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Charlotte Höhn, Ute Meinert-Kaiser u.a.: e-quali. E-Learning für benachteiligte Jugendliche

Cover Charlotte Höhn, Ute Meinert-Kaiser, Rolf Schiener: e-quali. E-Learning für benachteiligte Jugendliche. Universum Verlag (Wiesbaden) 2006. 140 Seiten. ISBN 978-3-89869-155-0. 15,80 EUR.

Praxisleitfaden mit CD-ROM.
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Hintergrund

Ganz offenbar haben sich die Probleme benachteiligter Jugendlicher, einen gelingenden Übergang in Gesellschaft, Ausbildung und Beruf zu finden, in den zurückliegenden Jahr(zehnt)en nicht verringert. Als benachteiligt gelten Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen einen besonderen Unterstützungsbedarf für einen erfolgreichen Start in Ausbildung und Beruf haben, zum Beispiel aufgrund von Migrationshintergrund oder Behinderung, Lernbeeinträchtigungen oder fehlendem (Haupt-) Schulabschluss. Inzwischen zählen auch Jugendliche dazu, die aufgrund knapper Ausbildungsplätze keine Lehrstelle gefunden haben und als marktbenachteiligt gelten.

Dies macht neue Wege erforderlich, die sich z. B. in innovativen Konzepten wie (im Zuständigkeitsbereich des Bundesjugendministeriums) "Kompetenzagenturen" (www.kompetenzagenturen.de) oder (im Verantwortungsbereich des Bundesbildungsministeriums) "BQF" (www.kompetenzen-foerdern.de) äußern. Zu den durch das Bildungsministerium des Bundes seit 2000 verfolgten Strategien zählt insbesondere auch die Eröffnung internetgestützter Bildungs- und Lernarrangements ("e-learning") für benachteiligte Jugendliche, um einer weiteren Abkoppelung dieser Jugendlichen von alterstypischen Aneignungs- und Orientierungsprozessen (vor allem durch fehlende bzw. unzureichende Schlüsselkompetenzen im Umgang und der Anwendung neuer Medien und Technologien) entgegenzuwirken.

Autor/innen und Ansatz

Auch Charlotte Höhn (pädagogische Mitarbeiterin im Universum-Institut), Ute Meinert-Kaiser (Redakteurin beim Universum-Verlag) und Rolf Schiener (Organisations- und Betriebssoziologe, Universum-Institut/Verlag), die Autorinnen und der Autor des vorliegenden "Praxisleitfadens", gehen davon aus, dass e-learning zur Förderung und Qualifizierung von benachteiligten Jugendlichen geeignet ist - eine Entwicklung, die in den zurückliegenden Jahren und im Bereich der beruflichen Integrationsförderung zur Erarbeitung und Entfaltung neuer Konzepte und Angebote geführt hat (vgl. hierfür z. B. www.weiterbildung.com/abh-computer-magazin). Deutlich geworden ist auch hier, dass zum erfolgreichen und nachhaltigen Einsatz von e-learning spezifische inhaltliche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen und überprüfte Standards erforderlich sind.

An dieser Stelle setzte "e-quali - Erschließung neuer Qualifizierungs- und Beschäftigungschancen durch die Integration von E-Learning in die berufliche Integrationsförderung" als Pilotprojekt der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung an. Bei der Arbeitsgemeinschaft handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, zusammengesetzt aus Vertreter/inne/n von Kultusministerien, Bildungswissenschaft und Publizistik sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden. e-quali war vom Herbst 2003 bis Ende 2005 Teil des BQF-Programms ("Kompetenzen fördern - Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem  Förderbedarf", Laufzeit: 2001 bis 2006), das das Bundesbildungsministerium mit dem Ziel aufgelegt hat, Jugendlichen mit schlechteren Startchancen Wege zu einer qualifizierten Berufsausbildung zu öffnen und zu erleichtern, z. B. durch eine Verbesserung der Trägerarbeit, die Erschließung neuer Qualifizierungs- und Beschäftigungschancen oder die Verbesserung der beruflichen Qualifizierungsmöglichkeiten von Migrant/inn/en. Bestehende Angebote sollen zusammengeführt und dabei ihre Effizienz erhöht werden.

Ergänzt wird der Leitfaden durch eine beigelegte CD-ROM, die im PDF-Format wesentliche Dokumente enthält, z. B. - sofort anwendbare - aufgabenspezifische Materialien und Checklisten (z. B. zur Online-Bewerbung), aktuelle und themenstrukturierte Literaturverzeichnisse zum Weiterarbeiten, Evaluationsinstrumente (z. B. zur strukturierten Beobachtung der Jugendlichen) und so genannte "Werkzeugkästen", die den betroffenen Jugendlichen einen sofortigen Zugang zum Internet und den dort gegebenen Möglichkeiten eröffnen (z. B. ein Werkzeugkasten zur Eröffnung n einer kostenfreien Email-Adresse oder eine Starthilfe zum Umgang mit der Suchmaschine Google), um nur wenige Beispiele zu nennen.

Zum Inhalt

Höhn, Meinert-Kaiser und Schiener stellen Konzepte und Praxisanleitungen zur Umsetzung von e-learning in der beruflichen Integrationsförderung sowie die Entwicklung eines internetgestützen Lernarrangements im Internet vor und benennen Perspektiven für e-learning in der beruflichen Integrationsförderung. Die beigefügt CD-ROM stellt sich Materialsammlung für pädagogische Fachkräfte dar; sie dokumentiert zentrale Projektergebnisse sowie Arbeitsergebnisse von 36 Projekten im Rahmen des Vorhabens und enthält ausgewählte Aufgaben und Materialien, Evaluationsinstrumentarien und Informationsmöglichkeiten.

Wohl verknüpft mit der unausgesprochenen Hoffung auf eine höhere Akzeptanz und Nachhaltigkeit bei der Zielgruppe benachteiligter junger Menschen vor dem Hintergrund der offenbaren Unzureichendheit bisheriger Konzepte wird von den Autorinnen und dem Autor dargestellt, wann internetgestützte Arbeitsformen neue Lehrarrangements für "(lern) schwache" Jugendliche schaffen, um benachteiligten jungen Menschen einen zielführenden Überblick über ihre Möglichkeiten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmark erlangen zu lassen, sich wirkungsvoll online zu bewerben und Schlüsselkompetenzen im Umgang mit neuen Technologien sich aneignen zu können. Beantwortet wird im Lichte der Projektergebnisse die Frage, welche konzeptionellen Grundlagen für ein passgenaues Internetangebot entwickelt und erfüllt sein müssen.

Dieser Logik folgt die Struktur des Leitfadens: Zunächst werden Ziele, Durchführung und Ergebnisse des Projektes dargestellt, dann Konzepte und Praxisanleitungen zur Umsetzung von e-learning in der Benachteiligtenförderung erörtert (wobei sich eine etwas zu starke Gewichtung der beruflichen Integrationsförderung ergibt, die freilich dem Auftraggeber Bundesbildungsministerium geschuldet ist), anschließend die Entwicklung zielgruppenadäquater internetgestützter Lernarrangements nahe gelegt und abschließend die Perspektiven solcher Konzepte diskutiert.

Zielgruppen

Die durch den Verlag präzisierte Zielgruppe der Veröffentlichung (Lehrer/innen an allgemein- und insbesondere berufsbildenden Schulen und Förderschulen, pädagogische Fachkräfte in Maßnahmen der beruflichen Integrationsförderung, aber auch Bildungsexpert/inn/en in Verbänden, Behörden und Wissenschaft) trägt offenbar der inzwischen weit verbreiteten Annahme Rechnung, "sol lucet omnibus"-Werke annoncieren zu müssen, die allen gleichermaßen gerecht werden. Die Stärke des Bandes freilich liegt in seiner Praxisorientierung, die in erster Linie auf die Fachkräfte an der Basis abstellt, das heißt Praktiker/innen in Projekten der Benachteiligtenförderung, Jugendsozialarbeit bzw. arbeitsweltbezogenen Jugendarbeit, in- und außerhalb von Schulen. Bildungsexpert/inn/en insbesondere aus Wissenschaft und Verbänden werden hier kaum etwas finden, was für ihre Praxis von erheblicher Relevanz ist - und das ist gut so.

Fazit

Der Leitfaden überzeugt zunächst durch seine Aufmachung: eine sorgfältige Gliederung und kurz skizzierte  Darstellungen des Wesentlichen, was in der Regel durch stichpunktartige Darstellungen und Spiegelstrichempfehlungen erfolgt. Die Reflexion des Projektes und dessen Entwicklungsprozesses erfolgt auf einer leicht handhabbaren Ebene. Damit kommt die Veröffentlichung ausgesprochen anwendungsorientiert und anwender/innen-freundlich daher. Stärke des Bandes ist die Praxisorientierung, was durch die auf CD-ROM unterstrichen wird; sie ist animativ gestaltet und regt zum Stöbern in den Materialien und - vor allem - zur Kontaktaufnahme mit diesen Praxisprojekten an. Praktiker/innen aus der Jugendsozialarbeit bzw. der Benachteiligtenförderung können mit dem Material sofort "loslegen".

Es liegt eine Veröffentlichung vor, die den Anspruch erhebt, die Chancen und Potentiale von e-learning, der Nutzung von Medien zur Unterstützung von Lernprozessen für die Förderung und Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher auszuloten. Das ist zweifellos gelungen. Den Beweisder Tauglichkeit von e-learning-Konzepten außerhalb der meist als besonders tragfähig zu bezeichnenden Modellprojektstrukturen freilich tritt auch diese Publikation nicht an; damit steht die Veröffentlichung allerdings nicht allein.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 12.11.2006 zu: Charlotte Höhn, Ute Meinert-Kaiser, Rolf Schiener: e-quali. E-Learning für benachteiligte Jugendliche. Universum Verlag (Wiesbaden) 2006. ISBN 978-3-89869-155-0. Praxisleitfaden mit CD-ROM. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3673.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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