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Martin Möllmann (Hrsg.): [...] Steuerung von Bildungsprozessen und arbeitsmarktrechtlicher Integration

Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, Diplom-Pädagoge Martin Schön, 11.07.2006

Cover Martin Möllmann (Hrsg.): [...] Steuerung von Bildungsprozessen und arbeitsmarktrechtlicher Integration ISBN 978-3-7639-3311-2

Martin Möllmann (Hrsg.): MatchAktiv®. Für eine effiziente Steuerung von Bildungsprozessen und arbeitsmarktrechtlicher Integration. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. 148 Seiten. ISBN 978-3-7639-3311-2. 21,80 EUR. CH: 39,30 sFr.

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Steuerung von Bildungs- und Integrationsprozessen: damit es passt

Die Idee ist einfach und auch nicht neu: Das Qualifikations- und Interessensprofil eines Bewerbers muss demnach optimaler Weise der Arbeitsplatzbeschreibung entsprechen, damit beruflicher Erfolg wahrscheinlich wird. Auf diesem Prinzip der Eignungsdiagnostik basieren die Berufswahltests der Bundesagentur für Arbeit und die Auswahlverfahren der Arbeitgeber. Entsprechen die Gegebenheiten ("Ist") nicht den Notwendigkeiten ("Soll"), sollte eine Passung ("match") angestrebt werden - üblicherweise durch Bildungs- und Qualifizierungsprozesse. Soweit ist dies eigentlich nichts Neues. Neu ist jedoch, dass jemand versucht, daraus eine computergestütztes Konzept zur Steuerung von Bildungs- und Integrationsprozessen zu entwickeln.

Hintergrund

Das Konzept "MatchAktiv" wurde von Martin Möllmann (Innova Holding Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH) entwickelt. An der vorliegenden Veröffentlichung unter seiner Leitung und Mitwirkung haben sich Andreas Kröner, Silka Martens, Dr. Sandra Thieme, Norman Balke und Anja Schika beteiligt. Das Konzept und die Veröffentlichung entstanden dem Anschein nach ohne Förderung von dritter Seite oder Beteiligung von IAB bzw. einer Arbeitsagentur. Dies ist keine Selbstverständlichkeit und überrascht. Alle Beteiligten arbeiten für den privaten Träger der Erwachsenenbildung Innova Privat-Akademie GmbH, der sich auf seiner Homepage als einen der bedeutendsten privaten Bildungsträger beschreibt, der über 300 Mitarbeitern und Dozenten beschäftigt.

Beschreibung von "MatchAktiv®"

Es ist zu begrüßen, dass hier ein Unternehmen gestartet wird, im engeren Sinne des Wortes "Datenverarbeitungs"­technik zur Unterstützung bei der individuellen und zielgenauen Ausrichtung, Planung und dem Controlling von Unterrichtsprozessen einzusetzen: MatchAktiv wird dazu als ein verfahrensstrukturelles Unterstützungsinstrument präsentiert (S. 6).

Es wird gezeigt, wie der Vergleich von Balkendiagrammen mit Zielbeschreibungen (Soll-Profil, Anforderungsprofil) mit den Balkendiagrammen von Personengegebenheiten (Ist-, Kompetenz- oder Leistungsprofil) organisiert werden kann. Diese Differenzen werden auf viele Arten grafisch dargestellt und sollen so besser in weiteren Planungen berücksichtigt werden können. Hierdurch sollen Maßnahmen genauer eingesetzt und kontrolliert sowie Passungsprobleme vermieden bzw Matching verbessert werden. Insgesamt wollen die Autoren mit dem Verfahren dem deutschen Bildungssystem aus seiner Krise helfen (S. 7), bzw. auch dessen Effizienz im Sinne einer verbesserten Passung zwischen Bewerbern und Angeboten (Studierende vs. Studienrichtung, Stellenbewerber vs. Arbeitgeberwünsche) verbessern.

Das Verfahren beschränkt sich auf einfache Vergleichsoperationen im Sinne von Differenzbildungen zwischen den Listen mit Soll- und Ist-Merkmalen. Diese Merkmale, Eigenschaften oder Kompetenzen (Einschätzungen, Testergebnisse, biografische Daten) werden vom Verfahren nicht unmittelbar erfasst (S. 15), sind also einzugeben bzw. gegeben vorausgesetzt. Im Buch werden unterschiedlichste Listen von Merkmalen und Zielen beispielhaft aufgezählt, gegenübergestellt bzw. deren Differenzen grafisch veranschaulicht, um so durch Bündelung und Strukturierung der Informationen (S. 21) die Handhabung zu vereinfachen, ja vielleicht auch überhaupt erst nahe zu legen. Die Beispiele sind u.a das Berufsfeld Maler, ein betriebswirtschaftliches Studium, der IT-Bereich und der Hauptschulabschluss. Der Leser findet hier zunächst Anregungen zur Analyse von Förderzielen und Persönlichkeitsmerkmalen bei Förderlehrgängen (Arbeitsmarkt) sowie der Dokumentation und Analyse des Förderungsverlaufes.

Relevanz für die Praxis

Die Autoren sehen vor allem und im Vordergrund das Problem, mit einem geeigneten Verfahren eine große Zahl von Daten systematisch aufzunehmen, zu vergleichen und so handhabbar zu machen. Das Prinzip der Soll-Ist-Abgleiche ist hinlänglich bekannt und wird vielfach eingesetzt, wenn auch nur eingeschränkt systematisch in Bildungsberatungs- und -steuerungssituationen. Die Autoren stellen dabei ihr Anliegen vielseitig, anschaulich und gründlich vor, ohne Nachahmern bzw. Nutzern jedoch tatsächlich konkrete, fundierte und praktische Handlungsmöglichkeiten zu bieten:

  • Die verwendeten / anzuwendenden Erhebungsinstrumente (Tests, Verfahren) werden nicht vorgestellt.
  • Die vorliegenden Operationalisierungen (Listeninhalte) wurden dem Anschein nach keiner Untersuchung unterzogen (beispielsweise bezüglich Korrelation und Gewichtung) oder basieren auf wissenschaftlichen Überlegungen und verbleiben daher auf dem Ad-Hoc und Augenscheinlichkeitsniveau.
  • Es fehlt auch die Beschreibung der tatsächlichen Anwendung des Konzepts (Software).

Für die Praxis gibt das Buch wichtige Impulse und bietet konzeptionelle Hinweise für eine Umsetzung, deren Zeitaufwand jedoch beträchtlich ist und den ein Bildungsträger nicht leisten kann. Die Autoren sind sich dessen wohl bewusst, abschließend bezeichnen sie ihr Konzept als einen "Vorschlag", dessen Tragfähigkeit sie zur Diskussion stellen wollen (S. 143).

Exkurs: Anmerkungen zur Planbarkeit und Steuerung von Bildungsprozessen

Obwohl wir sowohl den Einbezug der Datenverarbeitung als auch ein transparenteres Vorgehen bei der Integration und Bildungsprozessen unterstützen, kommen wir dem Wunsch der Autoren nach, indem wir grundsätzliche Bedenken anbringen. Bei dem Verfahren, das sich an der Eignungsdiagnostik orientiert, wird unterstellt, dass die Teilnehmer von Bildungsmaßnahmen feststehende Merkmale und Eigenschaften haben, wie beispielsweise Objekte in einem Fertigungsprozess. Allerdings handelt es sich dabei um Subjekte, das bedeutet: Für diesen Planungsprozess entsteht Komplexität nicht einfach additiv als Verlängerung der Merkmalsliste, sondern aus der Dynamik und Rückbezüglichkeit des Subjektiven. Subjekte haben im Zeitverlauf oft höchst unterschiedliche Merkmale: Befindlichkeiten, Intentionen, Motivationen, Widerstände. Sie erleben und deuten entsprechend Situationen und entwickeln daraus Eigenschaften, aber auch neue Deutungen und Reaktionen. Diese entwickeln sich aber nicht stetig im Sinne einer planerisch häufig unterstellten Proportionalität zur Unterrichtszeit oder im Sinne eines Nürnberger Trichters. Entwicklungen sind in beide Richtungen oft sprunghaft - also heute geht es oder will man, morgen nicht, plötzlich hat man völlig unvermittelt ein Aha-Erlebnis, plötzlich ist man für oder gegen etwas eingestellt. So gesehen erweist sich in der Realität der Studienabbruch im Ergebnis nicht als nachteilig (gemessen an der beruflichen Integration), mangelnde Passung eines Bewerbers erweist sich oft als Herausforderung und Chance - für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer. Damit soll aber nicht ausschließlich dem Zufall und Chaos das Wort geredet werden. Es braucht organisatorisch schon Orientierungen. Ob es jedoch Sinn macht, die in kleinste und allerkleinste Ziele herunterzubrechen und zu verfolgen ist aus den angeführten Gründen kritisch zu sehen.

Ergänzend noch ein ganz praktischer Hinweis: Betrachtet man konkrete Unterrichtssituationen, mangelt es wohl auch nicht am Verfahren, sondern eher an der Zeit, dieses mit Daten zu füttern und die ausgewerteten Daten umzusetzen.

Fazit

Das vorliegende Buch betrachten wir als einen begrüßenswerten und anschaulichen Beitrag als ersten Schritt zur Konzeption und Nutzung unterstützender IT-Verfahren bei der individuellen Bildungsberatung und -planung.

Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung

Diplom-Pädagoge Martin Schön
Geschäftsführer des bims e.V.
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Es gibt 23 Rezensionen von Sandra Schaffert.
Es gibt 7 Rezensionen von Martin Schön.

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ISSN 2190-9245