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Martin Schmidt, Manuela Schmidt-Severin: Einführung in das Kinder- und Jugendhilferecht

Cover Martin Schmidt, Manuela Schmidt-Severin: Einführung in das Kinder- und Jugendhilferecht. Mit Beispielen und Schemata für den leichten Einstieg. Jan Niederle Media (Altenberge) 2006. 128 Seiten. ISBN 978-3-936733-62-4. 6,60 EUR.
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Zielstellung und Zielgruppe

Das Buch oder "Skript", wie es die Autoren nennen, will den "Einstieg" in das Kinder- und Jugendhilferecht ermöglichen. Das sagt der Untertitel. In ihrem Vorwort zum "Skript" empfehlen es die Autoren als Hilfe zum "Nachbereiten des in den Vorlesungen zum Jugendhilferecht behandelten Stoffs" und zur Prüfungsvorbereitung. Es wendet sich damit in erster Linie an Studierende der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik, aber auch an Studierende der Rechtswissenschaft mit einem entsprechenden Wahlfach. Mit der Konzentration auf "prüfungsrelevante Themen" kommt die im Vorwort ebenfalls benannte Zielgruppe der Praktiker allenfalls am Rande in den Blick

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in drei unterschiedlich gewichtete Teile gegliedert.

  1. Der erste Teil (41 Seiten) ist mit "Allgemeine Grundlagen" überschrieben. Er enthält u.a. einen Überblick über das SGB VIII, eine kurze Klärung der Aufgaben und Ziele sowie des Nachrangs und der Eigenständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe sowie Ausführungen zum persönlichen Geltungsbereich des SGB VIII, zum Wunsch- und Wahlrecht der Leistungsberechtigten und zur Rechtsstellung des Kindes bzw. Jugendlichen. Den größten Raum nimmt in diesem Teil das Kapitel F "Verfassungsrechtliche Grundlagen" ein. Hier finden sich knappe Hinweise auf die allgemeine Bedeutung der Grundrechte, eine - im Verhältnis zum Gesamtumfang - ausführliche Darstellung (12 Seiten) des Grundrechts der Eltern auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder sowie des "Staatlichen Wächteramtes" (Art. 6 Abs. 2 GG) einschließlich eines Exkurses zur strafrechtlich relevanten Garantenpflicht der Mitarbeiter der öffentlichen Jugendhilfeträger.
  2. Teil 2 des Buches - "Tätigkeitsfelder der Jugendhilfe" - ist mit 71 Seiten der am stärksten gewichtete Teil. Im Vordergrund stehen die Leistungen der Jugendhilfe. Auf 61 Seiten findet sich ein knapper Überblick über alle Leistungsarten des SGB VIII. Die eingeflochtenen Praxisbeispiele ermöglichen es, die zwischen einzelnen Leistungsarten verlaufenden Grenzlinien leichter zu erfassen. Die eingefügten (Prüfungs-)Schemata helfen, die Arbeit mit den jeweiligen Rechtsnormen zu strukturieren.
  3. Der dritte Teil - "Einzelaspekte des KJH-Rechts" - ist mit seinen 10 Seiten der kürzeste. Hier finden sich einige wenige Ausführungen zum Datenschutzrecht, die sich mit der Betonung des Schutzes der "Sozialdaten" vornehmlich auf die öffentlichen Jugendhilfeträger richten. Der dritte Teil enthält darüber hinaus eine sehr knappe Darstellung der Zuständigkeitsregelungen für die öffentlichen Jugendhilfeträger und schließt mit Ausführungen (auf einer halben Seite) zu Fragen der Kostenbeteiligung im Kinder- und Jugendhilferecht. Diese stellen das System der Kostenbeteiligungen der §§ 90 ff. SGB VIII nicht dar, sondern führen lediglich drei Punkte an, die durch das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (KICK) geändert worden sind.

Alle Kapitel der drei Teile des Buches enthalten Hinweise auf relevante Rechtsprechung und weiterführende Literaturhinweise.

Kritische Anmerkungen

Die gedrängte Form der Darstellung ist durchaus geeignet, Studierenden die Angst vor der komplexen Thematik des Kinder- und Jugendhilferechts zu nehmen. Die - mit Blick auf die Zielstellung - sehr knappen Darstellungen wirken andererseits recht plakativ. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit wesentlichen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe kann auf so engem Raum nicht stattfinden. An einigen Stellen fällt die Darstellung selbst unter Berücksichtigung der Zielstellung des Buches zu knapp aus, so etwa beim Wunsch- und Wahlrecht (S. 45 ff.). Hier hätte die Verbindung des Wahlrechts (§ 5 Abs. 2 SGB VIII) mit dem Vereinbarungsrecht der §§ 78 a ff. SGB VIII nicht ganz ausgeblendet werden dürfen. Und für die nur in das (Prüfungs-)Schema aufgenommene Behauptung, § 5 SGB VIII (Wunsch- und Wahlrecht) räume keinen Rechtsanspruch ein (Worauf genau?), findet sich keine Begründung.

Im dritten Teil des Buches hätten mit Blick auf die Zielstellung die Ausführungen über die Kostenbeteiligungen entfallen können, da sie doch detailliertes Vorwissen voraussetzen. Bei den Ausführungen zum Datenschutz wäre eine nähere Erörterung der für die freien Träger der Jugendhilfe geltenden Regelungen hilfreich gewesen.

Fazit

Trotz der genannten Mängel kann das vorliegende Buch Studierenden helfen, einen ersten Überblick über den Regelungskomplex des SGB VIII zu gewinnen bzw. ihre Kenntnisse im Kinder- Jugendhilferecht zu strukturieren. Und so wollen auch die beiden Autoren ihr "Skript" verstehen "als sinnvolle Ergänzung" neben der Arbeit mit anderen, umfangreicheren Lehrbüchern. In diesem Sinne ist dass Buch insbesondere den Studierenden der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik zu empfehlen.


Rezension von
Prof. Dr. Renate Bieritz-Harder
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Zitiervorschlag
Renate Bieritz-Harder. Rezension vom 04.07.2006 zu: Martin Schmidt, Manuela Schmidt-Severin: Einführung in das Kinder- und Jugendhilferecht. Mit Beispielen und Schemata für den leichten Einstieg. Jan Niederle Media (Altenberge) 2006. ISBN 978-3-936733-62-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3885.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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