socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Hans J. Nicolini: Kostenrechnung für Sozialberufe

Cover Hans J. Nicolini: Kostenrechnung für Sozialberufe. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 155 Seiten. ISBN 978-3-531-14600-3. 19,90 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema und Autor

Vorbei die Zeiten, in denen wohlmeinende Sozialberufler darauf vertrauen durften, dass das Geld zur Stützung ihrer Klientel schon irgendwoher kommen würde. Kostenbewusstsein hat längst Einzug auch in soziale Einrichtungen gehalten. Den Sozial-Bediensteten das Handwerkszeug zur Beeinflussung der Kostenstrukturen ihrer Einrichtungen zu vermitteln, ist Ziel von Hans J. Nicolinis "Kostenrechnung für Sozialberufe".

Als promovierter Betriebswirt und Lehrbeauftragter am Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule Köln hat sich der Autor die verdienstvolle Aufgabe gestellt, Studierende und Praktiker des Sozialwesens mit dem kleinen Einmaleins der Betriebswirtschaftslehre vertraut zu machen. Sinn für Kostendenken zu wecken und Sicherheit in der Kostenrechnung zu erreichen sind die zentralen Anliegen der verständlich abgefassten Schrift. Sie hat Berufsträger zum erfolgreichen Kostenmanagement zu befähigen, die teilweise noch von der kameralistischen Haushaltsgestaltung ohne aktive Kostenbeeinflussung geprägt sind (S. 120).

Aufbau

Die Schrift behandelt nacheinander

  • die Abgrenzung von externem und internem Rechnungswesen,
  • die Kostenerfassung,
  • die Kostenverrechnung,
  • die Bewertung der innerorganisationellen Finanzbewegungen und
  • die Methoden der Kostenkontrolle.

Zum Abschluss festigen in Kapitel 8 Übungsaufgaben (mit in Kapitel 9 getrennt mitgeteilten Lösungen) besonders die erläuterten Methoden der Kostenerfassung und der Kostenverteilung.

Ausgewählte Inhalte

Aufschlussreich werden anhand verständlicher Beispiele die unterschiedlichen Kostenarten und die Kostendeckungs-Gestaltung behandelt. Unter den Kostenarten werden nicht nur wie allgemein üblich fixe und variable Kosten unterschieden, sondern der Autor fragt auch nach ihrem Verhältnis zueinander - mit sprung- und intervallfixen, auftragsfixen oder projektfixen Kosten und er diskutiert progressive und degressive Kostenverläufe. Die Darstellung der Deckungskostenrechnung beschränkt sich nicht nur auf die Vollkostenrechnung. Auch das System mehrstufiger Deckungskostenbeiträge mit abgegrenzten Fixkostenblöcken wird ebenso vorgestellt wie die Strategie kurz- und langfristiger (Kosten-)Preisuntergrenzen. Diese Varianten sind trotz aller rechnerischer Abgrenzungsprobleme gerade auch für soziale Organisationen wichtig, wo schon einmal mit profitablen Sektoren defizitäre Teileinheiten aufgefangen werden.

Diskussion

Bei seinen Darlegungen ist sich der Verfasser darüber im Klaren, dass es bei Non-Profit-Organisationen NPO nicht so sehr auf Gewinnerzielung, aber doch auf Kostenermittlung für Verwendungsnachweise sowie auf Kostenkontrolle zur Vermeidung von Unwirtschaftlichkeit ankommt. Dennoch schimmert der Profitansatz bei Erläuterungen von Preisvorteilen, der Gewinnschwelle (Break-even-point) und kalkulatorischen Erträgen für Eigenkapital und für eigene Gebäude durch. Hier hätten die unterschiedlichen Ansätze von Profit- und Non-Profit-Organisationen stärker diskutiert werden können, was im abschließenden Inhalts-Kapitel Nr. 7 (S. 134 ff.) etwas zu kurz kommt. Auch stammt eine ganze Reihe der erfreulich zahlreichen Beispiele Nicolinis aus eher peripheren Betätigungen (Fotolabor, Mahlzeitendienst, Reinigungsarbeiten) als aus dem zentralen beraterisch-therapeutischen Tätigkeitsbereich. Die wichtige Zusammenführung von Einzel- und Gemein-(Overhead-)Kosten im Betriebsabrechnungsbogen BAB wird (auf S. 79 ff.) im Beispiel einer Alteneinrichtung für einzelne Häuser statt essentieller für die Bewohner der verschiedenen Pflegestufen exemplifiziert.

Gut und verstehbar arbeitet der Verfasser (auf S. 18 ff.) den grundsätzlichen Unterschied zwischen Finanzbuchhaltung (als externem Rechnungswesen) und kalkulatorischer Kostenrechnung (internes Rechnungswesen) heraus. Zur Kostenkontrolle werden (auf S. 112 ff.) unter anderem das Benchmarking mittels Vergleichszahlen und das Controlling als systematische Kontrolle des Leistungsprozesses erläutert.

Auf einige Elemente hätte für den in Sozialeinrichtungen tätigen Leserkreis verzichtet werden können, wie beispielsweise Monopolpreisbildung (S. 37), Materialakquise (S. 49), Währungswagnis (S. 74), Neben- und Kuppelprodukte (S. 88).

Typografisch weist das Buch - ebenso wie in der Korrektur-Durchsicht auf Schreibfehler (vgl. vor allem Teil 6.7 S. 126 ff.) - einige Mängel auf: Leer auslaufender Zwischentitel S. 37 unten, nicht unterscheidbare Unterpunkte erster und zweiter Ordnung S. 50-53, fehlende Seitenzahlen und nicht eingebrachte Kopfzeilen-Begriffe S. 84/85 (wo auch inhaltlich eine fundiertere Erklärung der Zahlen in den Betriebsabrechnungsbogen nötig wäre).

Fazit

Alles in allem liegt ein in seinem Ansatz wichtiges und willkommenes Buch vor, dem eine stärkere interdisziplinär-sozialpädagogische Ausrichtung und eine sorgfältigere Ausarbeitung in einer (hoffentlich folgenden) zweiten Auflage gut täte.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
E-Mail Mailformular


Alle 89 Rezensionen von Kurt Witterstätter anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 21.03.2006 zu: Hans J. Nicolini: Kostenrechnung für Sozialberufe. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. ISBN 978-3-531-14600-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3644.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung