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Brigitte Hasenjürgen, Christiane Rohleder (Hrsg.): Geschlecht im sozialen Kontext

Cover Brigitte Hasenjürgen, Christiane Rohleder (Hrsg.): Geschlecht im sozialen Kontext. Perspektiven für die soziale Arbeit. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2005. 315 Seiten. ISBN 978-3-938094-81-5. 33,00 EUR.

Reihe: Schriften der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Band 1.
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Thema

In dieser Aufsatzsammlung stellen Professorinnen, Dozentinnen und Studierende der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen (KFH)  die Bezüge zwischen diversen Bereichen der Sozialen Arbeit und der Geschlechterperspektive her. Die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse und die sich wandelnden Interpretationen von Geschlechterrollen sind eng mit der Professionalisierung der Sozialen Arbeit verknüpft. Neben dem historischen Blick nimmt Gender als Kategorie, die gesellschaftliche Strukturen und individuelle Handlungen bestimmt, in den Arbeitsfeldern von Sozialer Arbeit eine entscheidende Funktion ein. Trotz dieser Verbindungen sind die Geschlechterfragen noch nicht durchgängig in die einzelnen Fachgebiete und Handlungsfelder integriert.

Dieser Sammelband gibt einen Überblick über das Spektrum von Sozialer Arbeit. Die Kombination aus Untersuchungen von geschlechtsspezifischen Implikationen in Arbeitsfeldern und übergeordneten sozialpolitischen Diskursen zeigt die Vielfalt auf, in der sich Geschlechterfragen in der Sozialen Arbeit bewegen. 

Aufbau und Inhalt

In den vier Gebieten "Arbeitsfeld Jugendhilfe", "Arbeitsfeld Gesundheit und Körper, "Profession und Geschlecht" und "Geschlecht im Fokus von gesellschaftlichen Veränderungen" sind jeweils zwei bis vier Themen dargestellt.

  1. Die Entwicklung der Genderperspektive in der Jungendhilfe, die Zusammenhänge von Fußball und Gewalt für die Fanprojektarbeit und der interkulturelle Ansatz in der Jungenarbeit spiegeln das Spektrum der Jugendhilfe wider.
  2. Für den Bereich "Gesundheit und Körper" werden die geschlechtspezifischen Unterschiede bei Kindern aus suchtbelasteten Familien untersucht. Zudem setzt sich eine Autorin mit der religionspädagogischen Perspektive auf "Körper - Kultur - Religion - Sexualität" auseinander. Der letzte Beitrag dieses Teils geht der Frage nach, wie die genderspezifische Berichterstattung von medizinischen Themen in Frauenzeitschriften erfolgt.
  3. Der Umgang von weiblichen Führungskräften mit der Machtfrage im Berufsfeld Soziale Arbeit leitet den Teil "Profession und Geschlecht" ein. Der historische Rückblick auf die Arbeit der Dorfcaritas in den 30er Jahren stellt Bezüge zu dem Ansatz der Lebensweltorientierung her.
  4. In dem letzten Abschnitt über gesamtgesellschaftliche Veränderungen richtet sich der Fokus auf den Umgang mit häuslicher Gewalt und die Situation von Allein Erziehenden in der Sozialhilfe. Ferner wird das Phänomen des "demographischen Wandels" kritisch hinterfragt und die Einführung des Gender-Ansatzes in die Entwicklungszusammenarbeit dargestellt.

Der Blick auf Gender als Kategorie, die gesellschaftliche Strukturen und Positionen prägt, und die handlungsorientierten Verbindungen zur Sozialen Arbeit sind in allen Beiträgen die Kernelemente. In vielen Fällen greifen die Autorinnen auf eigene Forschungsprojekte zurück. Die Verknüpfung von empirischen Erkenntnissen mit konkreten Forderungen und Vorschlägen für die Soziale Arbeit geben Praktikern Anregungen, wie eine Genderperspektive in das Arbeitsfeld und in alltägliches Handeln integriert werden kann.

Zwei Beispiele

  • Ute Gäs-Zeh und Annette Tiltmann stellen neben der Entwicklung des Gender-Ansatzes in der Jugendhilfe zwei Beispiele aus der angewandten Praxisforschung vor. Studierende der KFH haben im Rahmen von Lern- und Feldprojekten eine geschlechtsspezifische Bedarfsanalyse für den Jugendfreizeitbereich in Aachen durchgeführt. Des Weiteren hat eine andere Gruppe das Sportangebot der Stadt Aachen mit Blick auf die Kategorie Gender analysiert. Dieser Beitrag stellt exemplarisch die Prozesse von Gender Mainstreaming in der Jugendhilfe dar. Für beide Bereiche wird gezeigt, dass sich die als geschlechtsneutral formulierten Angebote der offenen Kinder- und Jungendarbeit in erster Linie an Jungen richten. Trotz des Paradigmas der Gleichberechtigung der Geschlechter partizipieren Mädchen und Jungen unterschiedlich an den Sport- und Freizeitangeboten. 
  • Angelika Schmidt-Koddenberg, Susanne da Silva Antunes Alves und Renate Ernst gehen in ihrem Beitrag der ungleichen Verteilung von Macht- und Führungspositionen zwischen den Geschlechtern in dem Berufsfeld der Sozialen Arbeit nach. Obwohl dieser Berufszweig weiblich dominiert ist, haben zum größten Teil Männer die leitenden Funktionen inne und sind inzwischen auch in der Ausbildung deutlich in der Überzahl. Diesem Phänomen nähern sich die Autorinnen über die Analyse der geschlechtsspezifischen Prägung der Struktur des Arbeitsfeldes. Ferner haben sie qualitative Interviews mit weiblichen Führungskräften in sozialen Einrichtungen geführt und ihren individuellen Umgang mit Macht untersucht. Die detaillierte Darstellung der Faktoren, die zu dieser Diskrepanz führen, endet mit Forderungen nach Schaffung von Transparenz der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung des Berufsfeldes durch systematische Dokumentation und dem Ausbau von Unterstützungsinstrumenten für weibliche Führungskräfte.

Fazit

Dieser Sammelband richtet sich in erster Linie an Praktiker der Sozialen Arbeit. Den Autorinnen gelingt es, in verständlicher Sprache die komplexen Zusammenhänge von Geschlechterfragen auf die Felder der Sozialen Arbeit anzuwenden. Damit liefern sie einen wichtigen Beitrag für eine systematische Integration der Geschlechterperspektive sowohl in die Handlungsfelder als auch in die universitäre Ausbildung von Sozialer Arbeit.


Rezensentin
Dipl. Soz.-Päd. Maren Kröger
Master of Art/Gender und Arbeit
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Zitiervorschlag
Maren Kröger. Rezension vom 30.05.2006 zu: Brigitte Hasenjürgen, Christiane Rohleder (Hrsg.): Geschlecht im sozialen Kontext. Perspektiven für die soziale Arbeit. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2005. ISBN 978-3-938094-81-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3556.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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