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Dorothea Lage: Unterstützte Kommunikation und Lebenswelt

Cover Dorothea Lage: Unterstützte Kommunikation und Lebenswelt. Eine kommunikationstheoretische Grundlegung für eine behindertenpädagogische Konzeption. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2006. 261 Seiten. ISBN 978-3-7815-1441-6. D: 29,80 EUR, A: 30,70 EUR, CH: 52,70 sFr.
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Entstehungshintergrund und Ziel

Die Schrift wurde von der Philosophischen Fakultät Zürich im Sommer 2004 als Dissertation angenommen. Ziel der Arbeit ist es einen Beitrag zur Theoriebildung der Unterstützten Kommunikation zu liefern.

Aufbau und Inhalt

Ausgangspunkt bildet die Theorie des kommunikativen Handelns nach Habermas. Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel.

  1. Im ersten Kapitel wird die Ausgangslage dargestellt, wobei die Autorin gut begründet ihren Ansatzpunkt und die Zielsetzung der Arbeit beschreibt. Eine allgemeine Theorie der UK existiert derzeit noch nicht. Dass dieser Zustand letztendlich auch Probleme in der Praxis bringen kann und wird, wird begründet und damit auch das Anliegen der Arbeit gerechtfertigt.
  2. Im zweiten Kapitel werden begriffliche Grundlagen erörtert. Der Begriff der Kommunikation wird in einen handlungstheoretischen Kontext gestellt.
  3. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Theorie des kommunikativen Handelns nach Habermas, im Kontext der Intention des Buches verstanden als Metatheorie, die eine Erklärung und Bearbeitung des Fachgebiets der Unterstützten Kommunikation ermöglichen soll. Im Blickfeld der Betrachtungen stehen hier die Begriffe der Lebenswelt und der kommunikativen Kompetenz. Mit den Auswirkungen der Habermas­schen Theorie auf Individuum, Gesellschaft und Kultur wird die Hinzuziehung der Wissenschaftsbereiche Entwicklungspsychologie, Soziologie und Linguistik zur theoretischen Bearbeitung der Unterstützten Kommunikation gerechtfertigt.
  4. Im vierten Kapitel wird das Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation dargestellt, wobei die Entstehungsgeschichte und terminologische Aspekte aufgegriffen werden. Ein individuelles Kommunikationssystem, was multimodal ausgerichtet sein sollte, basiert auf den Komponenten Zeichen, Kommunikationshilfen, Auswahltechniken und Konversationsstrategien. In Anlehnung an Tetzchner und Martinsen wird hinsichtlich der Zielgruppe unterstützt kommunizierender Menschen eine funktionsbezogene Systematik favorisiert.
  5. Im Mittelpunkt des fünften Kapitels greift die Autorin Problemfelder der Unterstützten Kommunikation auf und ordnet diese einer entwicklungstheoretischen, einer kommunikationstheoretischen oder einer soziologischen Dimension zu. Ausgehend von dieser komplexen Systematik wird die Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas auf das Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation angewendet, wobei die soziologische Dimension im Vordergrund der Ausführungen steht. Es wird vorgeschlagen, dass sich das Lebensweltkonzept im Sinne einer UK-Kultur konstituieren muss.
  6. Das sechste Kapitel umfasst die Aufstellung von Handlungskonzeptionen für die Arbeit im Bereich der Unterstützten Kommunikation. Die Unterstützte Kommunikation wird eingebettet in sonderpädagogische Leitideen und die Implementierung dieses Fachbereichs wird im Kontext zentraler sonderpädagogischer Praxisfelder theoriegeleitet, hier u.a. durch eine Erweiterung des Partizipationsmodells, begründet, wobei deutlich wird, dass strukturelle Aspekte des Förderangebotes der Unterstützten Kommunikation in den jeweiligen Organisationen maßgeblich zum Erfolg dieses Angebotes und damit letztendlich zur Verbesserung der Lebensqualität nicht bzw. kaum sprechender Menschen beitragen.

Fazit

Das Buch leistet einen interessanten Beitrag zur Weiterentwicklung der Theoriebildung in der Unterstützten Kommunikation, die in wichtigen Bezügen zu praktischen Handlungsfeldern dargestellt werden. Mit der Auseinandersetzung vor allem der soziologischen Dimension unterstreicht die Autorin das zentrale Anliegen der Unterstützten Kommunikation, da Kommunikation immer im gesellschaftlichen Kontext stattfindet. Das Buch spricht in erster Linie Leserinnen und Leser an, die sich mit theoretischen Fragestellungen der Unterstützten Kommunikation auseinandersetzen wollen.


Rezension von
Dr. Malte Kolshorn
Schulleiter, Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung in Kiel
Lehrbeauftragter an der Universität Flensburg, Heilpädagogisches Institut
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Zitiervorschlag
Malte Kolshorn. Rezension vom 19.09.2006 zu: Dorothea Lage: Unterstützte Kommunikation und Lebenswelt. Eine kommunikationstheoretische Grundlegung für eine behindertenpädagogische Konzeption. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2006. ISBN 978-3-7815-1441-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3837.php, Datum des Zugriffs 21.10.2020.


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