Die Lebenslage alleinerziehender Frauen und spezifische Risiken, denen sie ausgesetzt sein können (aber nicht in jedem Fall sind) werden ebenfalls erläutert und in Bezug gesetzt. Neben dem Einbezug aktueller Forschung stellt Veronika Hammer dazu auch die Ergebnisse ihrer für Thüringen repräsentativen Befragung von 649 Alleinerziehenden vor, die aufzeigt, dass ungefähr zwei Drittel spezifischen Risiken unterliegt. Die Ergebnisse werden durch qualitative biografische Interviews differenziert und ergänzt.

Schließlich werden die Ergebnisse der Analyse des repräsentativen ALLBUS-Datensatz vorgestellt, die Unterschiede allein erziehender Frauen in den alten und neuen Bundesländern untersucht. Von besonderem Interesse sind im ersten Teil der Arbeit auch biografische Besonderheiten bei alleinerziehenden Müttern vor und nach dem Umbruch 1989.

Der Entwurf einer Qualifikationsmaßnahme

Gut ein Drittel der Seiten des Buches nimmt die Vorstellung des entwickelten Konzepts der Qualifikationsmaßnahme ein. Neben den Inhalten und Rückbezügen auf ihre theoretischen Erläuterungen stellt Veronika Hammer dabei auch Profile der Teilnehmerinnen eines Modellkurses, die Ergebnisse einer Gruppendiskussion von ihnen sowie das Interview mit einer Dozentin vor. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die reflexive Analyse der eigenen Situation der Teilnehmerinnen um neue Wahrnehmungen und Haltungen einleiten zu können und um neue Handlungsfähigkeit herzustellen. Die Vorstellung der Modellmaßnahme umfasst Aufbau und Inhalte des Kurses und bezieht zum Teil auch Überlegungen zur Gestaltung ein. Da es sich bei dem Buch gleichzeitig um eine Dissertation aus der Soziologie handelt, spielen pädagogische Überlegungen oder die Forschung zu den Seminaren für Berufsrückkehrerinnen, Alleinerziehende oder Frauenbildung keine besondere Rolle.

Die Maßnahme  umfasst vier Phasen bzw. Module, die flexibel angeordnet werden können:

  1. In der ersten Phase "Impulsqualifikationen" werden die Teilnehmerinnen mit persönlichkeitsstärkenden Qualifikationen zur besseren Bewältigung iher Lebenslage vertraut gemacht. Dies soll durch Stärkung der individuellen Gestaltungs- und Steuerungskompetenz (z. B. kindzentrierte Informationen, Besonderheiten der eigenen Lage) und durch Festigung der berufsbiografischen Qualifizierungsziele (z. B. Entwicklung eines individuellen Förderplans) erreicht werden.
  2. In der zweiten Phase stehen die "alten Basisqualifikationen" im Blickfeld. So sollen dabei unter anderem herkömmliche Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit sowie "digitale Kompetenzen" getestet werden und kulturell bedeutsame Qualifikationen herausgearbeitet und reflektiert werden. 
  3. Darauf folgend steht die Entwicklung "neuer Basisqualifikationen" auf dem Plan: habitus- und lebenlagenorientierte persönliche Schlüsselkompetenzen (z. B. IT-Fertigkeiten, Fremdsprachen) und Kompetenzen für wachsende Dienstleistungsbereiche (z. B. Informationen über Berufsbilder und Dienstleistungen geben, Fachkompetenz in Marketing/BWL).
  4. "Handlungsqualifikationen" sollen schließlich u.a. in Praktika, durch das Aktivieren der Handlung durch das Reflektieren kultureller Besonderheiten, Vorbereiten auf das "Profiling", durch Erstellen von Bewerbungsunterlagen und Zertifizierung der Kompetenzen vermittelt, erreicht und dokumentiert werden.

Fazit für die Praxis der Qualifizierungsmaßnahmen

Auf Grundlage eines theoretischen Modells und der empirischen Befunde entwickelt Veronika Hammer ein Profil für berufliche Qualifizierungsprogramme von Risikogruppen alleinerziehender Frauen in den neuen Bundesländern. Das pädagogisch-didaktische Prinzip, die Teilnehmerinnen "dort abzuholen, wo sie sich befinden" wird häufig auf vorhandenes Wissen reduziert. Mit dieser Arbeit erhält es eine fundierte und anregende theoretische und empirische Erweiterung aus soziologischer Perspektive.


Rezensentin
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Homepage sandra.schaffert.ws


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Zitiervorschlag
Sandra Schaffert. Rezension vom 07.03.2006 zu: Veronika Hammer: Die Transformation kulturellen Kapitals. Berufliche Weiterbildung für Risikogruppen allein erziehender Frauen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2004. ISBN 978-3-531-14360-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3538.php, Datum des Zugriffs 19.01.2019.


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