Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Peter Franzkowiak: Präventive Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

Rezensiert von Prof. Dr. Frauke Koppelin, 30.11.2006

Cover Peter Franzkowiak: Präventive Soziale Arbeit im Gesundheitswesen ISBN 978-3-8252-2737-1

Peter Franzkowiak: Präventive Soziale Arbeit im Gesundheitswesen. UTB (Stuttgart) 2006. 162 Seiten. ISBN 978-3-8252-2737-1. 14,90 EUR. CH: 26,80 sFr.
Reihe: Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Band 9
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Hintergrund und Zielstellung des Buches

Die Soziale Arbeit hat im Gesundheitswesen keine unbedeutende Rolle. Schon ein Blick auf die Anfänge der Sozialen Arbeit - die Gesundheitspflege und -fürsorge - zeigt die starke Verbindung zur Gesundheitsprävention. Die aktuellen Diskussionen um die Zusammenhänge zwischen Sozialer Ungleichheit und Gesundheit verweisen vor dem Hintergrund der "neuen Armut" auf die vielen Aufgabenfelder. Diese reichen von der Arbeit mit Kindern, Familien bis zur Altenarbeit und sind Sektoren übergreifend.

Das Werk ist in der Reihe "Soziale Arbeit im Gesundheitswesen" erschienen ist (Band 9). Das Anliegen der Reihe ist es, eine Grundorientierung in zentralen Gegenstandbereichen der Soziale Arbeit im Gesundheitswesen zu vermitteln und damit auch einen Beitrag zur Professionalisierung zu leisten. Die Herausgeber der Reihe, Hans-Günther Homfeld und Albert Mühlum, haben namhafte Autorinnen und Autoren für die Reihe gewinnen können und haben auch mit Peter Franzkowiak einen Kenner des Schnittstellenbereichs Prävention und Soziale Arbeit im Gesundheitswesen gewonnen. Der Autor hat in den Anfängen der Einrichtung der Public Health Studiengänge in Deutschland wichtige Akzente gesetzt. Dieses Wissen gibt er in seinem Werk an Dritte weiter und markiert dabei die wesentlichen Stationen in der Entwicklung des Präventionsgedanken und der Gesundheitsförderung.

Aufbau und Inhalt

  1. Eine Einführung in die Grundbegriffe und die professionsbezogene Verortung präventiver Sozialer Arbeit im Gesundheitswesen steht am Anfang des Buches. Dieser Abschnitt führt aber auch gleichermaßen in die Struktur des Buches ein. Besondere Aufmerksamkeit wird vom Autor auf den historischen Wandel des Präventionsbegriffs gelenkt. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Bemühungen ein Präventionsgesetz einzuführen, bietet der Autor hier wichtige Hintergrundinformationen um die jetzigen Entwicklungen zu verstehen. Der Text wird insgesamt von anschaulichen Tabellen und Übersichten begleitet. Der Autor setzt sich mit Prävention und Gesundheitsförderung unter dem Aspekt der Gemeinsamkeiten und Abgrenzung intensiv auseinander. Da diese Begriffe gegenwärtig inflationär verwendet werden, ist eine kritische Zielbestimmung sinnvoll. Die zentrale Frage nach der Stellung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen klärt Franzkowiak durch die Betrachtung der beruflichen Zuständigkeiten und Aufgabenbiete als auch über eine Theorie geleitete Auseinandersetzung (und Annäherung).
  2. Prävention aus einer biomedizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Perspektive wird im zweiten Abschnitt des Buches dargestellt. Unterschiedliche konzeptionelle Zugänge, Strategien und Ansatzpunkte werden hier, aufbauend auf das erste Kapitel, ausführlich vorgestellt. So ist es der Leserschaft möglich sich in den Begriffsverwirrungen des Präventionsbegriffs zurechtzufinden und die internationalen Strömungen einordnen zu können.
  3. Welche strukturellen Merkmale die präventive Soziale Arbeit im Gesundheitswesen aufweist und welche Arbeitsfelder quantitativ und qualitativ entwickelt sind, greift das dritte Kapitel auf.
  4. Wesentlich umfangreicher ist das darauf folgende Kapitel, das sich mit den präventiven Zielen und den unterschiedlichen Zielgruppen, Adressaten wie auch den unterschiedlichen Multiplikatoren befasst. Das Spektrum der unterschiedlichen Ziele zeigt sich durch die Einzelbetrachtung der risiko- und krankheitsbezogenen Orientierung, der lebensphasenspezifischen Ausrichtung und Handlungsfelder als auch anhand des Lebenslagenbezugs. Die Darstellung der unterschiedlichen Zielgruppen und Adressaten zeigt nicht nur wie breit gefächert diese sind, sondern veranschaulicht auch die damit verbundene Interdisziplinarität.
  5. Das darauf folgende Kapitel Methoden, Handlungsfelder, Qualitätssicherung greift die vorher dargestellte Bandbreite systematisch auf. Der Autor betont, dass es keine einheitliche und allgemein verbindliche Methodenzuordnung gibt. "Vielmehr führen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und Wirksamkeitserfahrungen zu differenten Ordnungen" (Seite 67).
  6. Die Vertiefung exemplarischer Handlungsfelder und Praxisbeispiele im sechsten Abschnitt schafft einen effektiven Einblick in konkrete Ansätze (z.B. Gesunde Städte Projekte, Psychomotorische Bewegungsförderung bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, Gesundheitstreffpunkte und Beratungsstellen). Handlungsfelder wie das Krankenhaus, die Gemeindepsychiatrie, die Selbsthilfeunterstützung, Altenhilfe und Geriatrie werden mit Projektbeispielen vorgestellt.
  7. Prävention berührt eine Reihe von rechtlichen und politischen Aspekten. Diese werden in ihrer Komplexität im siebten Kapitel vorgestellt. Sozial- und gesundheitsrechtliche Grundlagen, die Bemühungen um das Präventionsgesetz sowie die Strukturen, Träger und Leistungen werden hier erläutert.
  8. Der historische Blick auf die Präventionsarbeit verweist notwendiger Weise auf die ethischen Aspekte und Problemfelder. Hier geht der Autor einerseits auf die ethische Prinzipien und den professionellen Kodex in Public Health ein, anderseits werden die Präventionsparadoxien in der Epidemiologie und der Präventionsmedizin mit Blick auf die Aufgaben präventiver Sozialer Arbeit im Gesundheitssektor benannt. Die sozialpädagogische Debatte um die Präventionstechnologien in der Jugendhilfe veranschaulicht den Diskurs bis in die Gegenwart.
  9. Im vorletzten Abschnitt resümiert der Autor die historische Entwicklung mit Blick auf den aktuellen Stand der Gesundheitssozialarbeit.
  10. Daran an knüpft der abschließende Ausblick. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Individualisierung von Gesundheitsrisiken und der Reduktion sozialstaatlicher Leistungen, macht der Autor die Notwendigkeit der Prävention durch soziale Arbeit deutlich. Er betont die Schlüsselfunktion, die der sozialen Arbeit "bei der Bekämpfung der zunehmend ausgeprägten gesundheitlichen Benachteiligung in postmodernen Gesellschaften zu" kommt (Seite 145).

Fazit

Das Buch ist für Professionelle wie Studienanfängerinnen und -anfänger sehr gut geeignet. Es führt nicht nur sehr systematisch in das Arbeitsfeld und die Aufgaben ein, sondern vermittelt umfangreich die Methoden, rechtlichen Grundlagen und Entwicklungstrends der Präventionsarbeit in der Sozialen Arbeit an der Achse des Gesundheitswesens. Einen besonderen Reiz bekommt das Werk durch die kritische Reflexion des Autors. Leserinnen und Leser, die nicht in der Thematik kundig sind, können nach Lektüre des Buches aktuelle gesundheitspolitische Diskussionen mit einem "anderen" Blick betrachten.

Rezension von
Prof. Dr. Frauke Koppelin
Website
Mailformular

Es gibt 3 Rezensionen von Frauke Koppelin.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Frauke Koppelin. Rezension vom 30.11.2006 zu: Peter Franzkowiak: Präventive Soziale Arbeit im Gesundheitswesen. UTB (Stuttgart) 2006. ISBN 978-3-8252-2737-1. Reihe: Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Band 9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3813.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht