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Steve de Shazer: [...] Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie

Rezensiert von Prof. Dr. Lilo Schmitz, 08.10.2002

Cover Steve de Shazer: [...] Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie ISBN 978-3-927809-00-0

Steve de Shazer: Der Dreh - überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2002. 7. Auflage. 213 Seiten. ISBN 978-3-927809-00-0. D: 21,90 EUR, A: 22,60 EUR, CH: 39,00 sFr.
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-89670-275-3 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

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Das Thema

Steve de Shazer legt in diesem klassischen Band (Erstauflage 1988) die grundlegenden Strategien der lösungsorientierten Kurzzeittherapie dar.

Der Autor / der Hintergrund

Steve de Shazer gilt als der Begründer der lösungsorientierten Kurzzeittherapie. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Insoo Kim Berg und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am BFTC = Brief Family Therapy Center in Milwaukee hat de Shazer im Laufe der letzten 25 Jahre das Modell der Lösungsorientierung ständig sparsamer und klarer gemacht.

Der Inhalt

Während de Shazers sonstige Bücher und Aufsätze sich häufig mit den philosophischen und lerntheoretischen Grundlagen des lösungsorientierten Modells beschäftigen, stellt "Der Dreh" in klarer und puristischer Form einen Leitfaden für das therapeutische Vorgehen in der lösungsorientierten Beratung und Therapie dar.

Klient/in und Therapeut/in konstruieren und er-finden im therapeutischen Gespräch neue Beschreibungen. Gegenstände des lösungsorientierten Gesprächs sind dabei vor allem Ziele der Klientin, kleine Verbesserungen, die bereits stattgefunden haben, Ausnahmen vom Problem, Natur der Ausnahmen (Zufall? Planung?), Merkmale der angestrebten Fortschritte und Verbesserungen.

Analog der Ja/Nein-Logik von Computern und Entscheidungsbäumen entwickelt de Shazer eine "Zentralkarte", eine Matrix, die die strategische Quintessenz lösungsorientierten Vorgehens im therapeutischen Gespräch verdichtet darstellt.

Grob werden zunächst 3 therapeutische Grundsituationen unterschieden:

die Klientin hat keine Beschwerde (BesucherInnen-Situation)

die Klientin hat eine Beschwerde (Klagenden-Situation)

die Klientin hat eine Beschwerde, an der sie etwas ändern will (KundInnen-Situation).

Hat die Klientin eine Beschwerde, beschreibt de Shazer in klaren Schritten sein weiteres Vorgehen. Dies tut er in lakonischen Arbeitsanweisungen. Hier ein Beispiel:, das das grundlegende Vorgehen in der 2. Sitzung beschreibt:

  • Besser?

Ja.

  • Ziel erreicht?

Ja.

  • Dann beenden.

bzw.:

  • Besser?

Ja.

  • Ziel erreicht?

Nein.

  • Tue mehr desselben.

Ein weiteres Beispiel aus den "Allgemeinen Richtlinien" für therapeutische Aufgaben (115 f.):

"3. Wenn möglich, lass dir jede Ausnahme Schritt für Schritt beschreiben.

  1. Finde heraus, was funktioniert, bzw.
  2. finde heraus, was funktioniert hat, bzw.
  3. finde heraus, was funktionieren könnte; dann
  4. verschreibe das Leichteste.

Illustriert und erläutert werden diese reduzierten und sparsamen Sprachgebilde durch zahlreiche Fallbeispiele, die de Shazers Vorgehen im einzelnen zeigen. Dort wird deutlich, dass de Shazers Vorgehen klar und strikt in der Grundlinie, im Eingehen auf den Einzelfall jedoch hochkomplex und sensibel an den Stil der Klientin anschliesst.

"Der Dreh" will vor allem eine Blaupause sein, eine vereinfachende "Landkarte", die enthüllt, wie lösungsorientierte Therapeuten und Therapeutinnen strategisch vorgehen.

"Der Dreh" ist 1988 geschrieben worden. Seither haben sich einzelne Aspekte und Nuancen in Steve de Shazers Therapieansatz verändert. So nimmt die Wunderfrage einen grösseren Raum ein als noch vor 14 Jahren, während therapeutische Aufgaben zum Sitzungsende einen geringeren Stellenwert bekommen haben. Die Grundzüge des therapeutischen Vorgehens von Steve de Shazer sind aber bereits alle im "Dreh" niedergelegt, der nach wie vor eine faszinierende Wirkung auf seine LeserInnen hat.

Auch erfahrene lösungsorientierte BeraterInnen und TherapeutInnen tun gut daran, gelegentlich zu den klaren Linien des "Dreh" zurückzukehren und zu überprüfen, wo sie ihre Praxis wieder sparsamer und klarer gestalten können.

Kritiker/innen haben de Shazers "Dreh" häufig als über-technisch und blutleer empfunden. Ich dagegen kehre häufig zur Lektüre dieses Klassikers zurück, dessen verdichtete und puristische Sprachkunst mich an ein Haiku erinnert, ein japanisches Kurzgedicht, das die Essenz beschreibt, die durch die jeweilige Praxis der Leserin ergänzt werden kann.

Zielgruppen

Das Buch ist zu empfehlen für alle, die den lösungsorientierten Ansatz kennen lernen wollen und die Quelle lieber als die mittlerweile vielfältige Sekundärliteratur nutzen. Durch seine eingängige Sprache ist "Der Dreh" auch für Studierende gut geeignet und sollte in Lehrbuchsammlungen von Universitäten und Fachhochschulen nicht fehlen.

Fazit

"Der Dreh" ist seit 14 Jahren ein Klassiker der lösungsorientierten Kurzzeittherapie. Er bietet eine bis heute unerreicht klare, erfrischende und markante Einführung in die klassische lösungsorientierte Kurzzeittherapie.

Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
ILBB – Institut für lösungsorientierte Beratung Brühl
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
ehem. Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 126 Rezensionen von Lilo Schmitz.

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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 08.10.2002 zu: Steve de Shazer: Der Dreh - überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2002. 7. Auflage. ISBN 978-3-927809-00-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/398.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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