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Bettina Pauli: Kooperation von Jugendarbeit und Schule

Cover Bettina Pauli: Kooperation von Jugendarbeit und Schule. Chancen und Risiken. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2006. 140 Seiten. ISBN 978-3-89974-228-2. 19,80 EUR.
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Thema

"Das Thema Kooperation von Jugendarbeit und Schule erlebt vor allem auf Grund der erneuten Bildungsdiskussion in Politik und pädagogischen Fachkreisen eine Renaissance, wenn es um die Gestaltung ganztägiger Bildungsangebote geht. Ausgangspunkt für die Reform von Bildungskonzeptionen bildet die veränderte Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Im Zuge ganztägiger Bildung entstehen daher verstärkt Schnittmengen gemeinsamer Aufgaben und Ziele voin Schulen und anderen Bildungsinstitutionen."

Autorin

In diesem Rahmen, den der Wochenschau-Verlag so zur Einordnung der Publikation voranstellt, fügt sich die vorliegende Publikation von Bettina Pauli ein, die als sozialpädagogische Diplomarbeit in Kassel vorgelegt wurde und den Hintergrund weiterer Forschung der Autorin bildet, die sich derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik der Universität Kassel an der Universität Kassel mit ihrer Dissertation hierzu beschäftigt.

Inhalt

Pauli widmet sich zunächst den gesellschaftlichen und familialen Bedingungen des Aufwachsens (verbunden mit den Chiffren Individualisierung und Pluralisierung), thematisiert dann Bildung in der Wissensgesellschaft (wobei sie Partizipation als "eigenständige Kategorie" von Bildung herausarbeitet) und widmet anschließend zwei Kapitel einer sehr sorgfältigen Klärung der strukturbildenden Merkmale der Systeme Schule einerseits und Jugendhilfe/-arbeit andererseits. Im Rahmen dieser Klärung setzt sie sich mit den organisatorischen Strukturen, rechtlichen Vorgaben, Aufgaben und Zielen sowie konzeptionellen Kernvorstellungen beider Systeme (z. B. sozialräumlichen Konzepten der Jugendarbeit oder den in der Diskussion befindlichen Überlegungen zur Ganztagsschule) auseinander. Knapper fällt die Darstellung von Kooperationsfeldern und Ganztagsbildung als konzeptioneller Chiffre für künftige Kooperationsbeziehungen aus (wobei sie sich im Kern lediglich auf Thomas Coelen bezieht [vgl. Coelen, T.: Kommunale Jugendbildung, Frankfurt/Main 2002], wobei der Blick Paulis stets theorieorientiert bleibt und nicht auf die praktischen Verstrickungen (wenn nicht Fallstricke) einzelner Kooperationsvorhaben abstellt. Abschließend wägt die Autorin Kooperationschancen (z. B. Veränderung von Arbeitsweisen, Öffnung für neue Konzepte und [vor allem Schule] das Gemeinwesen) und -risiken (z. B. Problemstellungen aufgrund differenten Inhalte, Arbeitsweisen, Berufskulturen oder institutionellen Asymmetrien) ab und bilanziert, dass "eine wertvolle Vorbereitung der Kinder und Jugendliche(n) auf die Zukunft nur auf einem integrierten Bildungsverständnis beruhen kann, welches Orientierungswissen und Verfügungswissen miteinander verzahnt", wobei Bildung in diesem "nur durch das Zusammenspiel von formellen, nichtformellen und informellen Bildungsprozessen erlangt" werden kann (S. 125). Für eine so konfigurierte Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule mangele es aber "derzeit an einer gesellschafts- und bildungstheoretischen Grundlegung" (S. 129).

Zielgruppen

Unabhängig davon, für wen der Band seitens des Verlages konzipiert gewesen sein mag, wird doch wohl festzustellen sein, dass der Text in erster Linie eine Orientierungshilfe für Studierende der (Sozial-) Pädagogik sein kann und Novizen in (sozial-) pädagogischen Handlungsfeldern dienlich sein wird, da hier Grundlagen aufgearbeitet werden. Auch Fachkräfte, die sich im Zuge der auf sie einstürmenden Bildungsdebatten neu orientieren wollen, können aus dem Buch Nektar saugen.

Fazit

Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelt es sich um ein gut strukturiertes Werk, das Grundlagen bearbeitet. Pauli argumentiert systematisch und bereitet die Materie gut auf, was sich zum Beispiel in sorgfältigen Begriffsklärungen äußert. Dabei argumentiert sie vor allem theorieorientiert und versucht so, zu den aktuellen thematischen Diskursen der Bezugsdisziplinen Sozialer Arbeit Anschluss herzustellen. Hierbei bleibt der Text insgesamt aber unter-empirisch und lediglich in der Chancen- und Risikenabwägung "blitzen" hin und wieder die Erträge aus Kooperationsprojekten auf; insgesamt aber kommt der Blick auf bisherige Kooperationserträge, die die Praxis zwischenzeitlich durchaus reichhaltig zu bieten hat, zu kurz (weshalb sich ergänzend die Heranziehung praxisreflektierender Literatur empfiehlt, z. B. Ulrich Deinet und Maria Icking [Hg.]: Jugendhilfe und Schule, Opladen 2006.Vgl. dazu die Rezension.). Paulis Text, angelegt als Diplomarbeit, bereitet das Feld für eine weitgehende Analyse bereitet, ohne in die Tiefe der Praxis einzelner Kooperationsvorhaben einzutauchen. Das kann vielleicht auch nicht anders sein, wenn mit einem "Außenblick" auf Prozesse geschaut wird. Es steht daher zu hoffen, dass sie die im vorliegenden Werk noch offenen Fragen im Rahmen ihrer Dissertation aufarbeitet.

Paulis Veröffentlichung eignet sich daher (in der Kombination mit ähnlich angelegten Texten, siehe z. B. Manuel Fuchs: Jugendarbeit und Schule in Kooperation, Konstanz 2005. Vgl. dazu die Rezension.) sehr gut als Grundlagentext, insbesondere für Aspiranten bzw. Novizen der Sozialen Arbeit, die beabsichtigen, sich auf dieses Handlungsfeld vorzubereiten. In diesem Sinne kombiniert gelesen erhalten Leserinnen und Leser einen Überblick über die Rahmenbedingungen für die Kooperation von Schule und Kinder- und Jugendförderung. Auch eine erste Abwägung potenzieller Risiken und Chancen wird so möglich. Das beigefügte Literaturverzeichnis ermöglicht Zugänge zu den zwischenzeitlich angesammelten praktischen Erfahrungen. Unklar aber bleibt, wie diese Anregungen und Erfahrungen vor Ort in eine gelingende Kooperationsstrategie integriert werden können. Insoweit bleibt es den Leser/inne/n weitgehend selbst überlassen, die Anwendungstauglichkeit des Bandes für sich noch herzustellen.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 16.11.2006 zu: Bettina Pauli: Kooperation von Jugendarbeit und Schule. Chancen und Risiken. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2006. ISBN 978-3-89974-228-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3624.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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