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Herbert Effinger: Lachen erlaubt. Witz und Humor in der Sozialen Arbeit

Cover Herbert Effinger: Lachen erlaubt. Witz und Humor in der Sozialen Arbeit. edition buntehunde (Regensburg) 2006. 59 Seiten. ISBN 978-3-934941-12-0. 9,80 EUR.

Zeichnungen von Wolfgang Menz.
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Humor als Thema für die Soziale Arbeit

Ist Humor ein Thema für die Soziale Arbeit? Oder wird Sozialarbeit hierzulande als eine Veranstaltung mit geradezu schicksalhafter Dramatik verstanden, in der nicht gelacht werden darf? Und: Ist Sozialarbeit eine Berufsgruppe, die auch nicht über sich selber lachen kann? Wie steht es mit Witzen über Sozialarbeit und SozialarbeiterInnen, können sie über sich selbst lachen? Ist Sozialarbeit eine humorlose Profession? Bis jetzt gibt es in der Literatur zur Sozialarbeit nur wenige Aussagen zu diesem Thema. Einzelartikel in Zeitschriften und verstreute Hinweise in Fachbüchern gibt es zwar, aber man muss schon sehr gezielt suchen. Therapeutische Ansätze wie die von dem Sozialarbeiter Frank Farrelly entwickelte "Provokative Therapie", in denen Humor und Witz eine große Rolle spielen, finden hierzulande in Bereichen der Sozialen Arbeit nur wenig Aufmerksamkeit. Nehmen wir uns als Sozialarbeiter zu wichtig, um über uns Witze zu machen?

Autor und Inhalt

Herbert Effinger, Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Ev. Fachhochschule für Soziale Arbeit  Dresden hat seit einiger Zeit Witze zur Sozialarbeit gesammelt, Witze die vor allem im Internet auf verschiedenen Seiten kursieren. Die Ausbeute ist nicht sehr umfangreich und wenn man sich umschaut, kann man feststellen, dass es diese Witze in ähnlichem Wortlaut auch für andere Berufsgruppen (Lehrer, Ärzte, Seelsorger, Juristen) gibt. Haben die Berufsgruppen voneinander abgeschrieben oder ist diese Konsequenz logisch, weil die Grenzen zwischen diesen Berufsgruppen, die alle irgendwie der Kategorie Helfer und Heiler angehören, manchmal recht unscharf, eher formaler als inhaltlicher Natur sind? Das trifft besonders für die Sozialarbeit zu, deren Handlungsbereich nicht nur zu verschiedenen spezialisierten Helfern abgegrenzt werden muss, sondern die sich auch noch gegenüber den unbezahlten privaten Hilfen in Familie und Ehrenamt abgrenzen muss.

Daraus lässt sich fragen: Was ist die Professionalität Sozialer Arbeit? Welche besonderen Handlungskompetenzen haben SozialarbeiterInnen? Sind diese Handlungskompetenzen im Rahmen einer Ausbildung überhaupt zu erwerben oder bringt man sie als persönliche Eigenschaften mit? Effinger nutzt diese Fragestellungen, um die gefundenen Witze in den Kontext einer ironisierenden Deutung über Sozialarbeiterische Handlungskompetenzen einzubinden. So ergibt sich eine Witzesammlung, in denen einzelne Witze den Begriffen wie Lebenswelt- und Alltagsorientierung, Ressourcenorientierung, Hilfe zur Selbsthilfe und Empowerment, Akzeptierende Sozialarbeit, Kundenorientierung, Systemische Sozialarbeit usw. zugeordnet werden.

Der eigentlichen Witzesammlung sind einige Gedanken zur Bedeutung von Witz und Humor in sozialen Berufen angefügt. Witze - so Effinger - kann man als Versuche verstehen, komplexe und manchmal schwer erträgliche Realitäten begreifbar und erträglich zu machen. Witze mobilisieren Erkenntisressourcen, die sonst nicht verfügbar wären. Kurz: Witze ermöglichen einen anderen Zugang zur Realität, der dann Interpretationen (Konstruktionen?) möglich macht, die sonst nicht zur Verfügung stünden. Humor - so Effinger - löst auf der emotionalen Ebene Hemmungen, reaktiviert verdrängte Affekte, auf der kognitiven Ebene regt er kreative Potentiale an und aktiviert damit Entscheidungsprozesse und regt Perspektivenwechsel an, auf der kommunikativen Ebene wirkt er erfrischend, entspannend und anregend.

Witze karikieren Typisches und Vertrautes und stellen damit überkommene Sichtweisen, Werte und Traditionen in Frage. Solcherart Verunsicherung ermöglicht aber neue Sichtweisen, macht die Tür auf für neue Antworten z.B. auf die Dauerbaustelle Professionalität der Sozialarbeit. Das macht natürlich erforderlich, dass die Witze nicht über die Berufsgruppe erzählt werden, sondern dass sich die SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen diese selbst erzählen.

Fazit

Das Büchlein - illustriert von dem Dipl.Sozialarbeiter Wolfgang Menz - sei allen SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen  zur kreativen Betrachtung des eigenen beruflichen Alltags empfohlen. Anregend ist es sowohl für noch euphorisch gestimmte Berufsanfänger wir auch für scheinbar abgeklärte reifere Generationen. Insofern empfiehlt es sich auch als "Mitbringsel" bei der nächsten Einladung von KollegInnen.


Rezensent
Dipl.Soz.-Arb. Meinolf Westerkamp
Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Sozialarbeit
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Zitiervorschlag
Meinolf Westerkamp. Rezension vom 13.06.2006 zu: Herbert Effinger: Lachen erlaubt. Witz und Humor in der Sozialen Arbeit. edition buntehunde (Regensburg) 2006. ISBN 978-3-934941-12-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3603.php, Datum des Zugriffs 14.12.2019.


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