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Ulrich Bartmann: Laufen und Joggen für die Psyche

Cover Ulrich Bartmann: Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit. dgvt-Verlag (Tübingen) 2005. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. 132 Seiten. ISBN 978-3-87159-056-6. 11,00 EUR, CH: 19,80 sFr.
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Entstehungshintergrund

Laufen und Joggen hat Konjunktur. Ihre Akzeptanz nimmt weiter zu. Es werden bundesweit immer mehr Laufgruppen und Laufveranstaltungen ins Leben gerufen. Nicht nur Verlage, sondern auch Medien haben inzwischen das Thema "Laufen und Joggen" entdeckt. Das vorliegende Buch reiht sich nun in die Reihe zahlreicher Publikationen zu dem Thema "Laufen und Joggen" ein, unterscheidet sich jedoch von den meisten anderen Veröffentlichungen durch seine ausdrückliche Betonung des Gesundheitsaspektes des Laufens und weniger des Leistungsaspektes (vgl. hierzu exemplarisch das Buch von Schlenker / Wessinghage zur vierteiligen Fernsehserie "von Null auf 42". Diese "Fachmänner" propagieren darin, Nichtläufer in einem Jahr zum Marathonlauf zu bringen). Laufen soll gesund und Spaß machen. Dass dies möglich ist, wird in dem Buch überzeugend dargelegt.

Nach der ersten Auflage im Jahr 2001 und den zwei weiteren unveränderten Auflagen legt nun Bartmann eine 4. überarbeitete und erweiterte Auflage vor, ohne allerdings die Grundstruktur der ersten Auflagen zu verändern.

Was hat sich im Vergleich zu den ersten drei Auflagen verändert?

Bartmann hat die Inhalte an einigen Stellen durch Berücksichtigung der neueren Fachliteratur, inklusive das Literaturverzeichnis aktualisiert. Man merkt ferner, dass er versucht hat die Anregungen durch die zahlreichen Leser/innen zu berücksichtigen. So ist u. a. seine strikte ablehnende Haltung gegenüber Marathon oder anderen Wettkampfläufen jetzt gemildert; er hält diese jedoch nach wie vor nicht für gesundheitsförderlich.

Ziele und Zielgruppen

Auch die Ziele und Zielgruppen sind gleich geblieben: Das Buch soll zum einen die Läufer/innen "über die umfassenden und positiven Effekte des Joggens wissenschaftlich und allgemeinverständlich informieren und zum anderen (noch) Nichtläufer für den langsamen Dauerlauf motivieren." (S. 7)

Der Autor

Prof. Dr. Ulrich Bartmann ist ein Psychologischer Psychotherapeut und anerkannter Supervisor für Verhaltenstherapie. Er lehrt an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Theorien und Handlungslehre der Sozialen Arbeit und leitet den Schwerpunkt "Soziale Arbeit mit psychisch kranken und suchtkranken Menschen". Er hat zahlreiche Veröffentlichungen u. a. im Themenbereich therapeutisches Laufen sowie Abhängigkeiten und hat bundesweit die erste Ausbildung zur Lauftherapie konzipiert und führt sie seit 2004 durch.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus zehn Kapiteln:

  1. Im ersten Kapitel scheint es dem Autor ein Anlegen zu sein, eine Richtigstellung vorzunehmen. Und zwar er will hier einige Vorurteile wie "Du läufst doch nur mit den Patienten, weil Du selbst laufen willst" bzw. sein Hobby als (Pseudo-)Therapie hoch zu stilisieren, ausräumen und tut dies authentisch, indem er schildert, wie er selbst von einem Lauf-Saulus zum Lauf-Paulus geworden ist.
  2. Unter der Überschrift Zentrales zuerst geht es im zweiten Kapitel zum einen um Begriffsklärung (Laufen oder Joggen?), zum anderen um die Klärung der Frage, ob es sich beim Laufen um einen kurzlebigen Modetrend handelt oder nicht.
  3. Die folgenden Kapitel sind dem Motivationsaufbau gewidmet. Der/die Leser/in erfährt, wie nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand Laufen und Joggen zur Behandlung und Vorbeugung psychischer Probleme eingesetzt werden kann. So werden im dritten Kapitel einige ausgewählte körperliche Auswirkungen des Joggens (Herz, Körpergewicht u. a.) dargelegt.
  4. Im vierten Kapitel geht es um die Frage, wie diese Veränderungen durch das Laufen zustande kommen. Bartmann erläutert dies anhand von drei Modellen (Eysencks Extraversionsmodell, Cattells Faktorenmodell und Rotters Modell der inneren oder äußeren Kontrolle).
  5. Im fünften Kapitel bespricht der Autor unter dem Titel Joggend zu psychischer Ausgeglichenheit die positiven psychischen Effekte im Einzelnen (Die Titel der einzelnen Abschnitte sprechen für sich: "Laufend zu erholsamem Schlaf", "Dem Stress davonlaufen", "Vom Überdruss zum Wohlbefinden laufen", "Joggend Kreativität und Intelligenz verbessern", "Mit jedem Lauf zu mehr Selbstbewusstsein", "Joggen vertreibt die Angst", "Den Depressionen davonlaufen", "Psychosomatische Störungen wegjoggen"). Er bezieht sich dabei nicht zuletzt auf seine eigenen aufschlussreichen Untersuchungen. Im letzten Teil geht Bartmann auf die "Abhängigkeiten und "Laufsucht" ein und legt überzeugend dar, dass der Begriff "Sucht" weder etymologisch noch inhaltlich für das Laufen zutrifft.
  6. Unter Fragen, die eigentlich keine Fragen sind widmet der Autor das sechste Kapitel speziellen sozialen Gruppen (Frauen, Kinder und ältere Menschen) und zeigt auf, dass das Laufen für diese Menschen durchaus eine geeignete Methode ist, physische und psychische Gesundheit zu erlangen und zu erhalten.
  7. Wie Joggen die Psyche verändert ist das Thema des nächsten Kapitels, in dem der Autor sich mit den physiologischen und psychologischen Erklärungsansätzen beschäftigt.
  8. Im achten Kapitel geht Bartmann auf die Frage ein, ob Laufen eine eigenständige Therapie darstellt ("Joggen als Therapie?"). Er hinterfragt durchaus kritisch "Sind wir eine Therapiegesellschaft?" "Joggen - eine Psychotherapie?" oder "Joggen - ein Allheilmittel?" und zeigt die wesentlichen Merkmale einer wissenschaftlichen Therapie auf.
  9. Im letzten inhaltlichen Teil des Buches (Probieren geht über studieren - laufe selbst) wird die Praxis des Laufens mit systematischen Laufprogrammen und zahlreichen nützlichen Ratschlägen zu Laufschuhen, -socken, -bekleidung, -strecken, Ernährung, Atmung u. v. a. m. vorgestellt. Bartmann diskutiert in diesem Kapitel auch die Fragen "Joggen, Familie und Beruf: Geht das gut?" und "Wettkampf oder psychische Gesundheit?"
  10. Nach einem kurzen Nachwort enthält das Buch folgende fünf z. T. sehr nützliche Anhänge: Literaturverzeichnis, Namensverzeichnis, Sachverzeichnis, "Das Laufprogramm zum Heraustrennen" und "Das Laufprotokoll zum Heraus trennen".

Einschätzung

Der entstandene Text ist gut lesbar, enthält die Wiedergabe zahlreicher Forschungsergebnisse, - u. a. die vom Autor selbst - die sehr hilfreich, anschaulich und nachvollziehbar sind. Die gebotene Vereinfachung der zuweilen komplizierten Fachdiskussion ist gelungen, ohne zu sehr zu simplifizieren oder wesentliche Aspekte ganz fortzulassen. Das Werk besticht nicht zuletzt durch seine Strukturiertheit, deshalb auch für Fachfremde und Nichtläufer recht übersichtlich und interessant. Der Aufbau des Buches macht es dem Leser entsprechend seiner Vorkenntnisse leicht, die einzelnen Teile zu überspringen oder zu intensivieren.

Diskussion

"Wir joggen für unser seelisches und körperliches Wohlbefinden und nicht, um anderen zu zeigen, dass wir die schnellsten, besten und größten Läufer sind." Unter diesem Leitmotiv steht das vorliegende Buch. Dem Autor ist es gelungen, die selbst gesteckten Ziele seines Buches zu erreichen. Die Leser erhalten umfangreiche Informationen darüber, in welchem Ausmaß seelische Ausgeglichenheit und Stabilität, Kreativität und gesundes Selbstbewusstsein durch das Laufen hergestellt und erhalten werden können. Es wird anschaulich gezeigt, in welchen Bereichen das Laufen zur Behandlung und Vorbeugung psychischer Probleme genutzt werden kann und welche Möglichkeiten bestehen, durch lockeres Joggen Belastungen wie Stress, Ängste und Depressionen abzubauen. Zudem werden Nichtläufer/innen für den langsamen Dauerlauf motiviert, indem plausibel aufgezeigt wird -nicht zuletzt durch konkrete - wissenschaftlich untermauerte und in der Praxis erprobte - Anleitungen und systematische Laufprogramme-, dass jede/r Joggen unter Beachtung bestimmter Regeln erlernen kann.

Fazit

Nicht nur für interessierte Läufer/innen, sondern ebenso für Studierende, Wissenschaftler/innen, und Praktiker/innen aus dem psychosozialen Bereich ein empfehlenswertes und zudem ein handwerklich gut gemachtes Buch.


Rezension von
Prof. Dr. Süleyman Gögercin
Duale Hochschule BW Villingen-Schwenningen, Fakultät für Sozialwesen
Homepage www.dhbw-vs.de/hochschule/mitarbeitende/sueleyman-g ...
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Zitiervorschlag
Süleyman Gögercin. Rezension vom 21.02.2006 zu: Ulrich Bartmann: Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit. dgvt-Verlag (Tübingen) 2005. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-87159-056-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3571.php, Datum des Zugriffs 24.02.2020.


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