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Dorothee Ivemeyer, Rainer Zerfaß: Demenztests in der Praxis. Ein Wegweiser

Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 01.08.2006

Cover Dorothee Ivemeyer, Rainer Zerfaß: Demenztests in der Praxis. Ein Wegweiser ISBN 978-3-437-22157-6

Dorothee Ivemeyer, Rainer Zerfaß: Demenztests in der Praxis. Ein Wegweiser. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2005. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. 232 Seiten. ISBN 978-3-437-22157-6. 29,95 EUR. CH: 46,00 sFr.
Mit einem Geleitwort von Hans Förstl
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Zur Thematik des Buches

Demenzen bilden die drohende Geißel einer alternden Gesellschaft, denn der geistige Verfall mit dem Verlust aller kognitiven Fähigkeiten wird über alles in einer autonomieorientierten Gesellschaft gefürchtet. Wie ein Damoklesschwert schwebt die Frage "Habe ich bereits Alzheimer?"  über jedem Senior, der sich bei einer Vergesslichkeit ertappt. Gedächtnistraining oder "Gehirn-Jogging" sind dann die Bewältigungsversuche, die oft von der Einnahme der diversen rezeptfreien und rezeptpflichtigen Demenzmedikamente flankiert werden, für die es jedoch bisher noch keinen eindeutigen Beleg ihrer Wirksamkeit gibt. In diesem Kontext ist dann ein diagnostisches Vorgehen, das wenn nicht schon Heilung doch mindestens Gewissheit über den Zustand der geistigen Verfassung zu verschaffen vermag, für die Betroffenen von großer Bedeutung. Demenztests sind hierbei u. a. die einschlägigen Instrumentarien, die bereits in vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens eingesetzt werden.

Der vorliegende "Wegweiser" bezüglich der verschiedenen Testverfahren im Bereich der Demenzen ist die Arbeit einer Psychologin und eines Arztes.

Inhalt

  1. In Kapitel 1 (Demenz, normales kognitives Altern und leichte kognitive Störung, Seite 1 - 18) werden u. a. einleitend Ausführungen über die Begrifflichkeit "Demenz", die verschiedenen Gedächtnisformen und ihre anatomischen Korrelate, normales kognitiven Altern und das Konzept der leichten kognitiven Störungen gemacht.
  2. Kapitel 2 (Von der Anamnese über die Testung zur Diagnose, Seite 19 - 37) beinhaltet u. a. die verschiedenen diagnostischen Zugänge wie Anamnese und Fremdanamnese, medizinische Diagnostik, differenzialdiagnostische Aspekte und Tipps für die Vorgehensweise bei der Untersuchung.
  3. In Kapitel 3 (Das hausärztlich-geriatrische Basisassessment, Seite 39 - 42) werden in wenigen knappen Abschnitten Hinweise über das geriatrische Assessment, die Untersuchung von Funktions- und Fähigkeitsstörungen und die Beurteilung der Sturzgefahr und des kognitiven Status gegeben.
  4. Kapitel 4 (Liquidation von Demenztests, Seite 43 - 48) geht auf die Abrechnungsfähigkeit der Testung durch die niedergelassenen Ärzte ein: bei Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen, bei Wahlleistungspatienten (GOÄ), Demenztests als "Igel-Leistungen" und die Abrechungsmodalitäten in Österreich und der Schweiz.
  5. In Kapitel 5 (Testverfahren zur Erfassung der kognitiven Leistung, Seite 49 - 140) werden insgesamt 30 verschiedene Testverfahren und Testbatterien, die in der Demenzdiagnostik Anwendung finden, jeweils auf ca. 2 - 3 Seiten gemäß folgender Gliederung vorgestellt: Testcharakteristik, Beschreibung des Verfahrens, Auswertung und Interpretation, Dauer der Erhebung, praktische Hinweise, Literatur, Testbezug und Preis und Kontakt zum Vertreiber. Des Weiteren wird meist ergänzend ein Auszug oder Muster (1 - 2 Seiten) aus dem jeweiligen Testverfahren abgebildet.
  6. Kapitel 6 (Erfassung des Demenzschweregrades, Seite 141 - 162) beinhaltet die gängigen Skalen wie die Reisberg-Skalen (BCRS, GDS, FAST), die Skalen zur Erfassung der Alltagskompetenz wie die ADL-Skalen und die IADL-Skalen und das Beobachtungsinstrumentarium für Pflegende NOSGER.
  7. In Kapitel 7 (Erfassung von nicht-kognitiven Veränderungen, Seite 163 - 178) werden überwiegend einige Depressionsskalen vorgestellt (Hamilton Depressions-Skala u. a.).
  8. Kapitel 8 (Sonstige Verfahren, Seite 179 - 195) enthält einige geriatrische Erhebungsinstrumentarien, die auf vorwiegend auf die Erfassung des Allgemeinzustandes ausgerichtet sind.
  9. Kapitel 9 (Fahreignung bei Demenz, Seite 197 - 202) behandelt auf wenigen Seiten die Problematik der schwindenden Fahrtauglichkeit bei Demenzkranken und einige Verfahren zur Begutachtung des Fahrvermögens.

Ein mehrseitiger Anhang beinhaltet eine Reihe von Adressen, Internetzugängen und einige Literaturhinweise.

Kritische Würdigung und Fazit

Insgesamt 44 verschiedene Testverfahren werden hier offeriert. Bis auf die Cohn-Mansfield-Skala sind alle bekannten und gebräuchlichen Vorgehensweisen vertreten.

Die Beschreibungen der Testverfahren sind allgemeinverständlich und durch die Systematik der Darstellungsweise gut überschaubar.

Schwierigkeiten bereitet dem Rezensenten die Einschätzung, dass hier ein "Wegweiser" im Bereich der Demenzdiagnostik vorliegen soll, denn es fehlt für den Praktiker in der Arztpraxis oder Beratungsstelle hier der "Kompass", um bei dieser Vielzahl der Vorgehensweisen die richtigen Bausteine für eine angemessene Diagnostik zusammenzustellen. Die vorliegende Arbeit kann eher als ein Leistungsspektrum der Demenzdiagnostik aufgefasst werden, das die zahlreichen  Methoden und Instrumentarien in diesem Bereich in einem Buch zusammenfügt und der Praxis in den verschiedenen Arbeitsfeldern zugänglich macht.

Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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Es gibt 220 Rezensionen von Sven Lind.

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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 01.08.2006 zu: Dorothee Ivemeyer, Rainer Zerfaß: Demenztests in der Praxis. Ein Wegweiser. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2005. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-437-22157-6. Mit einem Geleitwort von Hans Förstl. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3646.php, Datum des Zugriffs 27.11.2022.


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