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Ursula Beicht, Elisabeth M. Krekel u.a.: Berufliche Weiterbildung

Cover Ursula Beicht, Elisabeth M. Krekel, Günter Walden, Bundesinst. f. Berufsbildung: Berufliche Weiterbildung. Welche Kosten und welchen Nutzen haben die Teilnehmenden? W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. 201 Seiten. ISBN 978-3-7639-1062-5. 21,90 EUR.

Berichte zur beruflichen Bildung, H. 274. Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn.
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Lohnt sich Weiterbildung?

Häufig kostet berufliche Weiterbildung viel Geld. Und da stellt sich die Frage, ob sich die Teilnahme auch lohnt, ob also der finanzielle Aufwand im richtigen Verhältnis zum Nutzen steht. Möglichkeiten, dies zu überprüfen sind, den objektiven Nutzen (z. B. eine Steigerung des Einkommens oder Arbeitsplatzsicherheit) bzw. den subjektiven Nutzen (z. B. Einschätzung des Lernerfolges durch die Teilnehmer) zu ermitteln.

Die Studie des BIBB

In der Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurde eine Befragung durchgeführt, die  subjektive Nutzeneinschätzungen von Teilnehmern an beruflicher Weiterbildung sowie ihre direkten wie indirekten Kosten ermittelt. Dazu wurden zwischen November 2002 und März 2003 mit Hilfe von computergestützten telefonischen Interviews über 2.700 "erwerbsnahe ... Personen zwischen 19 und 64  Jahren befragt, darunter waren 2.000 Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung.

Im vorliegenden Buch von Ursula Beicht, Elisabeth Krekel und Günter Walden wird zunächst die Konzeption der Studie beschrieben (S. 5-24), werden einige Hinweise zur Beteiligung an beruflicher Weiterbildung gegeben (S. 25-46), die Ergebnisse zu den individuellen Kosten beruflicher Weiterbildung (S. 47-130) und dem individuellen Nutzen beruflicher Weiterbildung (S. 131-182) vorgestellt und abschließend kurz zusammengefasst und diskutiert (S. 183-190).

Individuelle Kosten beruflicher Weiterbildung

Teilnahmegebühren, Fahrtkosten oder Kinderbetreuung führen zu Ausgaben (direkten Kosten) der Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung. Hinzu kommen indirekte monetäre Kosten (Einkommensverluste), die entgangene Freizeit (Zeitaufwand) und auch "psychische ... Kosten (Belastungen). Ein Teil der monetären Kosten wird refinanziert, direkte Kosten z. B. durch die Agentur für Arbeit nach SGB III und indirekte Kosten z. B. durch Unterhaltsgeld nach SGB III.

Für Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung im Jahr 2002 werden in der Studie folgende durchschnittliche Kosten ermittelt (S. 53): Jährlich entstanden im Mittel 586 € direkte Kosten, von denen 375 € selbst getragen werden. Indirekte Kosten entstanden in Höhe von 137 €, von denen durchschnittlich wiederum 10 € refinanziert wurden.

Neben weiterer genauer Beschreibung der Kostenstrukturen, werden die Kosten und der Zeitaufwand der Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung unter folgenden Aspekten ausgewertet: West- und Ostdeutschland, Art der Weiterbildung, Inhalte der Weiterbildung, betriebliche und nichtbetriebliche Weiterbildung, zeitlicher Umfang der Weiterbildung sowie soziodemographische Merkmale der Weiterbildung (Geschlecht, Alter, Schulabschluss, beruflicher Abschluss, Erwerbsstatus, berufliche Stellung, berufliche Tätigkeit, Betriebsgröße, persönliches Nettoeinkommen).  Zudem werden Ergebnisse multivariater Analysen von Unterschieden bei Kosten und Zeitaufwand und die Bewertung der psychischen Belastungen vorgestellt sowie die individuellen Weiterbildungskosten mit den Ergebnissen einer Studie des BIBB von 1992 verglichen.

Individueller Nutzen beruflicher Weiterbildung

Weil die Beurteilung der Weiterbildung und des damit verbundenen Nutzen auch mit den Erwartungen zusammenhängt, wurden die Befragten u. a. gebeten, mögliche Ziele der Teilnahme an einer bestimmten beruflichen Weiterbildung zu bewerten und anschließend den bereits eingetretenen bzw. noch erwarteten Nutzen anzugeben.

Von zwölf möglichen Vorgaben ist die persönliche Weiterentwicklung das wichtigste Ziel (S. 137), wobei hier gleichzeitig auch der Nutzen als sehr positiv eingeschätzt wird (S. 147). Unterschiedliche Gruppen (s. o.) werden verglichen und gegenübergestellt und mit Hilfe von multivariaten Verfahren werden Nutzenfaktoren ermittelt.

Schließlich werden in diesem Kapitel auch Nutzen und Aufwand gegenübergestellt. Insgesamt fällt diese Beurteilung günstig aus: "Gut ein Viertel der Teilnehmenden (26%) gab an, der Nutzen sei deutlich höher als der Aufwand gewesen, ein etwa gleich hoher Anteil (27%) stufte den Nutzen etwas höher ein. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Nutzen und Aufwand erreichten nach eigener Einschätzung 38% der Teilnehmenden. Nur 9% der Teilnehmer bewerteten den Nutzen im Vergleich zum Aufwand negativ: 5% sahen einen etwas niedrigeren und 4% einen deutlich niedrigeren bzw. überhaupt keinen Nutzen.Ó (S. 172).

Fazit

Im vorliegenden Buch wird die Studie, ihre Annahmen, Methode und Ergebnisse ausführlich und differenziert beschrieben und in zahlreichen (nahezu hundert) Tabellen und Abbildungen dargestellt. Die Mitarbeiter des BIBB legen damit eine attraktive, wichtige und aktuelle Basis für die Bildungsforschung und Bildungspolitik vor, denen die Bewertung der Ergebnisse und mögliche Folgerungen daraus weitgehend selbst überlassen werden.


Rezensentin
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Homepage sandra.schaffert.ws


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Zitiervorschlag
Sandra Schaffert. Rezension vom 25.04.2006 zu: Ursula Beicht, Elisabeth M. Krekel, Günter Walden, Bundesinst. f. Berufsbildung: Berufliche Weiterbildung. Welche Kosten und welchen Nutzen haben die Teilnehmenden? W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. ISBN 978-3-7639-1062-5. Berichte zur beruflichen Bildung, H. 274. Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3662.php, Datum des Zugriffs 19.01.2019.


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