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Hans-Jürgen Kerner, Arthur Hartmann: Täter-Opfer-Ausgleich in der Entwicklung

Cover Hans-Jürgen Kerner, Arthur Hartmann: Täter-Opfer-Ausgleich in der Entwicklung. Auswertung der bundesweiten Täter-Opfer-Ausgleichsstatistik für den Zehnjahreszeitraum 1993 bis 2002. Bericht für das Bundesministerium der Justiz. Forum Verlag Godesberg GmbH (Mönchengladbach) 2005. 151 Seiten. ISBN 978-3-936999-21-1.

In Zusammenarbeit mit Sönke Lenz. Hrsg. vom Bundesministerium der Justiz. Kostenfrei.
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Einführung in das Thema

Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) hat sich nach langen Anfangsschwierigkeiten zur festen Institution in der Bundesrepublik entwickelt. Sinn des TOA ist, Opfer und Täter in einem gemeinsam gefundenen Ausgleichprozess zu befrieden. Während im Mutterland des TOA, den USA, solche Projekte eine von Staatsanwaltschaft und Gericht anerkannte Alternative zum staatlichen Reaktions- und Strafanspruch darstellen, sind die Projekte in der Bundesrepublik eher justiziell orientiert. D. h. sie arbeiten auf der Ebene der Sanktionen (vor allem im Jugendstrafrecht) oder der Ebene der Einstellung des Verfahrens unter Auflagen (§ 153, 153a StPO, 45 JGG) bzw. finden bei Strafzumessung ( § 46 IIStGB) und im neu eingefügten § 46a StGB (Täter-Opfer-Ausgleich, Schadenswiedergutmachung) als möglicher Strafmilderungsgrund Berücksichtigung. Vom eigentlichen Ziel der Idee des Opfer-Täter-Ausgleichs, eine Alternative zur Justiz zu werden, ist demnach die Bundesrepublik weit entfernt.

Bisher fehlten allerdings, von lokalen Projektberichten abgesehen, bundesweite Daten zu diesem Komplex. Dieses Manko wird nun durch den von Hans-Jürgen Kerner und Arthur Hartmann in Zusammenarbeit mit Sönke Lorenz für das BMJ erstellten Verlaufsbericht beseitigt.

Aufbau und Inhalt.

Es handelt sich bei der vorliegenden Publikation eher um eine umfangreiche Datensammlung als um eine Evaluation. So fehlt eine theoretische Einführung in den TOA ebenso wie ein Bezug zum Stand internationaler Forschung. Das ist bedauerlich, da es dem bisher mit dem Thema nicht befassten Leser die Möglichkeit nimmt, zu einer eigenen Position zu gelangen. Dies ist aber nicht den Verfassern anzulasten, da es sich offensichtlich um eine Auftragsforschung handelt und dies wohl nicht zu deren Gegenstand gehörte.

Während im ersten Kapitel kurz der Umfang der Erhebung dargestellt wird, folgt im zweiten Kapitel ein Überblick über die beteiligten Einrichtungen, deren Anteil am Gesamtaufkommen und die Zielgruppen des TOA. Kapitel drei beschreibt das Fallaufkommen und Kapitel 4 die den TOA anregende Instanz. Kapitel fünf widmet sich den Merkmalen der einzelnen Fälle bezogen auf die Deliktstruktur, den Merkmalen von Beschuldigten und Geschädigten sowie der Art und Schwere der erlittenen Schäden. Kapitel 6 und 7 informieren über die Ausgleichsbereitschaft von Beschuldigten und Geschädigten und Kapitel 8 über die Form, in der die Ausgleichsgespräche stattfanden. Kapitel 9 stellt schließlich die Ergebnisse der Ausgleichsbemühungen dar, während in Kapitel 10 über die Dauer der Ausgleichsverfahren berichtet wird. Dem schließt sich ein ausgezeichnetes Literaturverzeichnis an, das einen guten Überblick über die breit gefächerte Literaturlandschaft zu diesem Thema gibt. Der Bericht endet mit einem umfassenden Tabellenteil zu den Schaubildern im Text.

Zielgruppe

Als Zielgruppe bieten sich StudentInnen als auch PraktikerInnen aus Sozialer Arbeit und Justiz an, die sich mit dem Thema näher befassen wollen und einen Überblick über die bundesweite Praxis wünschen.

Fazit

Zunächst sei gesagt, dass es begrüßenswert ist, dass diese Daten nun für einen längeren Zeitraum vorliegen. Fraglich ist, was sie aussagen, da z.B. die Teilnahme aan der bundesweiten TOA-Statistik freiwillig ist.  So wird im Bericht nicht erkennbar wieviel Prozent der überhaupt existierenden Projekte sich an der bundesweiten TOA-Statistik regelmäßig beteiligen. Ein weiteres Manko ist der fehlende theoretische Bezugsrahmen. Es bleibt weitgehend dem Leser überlassen, wie er mit den Daten umgeht und sie interpretiert. Auch fehlen Kreuztabellierungen, die eine Verbindung zwischen Einzeldaten ermöglicht hätten. Das ist ausgesprochen schade. Positiv ist, dass nunmehr erstmals Verlaufsdaten vorliegen, die zumindest unter diesem Aspekt Aussagen zu Klientel und Verfahren des TOA in der Bundesrepublik ermöglichen.


Rezension von
Prof. Dr. Helmut Janssen
M.A. (USA), FH Erfurt, FB Sozialwesen


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Zitiervorschlag
Helmut Janssen. Rezension vom 25.03.2007 zu: Hans-Jürgen Kerner, Arthur Hartmann: Täter-Opfer-Ausgleich in der Entwicklung. Auswertung der bundesweiten Täter-Opfer-Ausgleichsstatistik für den Zehnjahreszeitraum 1993 bis 2002. Bericht für das Bundesministerium der Justiz. Forum Verlag Godesberg GmbH (Mönchengladbach) 2005. ISBN 978-3-936999-21-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3857.php, Datum des Zugriffs 22.10.2021.


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