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Ulrich Dauscher: Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt

Cover Ulrich Dauscher: Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. ZIEL Verlag (Augsburg) 2006. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. 254 Seiten. ISBN 978-3-937210-52-0. 24,90 EUR.

Früher unter dem Titel: Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt.
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Thema und Nutzen des Buchs

Dauscher stellt mit der „Moderationsmethode“ und der „Zukunftswerkstatt“ die beiden zentralen Organisationsformen der Arbeit mit Gruppen vor. Der Autor erläutert das gemeinsame Moment: Beiden Workshoptypen gehe es darum, "Menschen in gemeinsamer, eigenständiger Arbeit zu unterstützen" (S.10) und beschreibt die Trennlinien: Die Moderationsmethode stammt aus der kommunikationsorientierten Unternehmensberatung und die Zukunftswerkstatt aus der politischen Aufbruchsbewegung der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Bei dieser hier vorliegenden Auflage (der dritten) handelt es sich um eine im Text im Wesentlichen unveränderten Neudruck der ersten und zweiten Auflagen (1996/1998), die damals im Luchterhand-Verlag erschienen waren und ist also eigentlich ein „alter Hut“.

Dennoch ist der kleine Band eigentlich unverzichtbar für Alle, die in Erwachsenenbildung, Schule und kommunikationsorientierten Kontexten Sozialer Arbeit tätig sind oder werden wollen. Das hat mehrere Gründe:

  1. Nirgendwo sonst gibt es eine derartig komprimierte und gleichzeitig informative und sich selbst erklärende  Übersicht über zwei zentrale Moderationsformen für die Arbeit mit Gruppen.
  2. Die beiden Methoden werden didaktisch geschickt kontrastiv beschrieben. So können Gemeinsamkeiten und Trennlinien scharf und präzise herausgearbeitet werden.
  3. Immer ist erkennbar, dass die beschriebenen Verfahren und Techniken vom Verfasser, der selber Moderator und Trainer ist, durchgängig selbst erprobt worden sind. Dauscher hat bei einigen der „Klassiker“ selber gelernt.
  4. Außerdem lässt sich  der Text durch eine Reihe von Materialien zum Download sinnvoll ergänzen (auf die der Autor im Übrigen nicht verweist; es handelt sich hier um eine Empfehlung des Rezensenten: www.dauscher-training.dewww.planeasy.de).
  5. Die aufmerksame Lektüre ermöglicht einen kleinen Einblick in die Geschichte der Erwachsenenbildung, auf die Dauscher in der einzigen textlichen Veränderung gegenüber den beiden ersten Auflagen nur ganz bescheiden hinweist (S.113), wenn er die Situation Mitte der 90er Jahre beschreibt: „Ein Moderationsmethode-Moderator wusste meist wenig von der Zukunftswerkstatt und umgekehrt.“ Wenn das heute anders ist, dann nicht zuletzt wegen des hier zu besprechenden Buches.
  6. Es ist immer interessant zu sehen, dass Bücher eine Geschichte haben. Der Autor ist unter anderem Sozialpädagoge und hat eine Vorform des hier vorliegenden Buches als Diplomarbeit und Abschluss seines Studiums verfasst. Jetzt gehört das zu den „Grundlagen der Weiterbildung“, wie der Reihentitel verrät. Schön!

Teil I: Moderationsmethoden

Im Einzelnen: Zunächst (Erster Teil) stellt der Autor die Moderationsmethode vor und problematisiert nach einem kurzen historischen Abriss der Entwicklung das „Beziehungsgeflecht“, also das Verhältnis zwischen Moderator, Gruppe, Thema und Methoden. Danach beschreibt er sehr übersichtlich ein Kernmoment der Moderation: Die Visualisierung. Die Anleitung zur Gestaltung wird sinnvoll und übersichtlich durch Beispiele für Plakate, Moderationskarten und Punkteskalen ergänzt, gleichsam als Visualisierung der Visualisierung. Daran schließt sich eine Diskussion der Aufgaben des Moderators an, den Dauscher als „Hebamme“ beschreibt, der nichts selber macht, sondern den Gruppenprozess nur unterstützt. Zu Recht arbeitet Dauscher als zentrales Moment der Moderation „die Haltung“ des Moderators aus. Im Anschluss werden die gängigen Frageschemata der Moderation beschrieben und klassifiziert. Zum Abschluss werden die Planungselemente der Moderation erläutert, wobei der Autor zum Einen Wert legt auf  die Darstellung eines eher allgemeinen Ablaufschemas, zum Anderen aber auch Einzelaspekte fokussiert: Konflikte, Kreativität, Gruppenbildung, Spielregeln.

Eine Beispielmoderation rundet den ersten Teil ab. Den Schluss bildet ein erster kurzer Vergleich zwischen Zukunftswerkstatt und Moderationsmethode.

Teil II: Zukunftswerkstatt

Danach (Zweiter Teil) stellt der Autor in durchaus ähnlicher Stufung wie im ersten Teil die Zukunftswerkstatt vor, die er richtig als „zweite große Moderationsform“ bezeichnet (S.111), wobei er richtigerweise betont, dass sie sich unabhängig von der Moderationsmethode entwickelt hat.

Der Begriff der ZW ist untrennbar mit dem Namen des Friedens- und Konfliktforschers Robert Jungk verbunden. Deswegen hat auch eine Erläuterung dieser Moderationsweise mit einer Verbeugung in diese Richtung zu beginnen. Erst dann wird klar, dass die ZW im Unterschied zur Moderationsmethode zielorientiert ist: Sie versteht sich als Instrument zur Demokratisierung der Gesellschaft; sie ist basisorientiert. Dauscher stellt eine entsprechende Erläuterung an den Beginn seiner Erläuterungen.

Die Beschreibung der „Vorbereitungsphase“ (S.131ff.) bildet deshalb einen sinnvollen Einstieg, sie deutlich macht, dass die ZW ein politischer Workshop ist, der die Betroffenen mobilisiert: Die Entstehung in der Zeit der Studierenden- der Abrüstungs- und Umweltbewegung erklärt, warum das Setting informell ist, warum die Materialien billig sind und dass sie umweltfreundlich sein müssen.

Im Anschluss werden die drei eigentlichen Werkstattphasen vorgestellt und erläutert: Kritikphase, Phantasiephase und Realisierungsphase.

Dauscher beschreibt auch hier die Spielregeln, die Techniken der Visualisierung und die Fragetechniken. Auch hier finden Interessierte eine Fülle von Hinweisen auf methodische Optionen, Alternativszenarien und Gestaltungsspielräume. Deswegen ist das Bändchen auch für erfahrende Zukunftswerkstättler eine Gewinn bringende Lektüre. Zum Schluss gibt„s auch hier eine Beispielmoderation zusammen mit Hinweisen auf Anwendungsbereiche.

Den Schlussstrich unter diesen „Hauptteil“ des Buches zieht Dauschermit einem gelungenen „Vergleich der Wirkungsgefüge“ von ZW und Moderation.

Anhang: Settings der Großgruppenmoderation

Als Bonbon enthält die dritte Auflage noch einen Anhang: "Punktlandung Zukunft: Wandel effektiv gestalten mit großen Gruppen" von Carole Maleh,  der sehr gedrängt auf knapp zwanzig Seiten vier unterschiedliche Settings der Großgruppenmoderation vorstellt:

  1. Appreciate Inquiry,
  2. Open Space,
  3. Zukunftskonferenz,
  4. Real Time Strategic Change.

Das Ganze kann nur grosso modo erläutert werden und steht naturgemäß etwas quer zu den detaillierten Beschreibungen und Analysen des Hauptteils. Dauscher erläutert in seiner Begründung, dass dadurch ein „neuer Blick auf Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt“ möglich sei (S.11). Dieser Gedanke kann  nicht unbedingt nachvollzogen werden, denn dazu wäre eine genauere Analyse notwendig

Fazit

Der Anhang zur Großgruppenmoderation ist aber auch das einzige Fragezeichen der ansonsten ganz vorzüglichen Einführung. Und interessant ist der Hinweis auf die Großgruppenmoderation allemal.


Rezension von
Prof. Dr. Uwe Rabe
ehemaliger Professor für Erziehungswissenschaft an der FH Münster
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Zitiervorschlag
Uwe Rabe. Rezension vom 02.12.2006 zu: Ulrich Dauscher: Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. ZIEL Verlag (Augsburg) 2006. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-937210-52-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3883.php, Datum des Zugriffs 01.06.2020.


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ISSN 2190-9245

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