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Sigrid Rotering-Steinberg: Anleitungen zur kollegialen Supervision und Qualitätszirkelarbeit [...]

Cover Sigrid Rotering-Steinberg: Anleitungen zur kollegialen Supervision und Qualitätszirkelarbeit sowie zum kollegialen Coaching. dgvt-Verlag (Tübingen) 2005. 2., korrigierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-87159-306-2. 8,00 EUR, CH: 14,80 sFr.

Materialie / Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V., Tübingen, Heft 49.
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Einführung

Sigrid Rotering-Steinberg stellt mit ihrer überarbeiteten Veröffentlichung ein Selbsttrainingsprogramm für kollegiale Arbeits- bzw. Supervisionsgruppen zur Verfügung. Die von ihr entwickelte Anleitung wird innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) in den Qualitätsarbeitskreisen sowie in der Ausbildung zukünftiger PsychotherapeutInnen an DGVT-Ausbildungsstätten eingesetzt und umfasst eine Beschreibung der Rahmenbedingungen, Leitlinien und Instruktionen sowie Beispiele zur Kooperation in kollegialen Supervisionsgruppen.

Autorin

Sigrid Rotering-Steinberg, Dipl.-Psych., Dr. rer. soc. habil., arbeitet als Professorin für Pädagogische Psychologie und ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin. Seit mehr als 30 Jahren nimmt sie an kollegialen Supervisionsgruppen teil und ist darüber hinaus tätig als Supervisorin, Coach und Trainerin in verschiedenen Praxisbereichen.

Aufbau und Inhalt

Die Arbeitsanleitung von Rotering-Steinberg stellt zunächst den allgemeinen Leitfaden zur Kollegialen Supervision vor, verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass das Modell nicht statisch, d.h. starr, anzuwenden ist, sondern nach einer Phase des Einübens an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der  Kollegialen Supervisionsgruppe anzupassen, d.h. flexibel,  sei.

Zwei kurze Lernprotokolle von Studierenden bei Prof. Dr. Rotering-Steinberg geben anschließend Einblick in individuelle Lernerfahrungen, die im Prozess der Anwendung von Kollegialer Supervision gemacht wurden.

Im Hauptteil entfaltet Rotering-Steinberg das von ihr entwickelte, sehr strukturierte Selbsttrainingsprogramm für Kollegiale Supervisionsgruppen über acht Sitzungen. Die beiden ersten Sitzungen dienen der Einübung eines günstigen Gesprächsverhaltens (aktives Zuhören), während die weiteren sechs Sitzungen eine schrittweise Einführung und Einübung der Kollegialen Supervision leisten.  Für jede einzelne Sitzung wird ein detaillierter Arbeitsvorschlag - z.T. mit Alternativvorschlägen - vorgelegt, eingebettet in sog. Technische Hinweise und eine Auflistung von besonderen ModeratorInnenaufgaben. Zu den Arbeitsvorschlägen werden Praxisbeispiele angefügt.

Eine stichwortartige Zusammenstellung von Erfahrungen zur praktischen Durchführung Kollegialer Supervision leitet über zu abschließenden Gedanken über Qualitätszirkelarbeit von PsychotherapeutInnen und zu einer sog. Evaluationsstudie zur Kollegialen Supervision in der Ausbildung. Hier wird allerdings nurmehr eine Transkription eines Supervisionssitzung wiedergegeben, anhand dessen drei exemplarische Auswertungsfragen reflektiert werden.

Angefügt wird schließlich auch noch eine Skizze zu einem sog. MentorInnen-Coaching-Modell zur systematischen Begleitung und Lernförderung "jüngerer KollegInnen" durch erfahrene SupervisorInnen bzw. TherapeutInnen.

Ein Literaturverzeichnis schließt die Veröffentlichung ab.

Zielgruppen

Aus meiner Sicht ist die Veröffentlichung interessant für TeilnehmerInnen in Ausbildungsgängen der DGVT (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie) und darüber hinaus allenfalls von Interesse für DGVT-interne Zusammenhänge, in dem der Stand der ausbildungsbegleitenden Arbeit innerhalb der DGVT durch Kollegiale Supervisionsgruppen aktualisiert zusammengefasst wird und Anstöße gegeben werden für eine fachliche Verortung der DGVT-Ausbildung.

Diskussion

Die Veröffentlichung kommt mit viel Inhalt und Anspruch auf wenigen Seiten daher. Das Selbsttrainingsprogramm ist gewiss für Ausbildungs- und ungeübte Gruppen, die sich erstmalig mit Interventionsverfahren und Kollegialer Beratung befassen, eine geeignete Hilfe, da es eine überaus strukturierte Arbeitsanleitung bietet. In diesem Teil ist die Anleitung auch durch die Praxisbeispiele - allesamt aus dem therapeutischen Bereich - gut lesbar und einigermaßen interessant. Die ergänzend geschriebenen Kapitel, wie z.B. über Qualitätszirkelarbeit und das sog. MentorInnen-Coaching-Modell wirken merkwürdig kurz und "unvollendet", vor allem jedoch ohne erkennbaren inneren Zusammenhang zu dem eigentlichen Anliegen des Buches.

Fazit

Die Anleitung ist überaus schnell zu lesen, man behält gut die Übersicht, ohne dass irgendein "Tiefgang" erreicht wird, vielmehr wirken alle Praxisbeispiele "seicht" und "blutarm", ganz im Gegensatz zur offensichtlich vorhandenen reichhaltigen Erfahrung der Autorin in ihrem Feld.  Die Veröffentlichung hinterlässt beim Leser letztlich keinen Eindruck und im Fazit bleibt bedauerlicherweise nur zu sagen: Die Anschaffung lohnt nicht.


Rezension von
Andreas Baumgärtner
Freiberuflicher Supervisor (DGSv) und Coach (DGfC)
Praxis für Supervision, Coaching und Weiterbildung
Homepage www.andreas-baumgaertner.org
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Zitiervorschlag
Andreas Baumgärtner. Rezension vom 05.09.2006 zu: Sigrid Rotering-Steinberg: Anleitungen zur kollegialen Supervision und Qualitätszirkelarbeit sowie zum kollegialen Coaching. dgvt-Verlag (Tübingen) 2005. 2., korrigierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-87159-306-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3892.php, Datum des Zugriffs 04.04.2020.


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ISSN 2190-9245

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