socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

DIE, Mathilde Grünhage-Monetti (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz in der Zuwanderungsgesellschaft

Cover DIE, Mathilde Grünhage-Monetti (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz in der Zuwanderungsgesellschaft. Fortbildungskonzepte für kommunale Verwaltungen und Migrantenorganisationen. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. 112 Seiten. ISBN 978-3-7639-1920-8. 16,90 EUR, CH: 30,80 sFr.

Mit CD-ROM.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Das Thema

Unsere zunehmend  welt-gesellschaftlich geprägte Situation kann im Anschluss an Roland Robertson (in: Ulrich Beck 1998: "Politik der Globalisierung") als "glo-kal" charakterisiert werden. Damit sind die globalen und lokalen Wechselwirkungen einer von Globalisierung, Modernisierung und Migration geprägten Lebenswelt begrifflich auf den Punkt gebracht. In einer solchen Lebenswelt werden monokulturell oder national eingespielte Kommunikations- und Handlungsmuster  untauglich. Interkulturelle Kompetenz wird zur unverzichtbaren Schlüsselqualifikation im professionellen wie privaten Alltag. Die vorliegende  Handreichung  "Interkulturelle Kompetenz in der Zuwanderungsgesellschaft" setzt genau dort an, wo die  Rahmenbedingungen für das miteinander Leben und miteinander Arbeiten aller Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland gestaltet werden: In kommunalen Verwaltungen einerseits und Migrantenorganisationen andererseits. Dass diese beiden Partner zur Gestaltung interkultureller Lebens- und Arbeits-Prozesse von Anfang an miteinander zusammengebracht werden, ist eine beachtenswerte Leistung dieses maßgeblich durch Gerhild Brüning und Sedat Cakir konzipierten Projekts. 

"Die Publikation basiert zum großen Teil auf Erkenntnissen, Erfahrungen und Ergebnissen, die im Rahmen des Europäischen Grundtvig-Projekts "European Intercultural Competence Programme (EICP)" entstanden sind. Nationale Partner im Projekt waren der Landesverband der Volkshochschulen NRW und das Landeszentrum für Zuwanderung Nordrhein-Westfalen. Auf lokaler Ebene wurde mit den Volkshochschulen in Bielefeld, Bochum, Mühlheim an der Ruhr und mit dem Wetteraukreis kooperiert."(S.6).

"Grundtvig" ist ein Teilprogramm des Sokrates-Programms innerhalb der Europäischen Union. "Sokrates" ist die umfassende Bezeichnung für das Bildungsprogramm der Europäischen Union. Es besteht aus folgenden acht "Aktionen": 1."Comenius" -Schulbildung; 2. "Erasmus" - Hochschulbildung; 3. "Grundtvig" - Erwachsenenbildung und andere Bildungswege; 4. "Lingua" - Sprachunterricht (europäische Sprachen); 5. "Minerva"- Informations- und Kommunikationstechnologien im Bildungswesen; 6. Beobachtung von Bildungssystemen, Bildungspolitiken und Innovation im Bildungsbereich; 7. Gemeinsame Aktionen mit anderen europäischen Programmen; 8. Flankierende Maßnahmen.

Die spezielle Funktion des Grundtvig-Teil-Programms innerhalb des Sokrates-Programms ist die kooperative Zusammenarbeit europäischer Bildungsträger zur Erstellung von Programmen zum "Lebenslangen Lernen". Die Bezeichnung geht zurück auf den dänischen Pfarrer und Schriftsteller Frederik Severin Grundtvig (1783 - 1872), der als einer der Begründer lebenslanger Lernkonzepte gilt. "His 'folk high school' concept was based on the idea that education must be available to all citizens throughout life and should encompass not only knowledge but also civic responsibility, personal and cultural development." (http://ec.europa.eu/education/programmes/socrates/grundtvig/index_en.html; 17.08.2006)

Mit dieser Replik auf das Bildungsprogramm der Europäischen  Union soll sichtbar werden, dass das Erlernen und Vermitteln interkultureller Kompetenz einerseits integraler Bestandteil des Europäischen Integrationsprozesses ist und andererseits darüber hinausweist auf grundlegende ausländerrechtliche, sozial- und bildungspolitische Herausforderungen an die "Migrationspolitik" im nationalen und kommunalen Rahmen. Veronika Fischer, Sozial- und Kulturwissenschaftlerin an der Fachhochschule Düsseldorf, kommt mit diesen  für das vorliegende Projekt grundlegenden Aspekten leider erst im Kapitel 4 ("Warum der Fokus auf die Verwaltung? - Interkulturelle Öffnung als weitsichtige Stadtpolitik") zu Wort. Eigentlich müsste dieses Kapitel als Leitperspektive am Anfang stehen, denn nur durch diese Gewichtung hätte deutlich werden können: "Die durch Migration entstandenen Problemlagen sind vor allem struktureller Natur und bedürfen einer strukturpolitischen Veränderung, sie sind daher nicht bloß durch ein Kompetenztraining  städtischer Mitarbeiter lösbar." (Fischer, S.42)

Zehn Autorinnen und ein Autor

Die Projektverantwortliche und Herausgeberin Matilde Grünhage-Monetti (wissenschaftliche Mitarbeiterin im "DIE" - Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn, dem zentralen Weiterbildungsinstitut des Deutschen Volkshochschulverbands) stellt zusammen mit neun  Kolleginnen  und einem Kollegen ein praxiserprobtes und praxisorientiertes Fortbildungskonzept  mit CD-Rom zur Vermittlung interkultureller Kompetenz in kommunalen Verwaltungen und Migranten-Selbsthilfe-Organisationen ("MISO") vor.

Inhalt

Im "Prolog: Vom Leben und Sterben in der Fremde" stellt Matilde Grünhage-Monetti  fünf Fallbeispiele vor, mit denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung alltäglich zu tun haben. Damit  wird die komplexe Herausforderung klar, vor der sich Verwaltungsangestellte und SozialarbeiterInnen im professionellen Umgang mit  MigrantInnen zu stellen haben. In kurzen, prägnanten Zügen zeigt Frau Grünhage-Monetti im Anschluss an diese Fallbeispiele, was interkulturelle Kompetenz zur Lösung dieser Beispiele beitragen kann.

  • Im ersten Kapitel "Zur Arbeit mit dieser Publikation" führt Frau Grünhage-Monetti den Leser  in den Aufbau der Handreichung und in die Arbeitsmaterialien, die auf der CD-Rom umfangreich dokumentiert sind, ein. Dieses Kapitel muss man sicherlich nochmals lesen, wenn man sich einen ersten Überblick über den Inhalt des gesamten Buches, vor allem aber auch über die 5 Module umfassenden Materialien (das sind rund 400 Druckseiten, Folienvorlagen, Arbeitsblätter, Karikaturen usw. !) verschafft hat.

Der weitere Aufbau des Buches ist in zwei Teile (Teil A und Teil B) gegliedert:

In Teil A werden wir in den Kapiteln 2 bis 5 in die Thematik "Interkulturelle Kompetenz in kommunalen Verwaltungen" und die Qualifizierung von Migrantenorganisationen eingeführt. Die einzelnen Etappen dieser Einführung sind:

  • Kap. 2: Was heißt eigentlich „Kultur“? Die Ethnologin Michaela Zalucki führt uns durch den Dschungel der verschiedenen Kulturkonzepte und zeigt auf, dass wir uns von einem "geschlossenen" zu einem dynamischen transkulturellen Verständnis von Kultur hin bewegen und dass die Bedeutung von kulturspezifischem Wissen für kompetentes inter- bzw. -transkulturelles Handeln dort begrenzt ist, wo es darum geht, existentielle Notlagen wirksam anzugehen (S.27).
  • Kap. 3: Birgit Wehrhöfer vom Landeszentrum für Zuwanderung in Nordrhein-Westfalen erläutert den Prozess der „interkulturellen Öffnung“ sozialer Dienste in Deutschland, der seit 1994/1995 durch Aktivitäten von Klaus Barwig und Wolfgang Hinz-Rommel angestoßen worden ist. Dies führt zu einer fachlichen Diskussion darüber, was heute unter "interkultureller Kompetenz" und "interkultureller Orientierung" verstanden werden kann -  aber  auch verschleiert wird, um durch den Blick auf scheinbare kulturelle Eigenheiten von MigrantInnen von sozialpolitischen Erfordernissen abzulenken: "Anita Kalpaka schlägt beispielsweise vor, ihn ((den Begriff interkulturelle Kompetenz, H.W.)) durch den Begriff "kompetentes Handeln in der Einwanderungsgesellschaft" zu ersetzen. ... Birgit Rommelspacher sieht die Gefahr der Entpolitisierung. Mit dem Zauberwort "interkulturelle Kompetenz" werde ein Mythos angeboten, der als Lösung für alle Interessenkonflikte erscheine..."(S.31) "Hinz-Rommel fordert, interkulturelle Öffnung müsse "oben gewollt und unten akzeptiert" sein... Dies dürfe aber nicht zur Konsequenz haben, dass die Leitungsebene den Prozess zwar gutheißt, dann aber zur weiteren Bearbeitung an die unteren Hierarchieebenen delegiert. Ohne kontinuierliche Mitarbeit der Leitung sei der Öffnungsprozess nicht durchzuhalten..." (S.33).
  • In Kap. 4 befasst sich Veronika Fischer mit einer sozial-strukturellen Beschreibung der Migrationspolitik und ihrer Fokussierung in der Stadtpolitik. Sie zeigt auf, was auf dem Spiel steht, wenn interkulturelle Kompetenz nicht "auf die Herstellung von Chancengleichheit und weitgehende Rechtsgleichheit" (S.36) ausgerichtet wird: "Integration ... zielt auf gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, insbesondere in den Bereichen Arbeit, Bildung, Wohnen, soziale Infrastruktur, Politik und Freizeit. Sie ist ressourcen- statt defizitorientiert und fördert die individuellen Potenziale der Betroffenen..." (S.36) "Gerade die PISA-Studien (...) machen deutlich, dass die Bildungsdefizite in der Bundesrepublik weniger ein ethnisches, sondern vielmehr ein soziales Problem sind." (S.40) "Aufgrund ausländerrechtlicher Regelungen sind Ausländer/innen je nach Rechtsstatus (EU-Bürger, Nicht-EU-Bürger, Flüchtlinge) vom Wahlrecht ausgeschlossen. Das kann in der Kommune dazu führen, dass sich Migrant/inn/en nicht dem Gemeinwesen zugehörig fühlen, weil sie elementare Bürgerrechte nicht in Anspruch nehmen können... Der Zustand des städtischen Sozialraums ist aber letztlich entscheidend für das Klima des Zusammenlebens und den zivilen Umgang miteinander... Wer mit seinem Leben im urbanen Raum zufrieden ist, ... wer sich nicht ausgegrenzt, sondern durch die Gemeinschaft respektiert fühlt, der wird sich auch als Mitglied des städtischen Gemeinwesens fühlen und ist eher bereit, aktiv an ihm teilzuhaben."(S.40 - 42).
  • Um aufzuzeigen, dass derartige Vorstellungen nicht illusionär sind, berichten  Veronika Fischer und Birgit Wehrhöfer im 5. Kapitel von solchen Städten, die bereits "Ansätze zur interkulturellen Öffnung in der öffentlichen Verwaltung" entwickelt haben (u.a. Essen,  Offenbach, Frankfurt a.M.). "Interkulturelle Orientierung, Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind die Grundlagen, die das Leitbild der interkulturellen Arbeit auf kommunaler Ebene in Essen bestimmen. Ziel ist es, ein gemeinsames Leben und Lernen von Deutschen und Nichtdeutschen unter Einbeziehung ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrungen zu ermöglichen..." (Stadt Essen 1999). Umgesetzt werden solche Ziele z.B. wie folgt: "In jeder Einrichtung sollte es zumindest eine kleine Pioniergruppe geben, die den Prozess initiiert, begleitet und ständig evaluiert." (S.48).

Im Teil B des Buches werden Konzepte und Erfahrungen aus EICP - Fortbildungen (s.o.) vorgestellt. "Das gesamte EICP-Konzept bezieht sich auf die drei Zielgruppen (1) öffentliche Verwaltung, (2) Migrantenorganisationen und (3) Trainer/innen." (S.55). Für alle drei Gruppen wurden Weiterbildungsangebote entwickelt, durchgeführt und erprobt. Eine Dokumentation der dabei verwendeten Materialien findet sich auf der dem Buch beigefügten CD-Rom. Diese Materialien sind nach folgenden 5 Modulen gegliedert:

  • Modul 1: Grundlagen zum Kulturverständnis
  • Modul 2: Grundlagen zur Kommunikation
  • Modul 3: Grundlagen zum Konfliktmanagement
  • Modul 4: Problemlösungen und Empfehlungen
  • Modul 5: Auswertung und Abstand.

Die Kapitel des zweiten Teils im Überblick:

  • In Kap. 6 beschreiben Gerhild Brüning und Matilde Grünhage-Monetti als theoretische Grundlagen, auf denen das EICP-Konzept basiert, die Systemtheorie, die Kommunikationstheorie und  die Erkenntnistheorie, insbesondere den Konstruktivismus.
  • In Kap. 7 werden die einzelnen Module inhaltlich beschrieben.
  • Kapitel 8 (von Gerhild Brüning, Doris Hens und Anette Wädlich) vermittelt die durch die Fortbildungsveranstaltungen erworbenen Erfahrungen und Empfehlungen (aus Bielefeld, Bochum und Mühlheim an der Ruhr).
  • In Kapitel 9 schließlich berichtet Sabine Jungk vom Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationszentrum  Berlin über ihre Erfahrungen aus Fortbildungen mit Migrantenorganisationen als Vermittlungspartner zwischen kommunaler Verwaltung und Migranten in der Stadt. Besonders wichtig hält sie die Gründung kommunaler Dachverbände von  Migrantenorganisationen und die Klärung ihres Selbstverständnisses .(S.95.99)
  • Im Epilog schließlich resümiert  Frau Grünhage-Monetti: "Unser Fazit heißt daher: Weitermachen und das EICP-Konzept weiterentwickeln. Wir würden uns freuen, wenn wir durch diese Publikation viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus der Erwachsenenbildung, aus Migrantenorganisationen und kommunalen Veraltungen für diese und weitere interkulturelle Arbeit gewinnen könnten." (S.105).

Diskussion

Angesichts der guten und materialreichen Vorarbeit - dokumentiert auf der CD-Rom - möchte ich dieser Einladung gerne folgen. Es schadet sicher nicht, wenn ich dabei meinerseits alternativ zum Prinzip der Kundenorientierung  den Aspekt der Bürgerorientierung vertrete; und wenn ich alternativ zum erkenntnistheoretischen Konstruktivismus  mein erkenntnis- und handlungsleitendes Interesse darin sehe, dass alle Menschen ein Grundrecht auf die Befriedigung ihrer biologischen, psychischen und sozialen Grundbedürfnisse haben. Sozialpolitik bzw. öffentliche Verwaltung haben die Aufgabe, hierfür die "Verwirklichungschancen"/"capabilities" (Amartya Sen, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft) zu vermitteln. Aus dieser Sichtweise erscheint mir schon der erste Satz aus dem Buch "No quality without equality" (S.5)  als heiße Luft, weil der darin enthaltene "Anspruch ... nach sozialer Gerechtigkeit"(S.5) durch das  Grundprinzip  der "Kundenorientierung", welches sich als Leitperspektive durch das ganze Buch zieht, nicht rechtsverbindlich eingelöst werden kann.

Diesbezüglich kommt Gerhard V. Krönes von unserer Hochschule Ravensburg-Weingarten in einer demnächst veröffentlichten Studie   über "Motivationale Verdrängungseffekte: Konsequenzen für Verfassung, Gesetzgebung und öffentliche Verwaltung" zu folgendem Teilbefund: "Ein Element des modernen ("New") Publik Management, das am meisten auf kommunaler, weniger auf Länder- und noch kaum auf Bundesebene etabliert ist, ist es, Bürger nicht mehr als Untertanen, sondern als Kunden der Verwaltung zu begreifen. Zwar ist die Abkehr obrigkeitsstaatlicher Attitüde im Kontext des Themas zu begrüßen. Die Umbenennung des Bürgers zum Kunden ist jedoch entweder Resultat eines Irrtums oder so missverständlich, dass sie Irrtümer zur Folge hat. Kunde ist nämlich eine natürliche oder juristische Person, welche auf einem Mark nachfrageseitig in Erscheinung tritt mit der Absicht, Leistungen zu tauschen. Bürger sind jedoch sowohl Träger des jeweiligen Gemeinwesens als auch dessen Normadressaten und stehen insofern nicht in einer marktlichen Austauschbeziehung mit diesem.  Dass sie verschiedentlich auch Leistungen entgeltlich entgegennehmen, trägt zur Rollenpluralität bei, der der Kundenbegriff nicht gerecht zu werden vermag. Die Kritik am Kundebegriff setzt an der von ihm provozierten Perspektivenverengung an." Auch Hans-Dieter Rath, Rechtswissenschaftler an der Hochschule für öffentliche Veraltung und Finanzen in Ludwigsburg, hält in seinen Ausführungen zur Ethik des Grundgesetzes den Kundenbegriff rechtlich für nicht angemessen.

Angesichts der aktuellen Berichte über das illegale Eindringen von Tausenden von Afrikanern auf die Karibischen Inseln und das europäische Festland ist es angezeigt, darauf hinzuweisen,  dass durch die Integration der Menschenrechte in unser Grundgesetz  (Art. 1, 2) auch "Zugewanderte" ohne deutschen Pass, ja, selbst Menschen "ohne Papiere" (also mit illegalem Aufenthalt in der Bundesrepublik) Rechte als "Sozial-Bürger"  (Silvia Staub-Bernasconi) in unserem Land haben. Ich befürchte, dass eine beträchtliche Zahl von MitarbeiterInnen in Verwaltungen aus der Kundenperspektive diesen Mitmenschen  bezüglich der Wahrung und Unterstützung ihrer menschlichen Grundbedürfnisse und Grundrechte nicht gerecht werden könnte. Es ist eben keine Frage von (Kunden-)"Service", sondern ein Menschenrecht, dass z.B. Kinder von Familien ohne legalen Aufenthalt dennoch reguläre Schüler in unseren Schulen sein können, ohne dass der Rektor dies der Ausländerbehörde meldet. Norbert Cyrus hat diese  Fragen, die keine Rand- sondern Kernfragen interkultureller Kompetenz darstellen,   im Rahmen seines gutachterlichen Berichts für den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland (Oldenburg 2004; siehe auch www.bafl.de/ templatre/zuwanderungsrat/expertisen_2004/expertise_cyrus.pdf) aufgearbeitet und damit das menschenrechtlich fundierte Sozialbürger-Recht für alle Zuwanderer auf Mindest-Standards im Bereich Bildung, medizinischer Versorgung und Lohngerechtigkeit herausgestellt  In diesem Sinne betont auch der Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration, dass zwar "die illegale Migration nicht zu tolerieren sei und auch nicht unterstützt werde, auf der anderen Seite aber auch nach Möglichkeiten der Garantie von Mindeststandards gesucht werden müsse." (Cyrus 2004,352f).

Fazit

Für Verantwortliche in der öffentlichen Verwaltung und in Migrantenorganisationen ist das Buch auf jeden Fall eine anregende Hilfe, sich mit der Notwendigkeit zum Erwerb interkultureller Kompetenz auseinander zusetzen. Dazu  hin bietet die CD-Rom eine Fundgrube für alle jene, die auf der Suche nach Anregungen und Material zur Vermittlung interkultureller Kompetenz sind. Und schließlich nochmals: Der vorgelegte Ansatz und das Konzept verdienen es, weiterentwickelt zu werden. Die oben zitierte Einladung der Herausgeberin darf ernst genommen werden.


Rezensent
Prof. Dr. Hans Walz
Hochschule Ravensburg-Weingarten
E-Mail Mailformular


Lesen Sie weitere Rezensionen zum gleichen Titel: Nr.3793


Alle 1 Rezensionen von Hans Walz anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Hans Walz. Rezension vom 14.10.2006 zu: DIE, Mathilde Grünhage-Monetti (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz in der Zuwanderungsgesellschaft. Fortbildungskonzepte für kommunale Verwaltungen und Migrantenorganisationen. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. ISBN 978-3-7639-1920-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3617.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung