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Gabriela Stoppe: Demenz. Diagnostik - Beratung - Therapie

Cover Gabriela Stoppe: Demenz. Diagnostik - Beratung - Therapie. UTB (Stuttgart) 2006. 198 Seiten. ISBN 978-3-8252-2651-0. 19,90 EUR, CH: 34,90 sFr.
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Zielsetzung und Zielgruppen

Die Autorin des vorliegenden Fachbuchs über Demenz und deren Diagnostik, Beratung sowie Therapie in zweiter Auflage, Frau Prof. Dr. med. Gabriela Stoppe, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, klinische Geriatrie leitet den Bereich Allgemeine Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel. Sie strebt an, einen breiten Leserkreis für eines der drängenden Fragen der gegenwärtigen Überalterung der Gesellschaft, der Demenz, erreichen zu können.

Aufbau und Übersicht über Themen und Inhalte

Das Buch ist in zehn Kapitel differenzierter Themen untergliedert. Im Vorwort wird in einer sehr verkürzten Art das Anliegen der Publikation verdeutlicht.

  1. Das erste Kapitel ist mit dem Titel "Epidemiologie" überschrieben. In fünf Unterkapiteln werden die Verbreitung differenzierter Demenzformen und deren wichtigsten Kennzeichen diskutiert. Die mit Abstand häufigste neurodegenerative Erkrankung ist die Demenz vom Alzheimer - Typ, deren Prävalenz jenseits des 90. Lebensjahres ca. 35% beträgt.
  2. Das zweite Kapitel setzt sich mit der Thematik "Risikofaktoren" auseinander. Von den im ersten Kapitel beschriebenen fünf Demenzformen werden drei heraus gegriffen, für die Risiken heraus gearbeitet werden. Der sicherste Risikofaktor der Alzheimer Krankheit ist das höhere Lebensalter sowie eine positive Familienanamnese und genetische Ursachen. Bei der vaskulären Demenz sind es ischämische Läsionen und spezifische Krankheiten.
  3. Kapitel drei nimmt zu Fragen der "Pathologie und Patophysiologie" Stellung. Es werden die Ursachen (Ätiologie) und die Entstehungsweise (Pathogenese) der fünf benannten Demenzformen bestimmt, wobei medizinische Laien die Begrifflichkeiten nicht verstehen dürften. Ein Beispiel sollte zur Verdeutlichung genügen: "Die neurofibrillären Bündel sind intrazelluläre Ablagerungen paariger helikaler Filamente, die ..." (S. 25).
  4. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit Fragen der "Demenz und Depression". Die Depression wird als Risikofaktor und als Symptom einer Demenz diskutiert, wobei beide die häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter sind. Stoppe betont, dass eine Erhöhung des Demenzrisikos bei Personen auftrete, die in ihrem Leben an einer Depression erkrankt waren.
  5. Im fünften Kapitel "Klinik und Verlauf" werden die klinischen Charakteristika von zehn differenzierten Demenzen thematisiert. Bei der Demenz vom Alzheimer - Typ kommt es im Frühstadium zum sozialen Rückzug, Initiativlosigkeit und zu emotionaler Irritabilität. Die Sprache sei nicht mehr so flüssig, die Antworten weniger präzise und der Informationsgehalt der Sprache nehme ab. Erst im fortgeschrittenen Stadium würde es zu Verhaltensstörungen mit Aggressionen kommen.
  6. Kapitel sechs ist der Thematik "Diagnose und Differentialdiagnose des Demenzsyndroms" verpflichtet. Eine Demenz würde dann diagnostiziert, wenn eine Störung des Gedächtnisses und mindestens eine weitere Störung beispielsweise die Aphasie, Apraxie, Agnosie oder eine Beeinträchtigung der Exekutivfunktion vorlege. Des Weiteren wird zur kortikalen und subkortikalen Demenz, zur kognitiven Beeinträchtigung, zum amnestischen Syndrom sowie zum Delir Stellung genommen.
  7. Das nächstfolgende Kapitel sieben ist mit 40 Seiten das umfangreichste und ist den "Diagnostischen Verfahren" gewidmet. Die Anamnese und Fremdanamnese, psychopathologische, körperliche und neuropsychologische Untersuchungen sowie Screeningverfahren sind Verfahren, die zur Differentialdiagnostik genutzt werden. Ebenso werden Skalen angewandt, von denen die vier zurzeit am häufigsten angewendeten vorgestellt werden. Laboruntersuchungen sowie neurophysiologische und bildgebende Verfahren können weitere Befunde abklären.
  8. Das achte Kapitel setzt sich mit der "Therapie" auseinander. Gleich zu Beginn erwähnt die Autorin, dass die Alzheimer Krankheit derzeit mit keinem Mittel verhindert, sondern nur verzögert werden könne. Bei vaskulären oder vielen sekundären Demenzen wäre eine primäre Prävention allerdings möglich. Medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen werden vorgestellt und einer kritischen Bewertung unterzogen.
  9. Das neunte Kapitel beschäftigt sich mit "Speziellen Aspekten" der Demenzerkrankung (S. 120). Schmerzen, Essen und Ernährung, Schlaf und Inkontinenz werden als solche betrachtet und diskutiert.
  10. Das letzte und zehnte Kapitel zur "Versorgung" thematisiert die Beratung und Vermittlung sozialer Hilfen, pflegende Angehörige, die ein eigenes Erkrankungsrisiko von bis zu 50% aufgrund der Belastung durch die Pflege hätten, rechtliche Belange, die Pflegeversicherung, die ambulante ärztliche Versorgung und die Heimeinweisung. Dieses Kapitel ist von den anderen insofern spezifisch, weil es auf medizinische Begrifflichkeiten weitgehend verzichtet und dadurch auch für medizinische Laien verständlich ist.

Fazit

Die Beurteilung der Publikation ist für mich zwiespältig. Es ist eine, die wissenschaftlichen Standards entspricht und für die meisten medizinischen Professionen verständlich ist und umfangreiche Informationen bietet, allerdings nicht, wie von der Autorin angedacht, für eine breite Leserschaft. Der notwendige Spagat zwischen Überforderung einerseits und Unterforderung andererseits ist aus meiner Sicht nicht gelungen, weil insbesondere zu viele Fachbegriffe, dann aber auch zu detaillierte Informationen den medizinisch nicht Gebildeten das Lesen erschweren dürfte.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 07.12.2007 zu: Gabriela Stoppe: Demenz. Diagnostik - Beratung - Therapie. UTB (Stuttgart) 2006. ISBN 978-3-8252-2651-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3685.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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