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Dirk Baecker: Schlüsselwerke der Systemtheorie

Cover Dirk Baecker: Schlüsselwerke der Systemtheorie. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 352 Seiten. ISBN 978-3-531-14084-1. 24,90 EUR.
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Das Thema

Dieses Buch gibt einen vorzüglichen Überblick über die innovativen Ideen verschiedener systemischen Theorien im 20. Jahrhundert zwischen 1948 und 1988.

Zum Herausgeber

Dr. Dirk Baecker ist Professor für Soziologie an der Universität Witten-Herdecke.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in eine kurze einführende Einleitung des Herausgebers und 23 Einzelbeiträge. In seiner Einleitung stellt Baecker die Kernfragen und Grundideen vor, die das systemtheoretische Denken in diesen 23 Schlüsselwerken ausmachen:

  • Die Idee der Kommunikation
  • Die Idee der Differenz
  • Das Denken in Kategorien der Ontologie
  • Die Figur des Beobachters und das Problem der Komplexität
  • Die Idee der Selbstorganisation
  • Die Idee der Temporalisierung
  • Die Idee der Kritik
  • Die Idee der Kognition.

Baecker, der konstatiert, dass in der heutigen Zeit trotz einer boomenden systemischen Szene "die Systemtheorie wissenschaftlich kaum noch eine Rolle spielt" (Seite 12), geht davon aus, dass es aus heutigern Sicht ein Glücksfall war, dass in den Jahren zwischen 1948 und 1988 eine kreative und produktive Systemtheorie betrieben werden konnte, die solche wertvollen Schlüsselwerke hervorbrachte. Die Beiträge von zwei Frauen und einundzwanzig Männern, - jeweils unterschiedlich lang - geben eine kurze Darstellung und einen Kommentar des von ihnen favorisierten theoretischen Beitrages einer Persönlichkeit und dessen Bedeutung.

Alle in diesem Band vorgestellten Persönlichkeiten können in einem weiteren Sinne als Klassiker der Systemtheorien verstanden werden. Dabei ist festzuhalten, dass ihr jeweiliger Bekanntheitsgrad in unserem Land mehr oder weniger groß sein wird. Zu den Persönlichkeiten wie Gregory Bateson, Francisco Varela und Humberto Manturana, Heinz von Foersterund Niklas Luhmann findet man ohne Mühen eine reichhaltige deutschsprachige Literatur, auf die auch in aktuellen Diskursen Bezug genommen wird. Veröffentlichungen zu Talcott Parsons,  Gotthard Günther und Ludwig von Bertlanffy liegen zwar ebenfalls vor, werden aber nur noch selten in den Diskursen erwähnt, so dass beispielsweise der Autor des Beitrages über Ludwig von Bertlanffy sagen kann, dass dieser mehr zitiert als gelesen wurde (Seite 145). Gleiches gilt wohl für den Außenseiter George Spencer-Brown, dessen anspruchsvolle Verbindung von Mathematik und Epistemologie viele Leser/innen zurückschrecken lässt.

Zusätzlich wertvoll wird das Buch aber durch die Einbeziehung von amerikanischen und europäischen Größen der Systemtheorien, deren bahnbrechenden Überlegungen kaum noch erinnert oder gar erwähnt werden, die aber nichts desto trotz wertvolle Denkanstösse für die heutige Diskussion bieten. Dazu  zähle ich Juergen Ruesch, W. Ross Ashby, John von Neumann, Gordon Pask, Warren S. McCulloch, Donald M. MyKay, Herbert A. Simon, Anthony Wilden, Yves Barel  und Henri Atlan. Ihnen allen ist gemein, dass sie die eine oder andere Facette der von Baecker aufgezeigten Kernfragen mit innovativen Überlegungen angegangen sind. Über die einzelnen Darstellungen erhält der Leser einen Einblick in die historische Dimension der Entwicklung unterschiedlicher Systemtheorien.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die auch an den theoretischen Dimensionen der Systemtheorien interessiert sind und dabei der historischen Dimension der Entwicklung Aufmerksamkeit schenken wollen. 

Fazit

Durch die Breite und Tiefe der Beiträge kann dieses Buch auch als eine Art Meta-Rezension verstanden werden. Es gibt einen vorzüglichen historischen und inhaltlichen  Überblick über grundlegende systemische Theorien und Konzepte. Sowohl Praktikerinnen und Praktikern können hier wertvolle Anregungen finden als auch Studierende, die sich einen Überblick über systemische Theorien verschaffen wollen. Von daher sollte es auch in jeder Hochschulbibliothek für Studierende zu finden sein.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 26.10.2006 zu: Dirk Baecker: Schlüsselwerke der Systemtheorie. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. ISBN 978-3-531-14084-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3746.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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