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Manfred Haubrock, Walter Schär: Betriebswirtschaft und Management im Krankenhaus

Cover Manfred Haubrock, Walter Schär: Betriebswirtschaft und Management im Krankenhaus. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. 4. Auflage. 616 Seiten. ISBN 978-3-456-83943-1. 49,95 EUR, CH: 99,00 sFr.

Reihe: Management im Gesundheitswesen, Gesundheitswirtschaft.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-456-84664-4 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Die Gesundheitspolitik der jüngsten Vergangenheit hat in der Krankenhauslandschaft zu großen Veränderungen im Bezug auf erweiterte Aufgabenstellungen und zu tiefen Einschnitten in der Struktur, der Organisation und der Finanzierung geführt. Als Hauptveränderung muss das neue Entgeltsystem (G-DRG`s) angesehen werden, welches die Krankenhäuser dazu anhält, ihre Leistungen und Kosten an regional gültigen fallbezogenen Preisen zu orientieren und sich somit einem regionalen Qualitäts- und Preiswettbewerb zu stellen. Der Schwerpunkt wandelt sich von der "Bedarfsdeckung an Krankenhausversorgung" zum "Überschuss- bis zur Gewinnerzielung". Diese zunehmende Ökonomisierung wird noch verstärkt bei den ständig wachsenden Krankenhausketten. Demzufolge die Bedeutung der Betriebswirtschaft, sie nimmt einen immer stärkeren Stellenwert auch in der vorherrschenden  Kultur und der Philosophie eines Krankenhauses ein!

Aus diesen gewandelten Anforderungen der Unternehmenspraxis folgt die Notwendigkeit, die Kenntnisse des Krankenhausmanagements qualitativ zu vertiefen. Eine hochwertige Qualität der Ausbildung von Führungskräften im Krankenhauswesen hat hohe Aktualität. 

Das vorliegende Werk von Haubrock und Schär wird sich einen führenden Platz bei Praktikern und Studierenden sichern, es ist als wertvolle Hilfe für studierende und praktizierende Pflegemanager  sowie andere Leitungs- und Führungsfachleute im Gesundheitswesen einzuschätzen. Zu den Themen Management und Betriebswirtschaft im Krankenhaus  kann man die vierte vollständig überarbeitete Neuauflage als Leitfaden und Standardlehrbuch ansehen.

Aufbau und Inhalt

  1. Nach einem Geleit- und Vorwort gehen die Autoren im 1. Kapitel auf Grundlagen in der Gesundheitsökonomie und der bedarfsgerechten Versorgung mit Gesundheitsleistungen ein.  Sie zeigen auf, dass Gesundheitsleistungen als Wirtschaftsgüter betrachtet werden müssen, welche den normalen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten wie Angebot und Nachfrage unterliegen. Gesundheitsleistungen werden von verschiedenen Einrichtungen des sozialen Netzes erbracht, diese werden im Einleitungskapitel vorgestellt. Dabei wird, bedingt durch die demographische Entwicklung, verstärkt auch auf pflegerische Leistungen nach SGB XI (Soziale Pflegeversicherung) und Hospizdienste eingegangen.
  2. Kapitel 2 stellt sich den gesamtwirtschaftlichen Rahmen der Sozialversicherung und ihren Formen das. Dabei wird aus der Darstellung der wesentlichen Entwicklungsetappen der deutschen Sozialpolitik und des Sozialversicherungssystems deutlich, dass es langfristig gesehen durch die steigende Lebenserwartung und dem immer ungünstiger werdendem Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern, um die Lösung von gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsproblemen geht. Das Lehrwerk geht auf weitere, artverwandte Themen wie die Arbeitsförderung, Unfallversicherung, Rentenreform sowie die gesetzliche und private Krankenversicherung ausführlich ein.
  3. Das 3. Kapitel gibt nach einer Einführung über Aspekte der Betriebswirtschaftslehre einen guten Überblick über die verschiedenen betrieblichen Rechtsformen. Die jeweiligen Charakteristika sowie Vor- und Nachteile werden prägnant wiedergegeben. Anschließend wird im Abschnitt Ziele und Zielsysteme auf Unternehmenszweck, -leitbild und verschiedene Steuerungssysteme wie "Costcenter", "Profitcenter" und "Investmentcenter" eingegangen. Nach Betrachtung von Leistungsplanung und Leistungserbringung erörtert der letzte Hauptabschnitt exemplarisch auf die Übertragung von betriebswirtschaftlichen Aspekten in den Krankenhausbereich. Dabei legen die Autoren besondere auf den Ablauf der Leistungserbringung, auf spezifische betriebliche Grundtatbestände, auf ausgewählte Rechtsformen/Betriebsführungsstrukturen und Ziele/Zielsysteme Wert.
  4. Das Kapitel 4 versucht die gesamte Bandbreite des Managements als Lösungsansatz vorzustellen. Es werden verschiedene Managementmethoden/-systeme wie "Kaizen", das "Lean Management" oder auch weitere in anderen Wirtschaftsbereichen fest etablierte Modelle dargestellt. Bei der Darstellung ist der durchgängige rote Faden, inweifern diese Ansätze geeignet sind, zur Steuerung und Gesundheitseinrichtungen zu dienen. GGfs. erforderliche Spezifikationen und Optimierungen werden kenntnisreich erörtert. Auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammende Lösungswege, die unter der Bezeichnung "Managed Care" zusammengefasst sind, werden hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit in deutsche Verhältnisse untersucht. Dabei setzen sich die Autoren vor allem mit Fragen auseinander, ob man die Ziele "Qualität", "Kundenorientierung" und "Wirtschaftlichkeit" auf einer Ebene realisieren kann.
  5. Nach einer theoretischen Einführung in die Grundlagen, die Werkzeuge und die Organisation des Controllings wird im 5. Kapitel verdeutlicht, warum das Controlling durch seine teamorientierte Vorgehensweise ein besonders geeignetes Managementinstrument im Gesundheits- und Pflegebereich sein kann. Über einige einleitende Bemerkungen zu Grundlagen und Ausrichtung kommen die Autoren zu den Funktionen und der Gliederung der Kosten-, Leistungs-, Erlös- und Ergebnisrechnung. Dabei wird auch auf Unterscheidungskriterien und Rechensysteme eingegangen sowie die Unterscheidung nach dem Zeitfaktor (Istkosten- vs. Plankostenrechnung) vorgestellt. Weiterhin wird der Behandlung von Personalmanagement und verschiedenen Aspekten der Führung und Führungsstile Platz eingeräumt. Unter dem integrierenden Instrument der "Balanced Score Card" werden verschiedene Kennzahlensysteme dargestellt und diskutiert. Beim Materialmanagement wird vor allem die ökologische Komponente der Materialwirtschaft hervorgehoben. Beim Thema Marketing ist die besondere Bedeutung des Marketingansatzes für die Häuser des Gesundheitsmarktes angesichts der sich abzeichnenden zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitsmarktes und sich wandelnder Kundenbedürfnisse relevant. Der abschließende Teil dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Krankenhausfinanzierung aus einzelwirtschaftlicher Sicht, wobei das Hauptaugenmerk auf der Darstellung und Analyse der DRG- Fallpauschalen im realen Einsatz sowie ihrer historischen Entwicklung liegt.
  6. Das 6. Kapitel widmet sich der Dokumentation und der Informatik im Gesundheitswesen. Nach einer Begriffserklärung wird auf der Grundlage der Entwicklungsetappen von Datenerfassung und Dokumentation im Gesundheitswesen beschrieben, von wem, aus welchem Grund und welcher Inhalt zu dokumentieren ist. Dabei wird auf Pflichten und Zuständigkeiten von Ärzten und Pflegenden verwiesen, die durch geänderte Anforderungen der Gesetzgebung, der Ökonomie und der Einbeziehung des Controllings entstanden sind. Ein weiteres Thema der prozessorientierten Datenverarbeitung ist die "elektronische Patientenakte", an welcher anhand von Bildschirmmasken beispielhaft die praktische Umsetzungsmöglichkeiten dargestellt werden. Dabei werden systematisch anhand des Arbeitsablaufes in einem Krankenhaus, von der ersten ärztlichen Anamnese bis hin zum Pflegeüberleitungsbericht, die einzelnen Prozessschritte aufgezeigt. Weiterhin werden Programme für die Dienst-, Ressourcen- und Terminplanung sowie der DRG- Arbeitsplatz vorgestellt.
  7. Mit dem Thema Risikomanagement aus klinisch-pflegerischer Sicht und im Pflegeprozess beschäftigt sich das 7. Kapitel. Es werden Definitionen von Risiko-Pflegediagnosen, potenziellen Komplikationen sowie Risikoassessmentformen, Risikoinstrumente und -protokolle aufgeführt. Als Beispiel wird eine Risikopflegediagnose und eine typische potentielle Komplikation dargestellt und in den Zusammenhang mit Expertenstandards und interdisziplinären Versorgungspfaden gebracht und erläutert.
  8. Kapitel 8 stellt verschiedene Pflegesysteme tätigkeitenorientiert und personenorientiert dar. In Form des Critical Pathways (interdisziplinäre Versorgungspfade)und des Pflegeprozesses werden einzelne Instrumente der Prozessgestaltung beschrieben. Bevor im Abschluss des Kapitels auf die Pflegebildung im Prozess des gesellschaftlichen Wandels eingegangen wird, ist die Pflegevisite als Instrument des Managements, der Pflegenden und der Patienten Gegenstand der Ausführungen. Dabei wird über Gestaltungsmöglichkeiten, Aufwand und Nutzen berichtet.
  9. Das abschließende Kapitel nimmt zu einigen Aspekten der Pflegepolitik Stellung. Dabei stehen Themen wie die Bedeutung und Aufgaben des Deutschen Pflegerates e.V., die Gesetzliche Qualitätssicherung nach SGB V und XI, die integrierte Versorgung sowie die Umsetzung des G-DRG-Systems bis 2007 genauso zur Debatte wie die Kooperation für Transparenz und Qualität (KTQ). Das Buch endet mit abschließenden perspektivischen Bemerkungen, die dem Leser aufzeigen, in welche Richtung sich voraussichtlich die zukünftige Entwicklung ergeben wird.

Positiv zu erwähnen ist das ausführliche Sachwortverzeichnis am Schluss des Lehrwerkes, es umfasst 36 eng beschriebene Seiten.

Diskussion

Das in der hier vorliegenden 4., völlig überarbeiteten Ausgabe vorliegende Lehrwerk stellt eine herausragende Leistung dar. Praktiker und Studierende können sich einerseits anhand eines Lehrwerks über die wesentlichen gesamtwirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen aus einer Hand informieren. Andererseits werden die gängigen Managementinstrumente übersichtlich eingeführt und auf ihre Eignung für den Bereich der Gesundheitseinrichtungen überprüft.

Neben dem reinen Lehrtext tragen die im Werk enthaltenen Abbildungen, Tabellen und praktischen  Beispiele wesentlich zur Veranschaulichung bei. Besonders herauszuheben ist schließlich die wissenschaftliche Aktualität sowie die genaue und fachkundige Aufbereitung der fachlichen, ökonomischen und rechtlichen Inhalte. Insgesamt gesehen ist dieses Buch ein äußerst interessantes Basiswerk für Leitungs- und Verwaltungsfachleute der Gesundheitsbranche sowie für Studenten der Pflegewissenschaften und des Pflegemanagements bestens geeignet. Das 2. Übersichtskapitel zur Sozialversicherung ist für Ökonomen im Bereich der Krankenhäuser und Pflegeinrichtungen eine sehr lesenswerte Kurzeinleitung in die Sozialen Gesetzlichkeiten.

Und ganz am Rande bemerkt: Auch für den "normalen" BWL- bzw. VWL-Studenten eröffnet dieses Lehrwerk einen guten Überblick, da sich in Zukunft nach Meinung des Rezensenten vermehrt die Frage stellen wird, ob nicht im Bereich der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ein lohnendes Einsatzgebiet liegen könnte.

Fazit

Als Grundlagenwerk für Leitungs- und Verwaltungsfachleute der Gesundheitsbranche, für praktizierende und studierende Pflegemanager und für Ökonomiestudenten, die sich nach einem interessanten Tätigkeitsfeld umsehen, ist dieses Buch uneingeschränkt sehr zu empfehlen.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 04.08.2007 zu: Manfred Haubrock, Walter Schär: Betriebswirtschaft und Management im Krankenhaus. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. 4. Auflage. ISBN 978-3-456-83943-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3749.php, Datum des Zugriffs 28.05.2020.


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