Cornelia Feider: Berufsrückkehrerinnen
Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, 06.06.2006
Cornelia Feider: Berufsrückkehrerinnen. Erwerbs- und Familienverläufe nach Qualifizierungsmaßnahmen aus biographischer Perspektive.
W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG
(Bielefeld) 2006.
225 Seiten.
ISBN 978-3-7639-3232-0.
29,90 EUR.
Reihe: Weiterbildung und Biographie, Band 5.
Berufsrückkehrerinnen
Anders als im Nachbarland Frankreich unterbrechen viele Frauen in Deutschland ihre Erwerbstätigkeit für ein oder mehrere Jahre, manchmal auch Jahrzehnte, wenn sie ein Kind bekommen. Um die Chancen auf einen Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt zu vergrössern - um zu motivieren, zu orientieren und nicht zuletzt qualifizieren - werden u.a. vom Arbeitsamt (Arbeitagenturen) Kurse für Berufsrückkehrerinnen angeboten.
Hintergrund
In ihrer Dissertation an der Universität Hamburg befragte die Diplom-Psychologin Cornelia Feider ehemalige Teilnehmerinnen von Berufsrückkehrerinnenkursen. Die Autorin hat sieben Jahre lang Kurse für Berufsrückkehrerinnen geleitet und arbeitet inzwischen an der Universität Duisburg-Essen im Fachbereich Bildungswissenschaften.
Ziel und Inhalt der Arbeit
Cornelia Feider befasst sich mit der Frage "welche Prozesse die Frauen, die durch eine Qualifizierungsmaßnahme auf die Rückkehr ins Erwerbsleben vorbereitet wurden, durchlaufen, in welcher persönlichen, beruflichen und familiären Situation sie sich mehrere Jahre nach Maßnahmeende befinden und wie sie ihre Lebens- und Berufsentscheidungen erklären" (S. 10). Durch die Durchführung und Auswertung von 20 narrativen Interviews gelangt sie zu sechs Typen von Erwerbs- und Familienverläufen von Berufsrückkerinnen nach Qualifzierungsmaßnahmen. Ihr Beitrag gliedert sich in
- "Einleitung und Fragestellungen",
- einen Abschnitt "Begriffsklärung und gesetzliche Grundlagen", in dem u.a. der Begriff Berufsrückkehrerinnen und gesetzliche Regelungen zur Freistellungsmöglichkeiten nach der Geburt eines Kinders vorgestellt. werden,
- eine Übersicht über den "Forschungsstand", insbesondere zum Erwerbsverlauf von Müttern, dem Spannungsfeld von Erwerbsarbeit und Familie und Haltungen und Orientierungen von Berufsrückkehrerinnen gegenüber Erwerbsarbeit,
- eine "Theoretische und methodologische Einordnung der Untersuchung" in der sie ihre Entscheidungen bezüglich der Wahl der Theoriebildung (empirisch begründet), der Perspektive (biographisch) und der Methode (narrative Interviews) darlegt und begründet,
- eine Beschreibung von "Situation und Erwerbsverläufen von Berufsrückkehrerinnen nach Qualifizierungsmaßnahmen in Zahlen" mit Hilfe der Ergebnisse einer statistischen Voruntersuchung (einer postalischen Befragung von 96 Teilnehmerinnen),
- eine Vorstellung der "Biographischen Analysen der Erwerbs- und Familienverläufe von Berufsrückkehrerinnen nach Qualifizierungsmaßnahmen".
- eine "Einordnung der Ergebnisse in den Forschungsstand" sowie ein
- "Fazit und abschließende Gedanken".
Cornelia Feider gelangt in ihrer Analyse zu sechs unterschiedlichen Typen von Berufsrückkehrerinnen, die sich insbesondere durch folgende Werthaltungen und Interessen auszeichnen:
- "hohe Erwartungen an Erwerbsarbeit und Familie",
- "Familiäre Gebundenheit vor beruflichen Ambitionen",
- "Erwerbsarbeit als nachfamiliale Sinnquelle neben Freizeitinteressen",
- "Wachsendes Vertrauen in sich selbst und in die Eigenverantwortung der Kinder",
- "Berufliche vor familiärer Verantwortung" sowie
- "Existenzsicherung der partnerlosen Familie durch Erwerbsarbeit" (S. 82ff).
Vor diesem Hintergrund und den dargestellten Fällen erschließen sich die unterschiedlichen biographischen Erfahrungen vor und nach Qualifizierungsmaßnahmen, welche selbst eher in den Hintergrund geraten. Die Autorin zeigt auf, dass trotz recht unterschiedlichen Werthaltungen gegenüber Beruf und Familie sowie unterschiedlichen Erwerbsverläufen die Teilnahme am Qualifizierungskurs die Teilnahme von Teilnehmerinnen retrospektiv positiv bewertet wird. Dies gilt auch für den Typus von Frauen, die nach einem bereits erfolgten Wiedereinstieg ihre Erwerbstätigkeit mittelfristig aufgeben, weil sie ihren hohen Anforderungen an Familie und Beruf nicht gerecht werden (vgl. S. 209), also in der offiziellen Auslegung kein Maßnahmerfolg zu verbuchen ist.
Fazit
Die Arbeit überzeugt durch eine klare, nachvollziehbare Gliederung und Darstellung, der die Entstehung und Entwicklung der Arbeit mitsamt ihren Entscheidungsprozessen und Reflexionen von der Motivation bis zur Entwicklung der Typen deutlich und nachvollziehbar machen.
Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Es gibt 23 Rezensionen von Sandra Schaffert.




