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Hermann Brandenburg, Michael J. Huneke: Professionelle Pflege alter Menschen. Eine Einführung

Cover Hermann Brandenburg, Michael J. Huneke: Professionelle Pflege alter Menschen. Eine Einführung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2006. 586 Seiten. ISBN 978-3-17-018258-5. 35,00 EUR.
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Einführung in das Thema

Das Altern ist ein komplexer Prozess, der gesellschaftliche, ökonomische, soziale, medizinische, körperliche, psychische und biographische Aspekte umfasst. Die Veränderungen betreffen nicht nur den alternden Mensch individuell, sondern immer auch das soziale System, in dem er lebt. In diesem Lehrbuch wird die professionelle Pflege alter Menschen als integratives Konzept vorgestellt mit dem Ziel, den Auszubildenden und den examinierten Pflegekräften in der Altenpflege eine umfassende Sicht des Alters und Alterns zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht explizit nicht die Beschreibung von pflegerischen Handlungen oder Techniken, sondern der Schwerpunkt ist gelegt auf die Entwicklung einer ganzheitlichen Sichtweise und einer humanistischen und systemischen Grundhaltung.  Das innovative Konzept trägt der Lernfeldorientierung vor dem Hintergrund des bundeseinheitlichen Altenpflegegesetzes Rechnung. Die Verbindung von schulischem und betrieblich erworbenem Wissen bestimmt als weiterer Grundgedanke dieses Buch.

Autoren

  • Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Altenpfleger, Fachbereich Pflege und Management, lehrt Pflegewissenschaft und Gerontologie an der Kath. FH Freiburg.
  • Dipl.-Päd. Michael J.Huneke, Gesundheits- und Krankenpfleger, Qualitätsmanager und Dipl.-Pädagoge, Geschäftsführer des DBfK Nordwest e.V.

Die beiden Hauptautoren haben die Konzeption des Buches entwickelt und mehrere Kapitel verfasst. Ihr beruflicher Hintergrund garantiert die Berücksichtigung wissenschaftlicher, pädagogischer und berufspolitischer Fragestellungen und deren kompetente Bearbeitung. Die beiden Hauptautoren wurden unterstützt von mehreren Mitautoren, die praktische Erfahrungen in der Altenpflege haben. 

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 12 Kapitel unterteilt, die wiederum 3 Themenkomplexen zugeordnet werden können:

  1. Gesellschaftliche Hintergrundinformationen, ambulantes und stationäres Pflegeangebot (Kapitel 1, 3, 9)
  2. physiologischer Alterungsprozess, somatische und psychische Alterserkrankungen pflegerische Schwerpunktproblematiken (Kapitel 2, 4-6, 10)
  3. Fachlichkeit in der Altenpflege inkl. ethischer, juristischer und berufspolitischer Aspekte professioneller Pflege (Kapitel 7-8, 11, 12)

Als zentrales didaktisches Element wurde die  Lebensgeschichte einer (fiktiven) Familie gewählt, entlang deren Entwicklung von der Rente bis zum Tod die typischen einschneidenden Problematiken dargestellt werden. Im Mittelpunkt steht immer wieder die Frage: "Wie kommt der alternde Mensch mit den vielfältigen Veränderungen zurecht, und welche professionelle pflegerische Unterstützung braucht er und seine Bezugspersonen?"

Die einzelnen Kapitel enthalten immer die gleichen Grundelemente:

  1. Inhalt und Ziele (des Kapitels)
  2. Der biographische Ausschnitt (der fiktiven Familie)
  3. Themenfeld (Sachinformationen)
  4. Aufgaben der Pflege
  5. Übungsbeispiele (Fallbeispiele)
  6. Literatur (Quellen zur Vertiefung)

Ausgangspunkt des Themas ist immer die Lebenssituation. Diese wird unter Bezugnahme der Leitdisziplinen Gerontologie und Pflegewissenschaft und mit Hilfe der Bezugswissenschaften Medizin, Soziologie und Psychologie gedeutet. Dieses konzeptionelle Vorgehen ermöglicht einen differenzierten Zugang zum Verständnis der Gesamtsituation. Der Blick auf alte Menschen ist nicht von den Einschränkungen und Defiziten bestimmt, sondern orientiert sich an den Potenzialen und der Unterschiedlichkeit der Menschen.

Neben medizinischen und pflegerischen Fachthemen im engeren Sinne werden auch und gerade Themen bearbeitet, die eine übergreifende und für den alten Menschen persönlich wichtige Bedeutung haben und die in der aktuellen Diskussion stehen. Auch Streit- oder Tabuthemen wird nicht ausgewichen. Beispiele: Individuelle und gesellschaftliche Bilder vom Altern, Sexualität, Partnerschaftsgestaltung, Lebensstile und Wohnformen, Gewalt, Unterstützung von Bezugspersonen, Beratungsmodelle.

Diskussion

Die  sehr klare, ansprechende Gestaltung der einzelnen Kapitel (z.B.  farbliche Hervorhebungen, Piktogramme, Tabellen) erleichtert die schnelle Orientierung. Leitfragen und Übungsbeispiele für die selbstständige Bearbeitung fördern die Selbstreflexion und die Herstellung eines persönlichen Bezugs zu abstrakten Problemstellungen. Als kritischen Hinweis möchte ich möchte nur kurz auf zwei Themen hinweisen, die ich vermisst habe:

  1. das Thema "kultursensible Pflege". Die Bundesrepublik Deutschland als faktisches Einwanderungsland wird zunehmend mit der gesellschaftlichen Problematik konfrontiert werden, dass ausländische MitbürgerInnen nicht nur Arbeitskräfte sind, sondern auch ihren Lebensabend hier verbringen werden. Für die (Alten-)Pflege ist hier ein umfangreiches Wissen über verschiedene Kulturen mit ihren Werten und Ritualen wichtig.
  2. das Thema "Belastungen und Unterstützung der Pflegenden". AltenpflegerInnen in stationären Einrichtungen gehören nach Ergebnissen diverser Studien zu den Hauptrisikogruppen für die Entwicklung einer Burn-Out-Problematik. Hier gilt des den Blick auch auf die Bedürfnisse der Pflegenden zu richten, damit sie den an sie gestellten hohen Erwartungen und Anforderungen gerecht werden können.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Auszubildende in Altenpflegeberufen, Pflegende in der stationären und ambulanten Altenhilfe, Pflegehilfskräfte, Dozenten für Pflegeberufe

Fazit

Das Buch "Professionelle Pflege alter Menschen" ist kein Lehrbuch, sondern ein Lernbuch. Es eignet sich sowohl als Nachschlagewerk und als auch als Instrument selbstständigen Lernens. Es ist kein Ersatz für ein Pflegefachbuch, in dem das pflegerische Handling erläutert wird. Es dient als wertvolle Ergänzung, um nicht in der (Pflege-)Technik zu verharren, sondern das eigene Handeln reflektiert in einen Gesamtzusammenhang stellen zu können.

Es werden keine Rezepte weitergegeben, sondern immer wieder deutlich gemacht, dass es keine einfachen Antworten auf komplexe Fragestellungen gibt. Es wird eine Grundhaltung befördert, die den gemeinsamen Prozess zwischen professionell Pflegenden und Betroffenen in den Mittelpunkt stellt und die ständige (Wieder-)Herstellung einer größtmöglichen Lebensqualität zum Ziel hat. Altenpflege ist in erster Linie Beziehungsgestaltung.


Rezensentin
Nele Koch
Lehrerin für Pflege, Gestaltpädagogin, systemische Beraterin


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Zitiervorschlag
Nele Koch. Rezension vom 12.02.2007 zu: Hermann Brandenburg, Michael J. Huneke: Professionelle Pflege alter Menschen. Eine Einführung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2006. ISBN 978-3-17-018258-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3740.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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