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Reinhard Joachim Wabnitz: Grundkurs Familienrecht für die Soziale Arbeit

Cover Reinhard Joachim Wabnitz: Grundkurs Familienrecht für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2006. 206 Seiten. ISBN 978-3-8252-2754-8. 14,90 EUR, CH: 26,80 sFr.

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Vorbemerkung

Es besteht keine Zweifel daran, dass  die Bedeutung und die Zukunft der Familie, die Familienpolitik, die Höhe der Geburtenrate, das Verhältnis der Geschlechter, die Beziehungen zwischen Eltern und Kinder, die Höhe der Scheidungsrate allenthalben höchst streitig diskutiert werden. Diese Kontroversen finden auf dem Hintergrund ganz erheblicher Modifikationen im bundesrepublikanischem Familienrecht statt. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das gesetzliche Leitbild der Hausfrauenehe abgelöst, das Namensrecht geändert, das Nichtehelichenrecht grundlegend reformiert, das alleinige väterliche Vertretungsrecht abgeschafft und die elterliche Gewalt zur elterlichen Sorge umgewandelt. Im Scheidungsrecht wurde das Schuld- durch das Zerrüttungsprinzip abgelöst und ein gemeinsames Sorgerecht für Eltern nach Trennung oder Scheidung ermöglicht. Durch das Gesetz zur Ächtung der Gewalt aus dem Jahre 2000 haben Kinder nunmehr ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.

Durch das Lebenspartnerschaftsgesetz 2001 wurde die gesellschaftliche Entwicklung zu größerer Akzeptanz alternativer Lebensformen juristisch untermauert. Gleichgeschlechtlichen Paaren wird im Prinzip die Ehe mit fast allen Rechten und Pflichten eröffnet.

Da diese tiefgreifenden Verschiebungen im Recht der Familie sich ganz erheblich auf viele Berufsfelder der sozialen Arbeit auswirken, ist das Familienrecht unstreitig ein wichtiger Ausbildungsinhalt an den Fachbereichen Sozialwesen in Deutschland. Um sich das erforderliche Grundwissen im Familienrecht aneignen zu können, um fit zu sein im Familienrecht, hat der Autor ein Grundkurs Familienrecht für die Soziale Arbeit vorgelegt.

Aufbau und Inhalt

  • In diesem Buch werden in 13  Kapiteln  zentrale familienrechtliche Fragestellungen abgehandelt.
    Der Verfasser  setzt sich zunächst im Kapitel 1 mit dem Stellenwert von Familien und Familienrecht auseinander.
  • Danach anschließend werden der Logik des Familienrechts folgend u.a. Verlöbnis und Ehe, Getrenntleben und Ehescheidung, Verwandtschaft und Abstammung, Verwandtenunterhalt abgehandelt (Kapitel 2-5).
  • Vier weitere Kapitel befassen sich mit der elterlichen Sorge. Es werden alle relevanten rechtlichen Problemstellungen, die sich zwischen Eltern und Kindern ergeben können, angesprochen, so insbesondere Begriff und Erwerb der elterlichen Sorge, das Umgangsrecht, die Vermögenssorge,  die elterliche Sorge bei Trennung und Scheidung sowie die familiengerichtlichen Kompetenzen bei Gefährdung des Kindeswohls. Da die Sicherung des Kindeswohls  durch das Jugendamt und das Familiengericht eine zentrale Aufgabe der sozialen Arbeit ist, wäre eine etwas ausführlichere Bearbeitung wünschenswert gewesen.
  • In den Kapiteln 10 - 12  werden die Adoption, Vormundschaft, Pflegschaft , Beistandschaft sowie die rechtliche Betreuung dargestellt.
  • Das letzte Kapitel befasst sich mit der nichtehelichen Lebensgemeinschaft vor allen Dingen mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Einschätzung

Das Buch ist ein Grundkurs des Familienrechts und gibt ohne Zweifel einen guten Überblick über die Thematik. Die Nutzbarkeit des Buches wird unterstützt durch 8 Tabellen und 67 Übersichten, in denen nochmals komprimiert die Ergebnisse zusammengefasst werden. In 14  Fallbeispielen mit entsprechenden Musterlösungen kann sich der Leser selbst vergewissern, wie weit er mit der Materie vertraut ist. Für diejenigen, die ihre Kenntnisse vertiefen wollen, enthält das Buch genügend weiterführende Literaturangaben sowie Rechtsprechungshinweise.

Das Buch will kein umfassendes Lehrbuch des Familienrechts sein, sondern ein "Grundkurs Familienrecht für die Soziale Arbeit". Diesem Anspruch wird es vollauf gerecht. Durch die - begründbare und nachvollziehbare Beschränkung  auf Grundfragen des Familienrechts - werden indessen einige Entwicklungstendenzen und Zukunftsperspektiven nicht recht deutlich. Ob es tatsächlich zutrifft, dass "Eine Gesellschaft ohne Familie eine Gesellschaft ohne Zukunft ist",  wird nicht begründet. Denkbar sind auch andere Verläufe. An die Stelle der "klassischen Familie" könnte immer mehr ein Netzwerk befristeter Sozialbeziehungen treten. Derartige Entwicklungen hätten aber wiederum gravierende Auswirkungen gerade für das Familienrecht und für viele Berufsfelder der sozialen Arbeit.

Fazit

Keine Frage: Wer sich Grundkenntnisse des Familienrechts, wie sie  in der sozialen Arbeit benötigt werden,  aneignen möchte, dem kann geholfen werden. Er muss sich nur das Buch von Reinhard J. Wabnitz kaufen und es gründlich studieren.


Rezensent
Prof. Dr. Friedrich Barabas
i.R., Fachhochschule Frankfurt Fachbereich 4 Soziale Arbeit und Gesundheit
Homepage www.fb4.fh-frankfurt.de


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Zitiervorschlag
Friedrich Barabas. Rezension vom 12.09.2006 zu: Reinhard Joachim Wabnitz: Grundkurs Familienrecht für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2006. ISBN 978-3-8252-2754-8.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-3699-1 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3611.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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