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Hans H. Wickel, Theo Hartogh: Musik und Hörschäden

Rezensiert von ao. Prof. i.R. Dr. Franz Dotter, 22.10.2006

Cover Hans H. Wickel, Theo Hartogh: Musik und Hörschäden ISBN 978-3-7799-1951-3

Hans H. Wickel, Theo Hartogh: Musik und Hörschäden. Grundlagen für Prävention und Intervention in sozialen Berufsfeldern. Juventa Verlag (Weinheim) 2006. 200 Seiten. ISBN 978-3-7799-1951-3. 15,00 EUR.

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Überblick über den Inhalt

  • Das Buch beginnt nach einer kurzen Einleitung mit einer Darstellung der Zugänge der Akustik zum Hören (Schalltypen, Schallmessungsdimensionen) und einem kurzen Aufriss zu Aspekten der "Schallumwelt früher und heute".
  • Dem folgt eine Beschreibung des Hörapparats und des Hörens in den verschiedenen menschlichen Alters- bzw. Entwicklungsstufen, sowie der wesentlichen Funktionen des Gehörs. Immer wieder wird dabei kurz auch auf die Kultur des Hörens bzw. des Umgangs mit Schallereignissen eingegangen.
  • Ein weiteres Kapitel ist den Hörbehinderungen ("Hörschäden") gewidmet, das darauf folgende den diagnostischen Methoden der Audiometrie. Als spezielle Formen von Hörbehinderung werden dann noch Tinnitus, von der Norm abweichendes Lautheitsempfinden, Hörsturz und die Menièresche Krankheit (Hörstörungen mit zusätzlichen Erscheinungen wie Drehschwindel) vorgestellt.
  • Das folgende Kapitel ist der apparativen bzw. operativen Behandlung von Hörbehinderungen, sowie sonstigen technischen Hilfsmitteln (Raumaustattungen u.ä.) gewidmet.
  • Kapitel 8 beschäftigt sich mit Lärm (Arbeitslärm, Freizeitlärm, laute Musik) als Gesundheitsrisikofaktor.
  • Kapitel 9 behandelt die Vorbeugung gegen Lärmschwerhörigkeit, sowohl aus der Verhaltensperspektive als auch bezüglich technischer Maßnahmen (Lärmkontrolle, -begrenzung und -schutz). Hier wird auch "Pädagogische Ansätze zur Hörerziehung" eingegangen.
  • Das nächste Kapitel (10) behandelt Kommunikationsformen und -techniken mit und zwischen hörbehinderten Menschen.
  • Kapitel 11 ist dem Thema Musik bei Hörbehinderung gewidmet (sowohl Hören von Musik als auch Musiktherapie für hörbehinderte Menschen).
  • Ein kurzer Ausblick schließt das Buch ab, das auch ein Literaturverzeichnis, ein Glossar und einschlägige Post- bzw. Internetadressen enthält.

Kommentar

Will ich einen Überblick über den Gesamtbereich Hören/Hörbehinderung auf Papier haben (d.h. will ich nicht bei Wikipedia nachsehen, wo z.T. bereits mehr geboten wird), kann ich hier Kurzinformationen bezüglich vieler Unterthemen durchgehen.

Halte ich mich dagegen an den Titel des Buchs ("Musik und Hörschäden"), lautet das Urteil: Thema verfehlt. Suche ich (entsprechend dem Untertitel " Grundlagen für Prävention und Intervention in sozialen Berufsfeldern" oder dem Reihentitel "Grundlagentexte Soziale Berufe") spezielle (sozial-) pädagogische Strategien oder Handreichungen, bin ich schwer enttäuscht. Das lässt sich auch rein arithmetisch zeigen: Von den ca. 140 Textseiten des Buchs handeln 13 über Lärm (diese inkludieren 9 über Hörschäden durch Musik), 4 über Musikhören mit Hörapparat bzw. Cochlea-Implantat, 6 über Prävention und 12 über pädagogische Maßnahmen. Was im Buch über Hörschäden durch Lärm und laute Musik zu lesen ist, findet sich heutzutage schon im Aufklärungsprogramm jeder guten Schwerhörigenorganisation oder in den ersten bei einer Internetsuche gefundenen Quellen. Über Musikakustik selbst wird z.B. praktisch nichts Spezielles ausgesagt, obwohl das doch Hauptthema sein sollte.

Der Versuch, die einzelnen Texteabschnitte kurz zu halten, führt oft zu relativ oberflächlichen oder unausgewogenen Darstellungen:

  • Es finden sich beispielsweise sehr allgemeine Formulierungen, wie: "In der Erziehung ist das Hinführen zu einer erfolgreichen Auseinandersetzung mit der Umwelt,  die eben auch zu einem wesentlichen Teil über den Gehörsinn aufgenommen wird, eine wichtige Zielsetzung. Folglich ist das Hören ein elementarer Bestandteil dieses Prozesses und bildet zugleich eine grundlegende Voraussetzung für dessen erfolgreiches Bestehen." (S. 32)
  • Oder es wird der Anschein erweckt, dass hörbehinderte Menschen eine homogene Gruppe darstellen und ihre Bedürfnisse sich allenfalls graduell unterscheiden (damit kommen hochgradig schwerhörige und gehörlose Personen zu kurz oder bleiben bei Themen wie Musiktherapie überhaupt unberücksichtigt).
  • Im Pädagogikbereich wird nicht auf die Argumente derer eingegangen, welche nicht der lauten Musik, sondern Knallgeräuschen die Hauptschuld an Hörschädigungen geben (ohne die Validität solcher Argumente hier beurteilen zu wollen); vgl. z.B.: www.lizzynet.de.

Einzelpunkte: Trotz Betonung der Gesundheitsförderung und der Erziehung zur Selbstbestimmung wird nicht klar gesagt, dass hörbehinderte Menschen ein Recht auf die Wahl des Kommunikationsmittels haben; eher entsteht folgender Eindruck: Sie sind eben behindert und man muss sich in der Kommunikation mit ihnen bemühen; mehr nicht. Bei der Menièreschen Krankheit wird nicht auf den damit leicht verwechselbaren "gutartigen" Lagerungsschwindel verwiesen. Hier nur eine kleine Auswahl von Internetadressen, welche nicht im Buch genannt sind:

Fazit

Als Einstiegs- und Überblicksinformation zum Thema "Hörschäden durch Lärm" geeignet, für spezielle Fragen zum Thema "Musik und Hörschäden" kaum geeignet.

Rezension von
ao. Prof. i.R. Dr. Franz Dotter
Sprachwissenschaftler, Universität Klagenfurt
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Es gibt 80 Rezensionen von Franz Dotter.

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Zitiervorschlag
Franz Dotter. Rezension vom 22.10.2006 zu: Hans H. Wickel, Theo Hartogh: Musik und Hörschäden. Grundlagen für Prävention und Intervention in sozialen Berufsfeldern. Juventa Verlag (Weinheim) 2006. ISBN 978-3-7799-1951-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3762.php, Datum des Zugriffs 21.02.2024.


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