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Verena Wetzstein (Hrsg.): Ertrunken im Meer des Vergessens? Alzheimer-Demenz [..]

Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 05.11.2006

Cover Verena Wetzstein (Hrsg.): Ertrunken im Meer des Vergessens? Alzheimer-Demenz [..] ISBN 978-3-928698-27-6

Verena Wetzstein (Hrsg.): Ertrunken im Meer des Vergessens? Alzheimer-Demenz im Spiegel von Ethik, Medizin und Pflege. Katholische Akademie Freiburg (Freiburg) 2005. 132 Seiten. ISBN 978-3-928698-27-6. 9,50 EUR.
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Zur Thematik des Buches

Demografie und Demenz sind Themenbereiche, die in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt sind. Deutschland altert und mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Demenzkranken - das sind Sachverhalte, über die sich redlich reflektieren, prognostizieren und auch spekulieren lässt, wie die diversen Publikationen zeigen. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn sich eine katholische Akademie dieser Thematik annimmt.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch enthält Beiträge einer Tagung der katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg, die am 4. und 5. Juli 2003 in Freiburg stattgefunden hat.

Inhalt

Acht Beiträge, überwiegend von Ärzten verfasst, enthält dieser Tagungsband.

  1. Im ersten Beitrag (Seite 9 - 29) setzt sich Hans Lauter mit den Problemfeldern des Sterbens Demenzkranker auseinander. Dabei thematisiert er u. a. die künstliche Ernährung (u. a. PEG), ärztliche Suizidbeihilfe und Tötung auf Verlangen, wobei er klar Stellung bezieht: "Die absichtliche Herbeiführung des Todes gehört nicht zum ärztlichen Aufgabenbereich." (Seite 29).
  2. Hans Förstl beschäftigt sich mit den Demenzen in Theorie und Praxis (Seite 31 - 40). Anekdotenhaft berichtet er u. a. von Stammesritualen aus Papua-Neuguinea, Demenzkranke lebendig zu begraben, Gestaltungsformen des impliziten Gedächtnisses (Londoner Taxifahrer besitzen z. B. einen besonders ausgeprägten Hippokampusteilbereich, der für das Ortsgedächtnis zuständig ist)  und Symptome der Demenz vom Lewy-Körper.
  3. Die Unsicherheit der Diagnosestellung bei Demenzerkrankungen ist das Thema des Beitrages von Bernd Köster (Seite 41 - 51). So ist es z. B. äußerst schwierig, eine leichte kognitive Beeinträchtigung von einer beginnenden Demenz und einer Altersbedingen Vergesslichkeit zu unterscheiden.
  4. Jochen Vollmann beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken von Patientenverfügungen bei Demenzen aus der Sicht einer medizinethischen Analyse (Seite 53 - 78). Dieser Beitrag wurde bereits im Jahr 2000 in der Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie (13: 38 - 50) veröffentlicht.
  5. Auf wenigen Seiten (Seite 79 - 83) berichtet Brigitte Voß über die Kommunikation mit Demenzkranken in der Sterbephase, die auf Erfahrungen in einem Hospiz basieren.
  6. Regina Bertsch referiert über die verschiedenen Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige (Seite 85 - 98), wobei sie besonders auf Beziehungsdreieck Angehöriger - Demenzkranker - Pflegedienst eingeht.
  7. Mechthild Dürk berichtet über die verschiedenen Aufgaben der "Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörigen", einer Einrichtung der Katholischen Sozialstation in Freiburg (Seite 99 - 106).
  8. Im letzten Beitrag versucht sich Markus Preiter an dem etwas sperrigen und leicht spekulativen Thema "Die Evolution des Gedächtnisses im Kontext der Demenzen" (Seite 107 - 130), wobei er u. a. auf Ergebnisse der Verhaltensforschung bei Schimpansen zurückgreift.

Kritische Würdigung und Fazit

Es handelt sich hier um einen typischen Tagungsband einer Akademie: wissenschaftliche Erkenntnisse werden allgemeinverständlich dargestellt, Praxisnahes wie z. B. Vorsorgeverfügungen und Dienstleistungsangebote eingehend erläutert, Kontroverses und Problematisches wie Sondenernährung und Suizidbeihilfe wird kritisch analysiert. Diese Ausführungen verdeutlichen den Sachverhalt, dass das Wissen über Demenzen zunehmend Alltags- oder Allgemeinwissen wird, einen Tatbestand, den man nicht unterschätzen sollte.

Es bleibt zu hoffen, dass weitere Tagungen und auch einschlägige Publikationen zu der Popularisierung der Demenzen beitragen werden.

Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 05.11.2006 zu: Verena Wetzstein (Hrsg.): Ertrunken im Meer des Vergessens? Alzheimer-Demenz im Spiegel von Ethik, Medizin und Pflege. Katholische Akademie Freiburg (Freiburg) 2005. ISBN 978-3-928698-27-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3991.php, Datum des Zugriffs 27.11.2022.


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