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Rita Steininger: Eltern lösen Konflikte

Cover Rita Steininger: Eltern lösen Konflikte. So gelingt Kommunikation in und ausserhalb der Familie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2006. 174 Seiten. ISBN 978-3-608-94401-3. 13,00 EUR.

Reihe: Kinder fordern uns heraus.
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Einführung ins Thema

Keiner mag sie und doch gehören sie zum täglichen Leben in den Familien: Die Streitereien zwischen den Geschwistern; die lautstarke Auseinandersetzung unter Ehepartnern; der Ärger, wenn sich Großeltern in die Kindererziehung einmischen; der Frust in der Kindergruppe; die Spannungen mit der Schule. Konflikte sind im Zusammenleben allgegenwärtig. Wie sollen sie angegangen werden? Reicht es abzuwarten? Konflikte auszusitzen? Meist werden sie dann noch spannungsreicher und unerträglicher, bis sich der Ärger explosionsartig entlädt.

Konflikte müssen aber nicht nur Angst und Schrecken verbreiten, sondern können den Gemeinschaftssinn der Familie stärken, wenn Lösungen gelingen. Mehr noch: Gut gelöste Konflikte stärken die Sozialkompetenz aller Beteiligten. Konfliktlösungen gelingen nur dann, wenn die Beteiligten aufeinander eingehen und verständnisvoll miteinander kommunizieren. Diesem Grundsatz ist die Veröffentlichung von Rita Steininger verpflichtet. Daher wird gezeigt, wie Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung Problemsituationen in Familien bereinigen können.

Aufbau und Inhalte

Im Eingangskapitel skizziert die Autorin zentrale Aussagen über Kommunikation aus den Forschungen von Paul Watzlawick und Virginia Satir. Dann folgt die Anwendung auf folgende Problemfelder der Erziehung in Familien:

  • Gespräche zwischen Eltern und Kindern;
  • Auseinandersetzungen der Eltern untereinander;
  • Kompromissfindung im Familienrat;
  • Analyse des eigenen Kommunikationsverhaltens durch Transaktionsanalyse;
  • ungewollte Einflüsse der Großeltern auf die Kindererziehung;
  • peinliche Situationen beim Besuch von Bekannten;
  • Elterngespräche im Kindergarten und in der Schule,
  • Gespräche mit dem Kinderarzt und Gespräche in einer Gruppe.

Jeder Abschnitt wird ansprechend und leserfreundlich mit einem Gesprächsbeispiel eröffnet. An Hand dieser Beispiele werden anschaulich weitere Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung dargelegt und handlungsrelevant aufbereitet. So erfahren die Eltern beispielsweise, wie sie in schwierigen Gesprächen mit ihren Kindern das von Thomas Gordon beschriebene Aktive Zuhören nützen können. Ein weiterer Ausweg für verzwickte Gesprächslagen zwischen Eltern und Kindern oder auch zwischen den Ehepartnern kann die von Watzlawick propagierte Metakommunikation sein. "Höre mit vier Ohren und rede mit vier Schnäbeln!" verlangt der Kommunikationsforscher Schulz von Thun. Die Autorin demonstriert, wie diese Erkenntnisse weiterhelfen können, wenn der Ehekrach aus den Fugen gerät.

"Du musst …" "Du sollst …" "Ich muss mich schnellsten durchbeißen …" Alles Stresswörter, die stressige Auseinandersetzungen mit Kindern, mit Erzieher/innen und Lehrer/innen oder auch Großeltern noch zusätzlich belasten können. Die Darlegungen machen hellhörig, damit in konfliktträchtigen Gesprächen solche Stress- und Kampfwörter wenigstens verringert, wenn nicht gleich ganz gemieden werden.

Und noch ein kommunikativer Tiefschlag steckt in solchen Aussagen: "Du musst dich mehr anstrengen …" "Du darfst nicht vergessen …" "Du bist ja schon ein großes Kind …" Die sogenannten Du-Botschaften untergraben jeglichen Weg zu einer Konfliktlösung, weil sie den Gesprächspartner abwerten und entmutigen. Dagegen sind die von Thomas Gordon beschriebenen Ich-Aussagen und Ich-Botschaften geradezu ein Königsweg, um Konflikte so zu regeln, damit jede Partei einen Gewinn davon trägt. Die Autorin wendet diese Gesprächstechnik auf viele Beispiele von Auseinandersetzungen in Familien an. Sie lädt die Leser/innen ein, an vorgegebenen Gesprächsbeiträgen selbst Ich-Botschaften zu formulieren.

Kommunikationsprozesse zwischen Eltern und Kindern und Fragen der Kindererziehung sind weitgehend gleich, wobei die Perspektive der Kommunikation Eltern und Kinder als Partner sieht. Dieser Veröffentlichung gelingt es eine kommunikative Pädagogik für Familien zu entwickeln.

Zielgruppe und Diskussion

Es ist schon sehr lange her, dass Thomas Gordon mit seiner Veröffentlichung "Familienkonferenz" versuchte, die Bedeutung von Gesprächstechniken für die Kindererziehung in Familien aufzuzeigen. Endlich gibt es mit der Veröffentlichung von Rita Steininger eine neue und aktuelle Veröffentlichung, die Erkenntnisse aus den Kommunikationswissenschaften für die Familienerziehung nutzbar macht. Die Autorin versteht es, sehr anschaulich kommunikative Prozesse darzustellen und gerade für Eltern die Informationen interessant und ansprechend aufzubereiten, indem sie durch viele Beispiele konkrete Anwendungen demonstriert. Dabei geht die Autorin weit über den Ansatz Gordons in mehrfacher Hinsicht hinaus: Es werden Erziehungsbereiche behandelt, die von außen auf die Familien Einfluss nehmen, beispielsweise Kindergarten, Schule und Großeltern. Auch neuere Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung werden in den Ausführungen aufgegriffen. Und besonders lesenswert sind die Überlegungen zur Wirkung der Körpersprache in der Erziehung.

Knappe übersichtliche Informationen aus der Forschung und Veranschaulichung durch Beispiele halten die Motivation zum Lesen hoch. Und noch dazu sind die Ausführungen ansprechend und geradezu spannend geschrieben. Trotz aller Vereinfachung ist dieses Buch keine Ratschlagspackung, sondern verweist immer wieder auf die Vielschichtigkeit kommunikativer Prozesse und gibt Impulse zur eigenen Analyse.

Jedoch verspricht der Titel "Eltern lösen Konflikte" zuviel. Wenngleich die Beispiele konflikthafte Szenen schildern, so geht es vorwiegend immer um gelingende Gespräche. Die umfänglichen Erkenntnisse aus der Konfliktforschung bleiben unbeachtet, beispielsweise die Entwicklung von Konflikten oder die förderlichen Wirkungen von Konflikten. Jedoch bringt die Publikation viele hilfreiche Anregungen für Eltern, die sich um gelingende Kommunikation mit ihren Kindern bemühen. Und obendrein lernen sie wichtige Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung kennen.

Fazit

Eine Veröffentlichung, die geradezu als Pflichtlektüre für alle angehenden Eltern eingeführt werden sollte.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München


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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 18.12.2006 zu: Rita Steininger: Eltern lösen Konflikte. So gelingt Kommunikation in und ausserhalb der Familie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2006. ISBN 978-3-608-94401-3. Reihe: Kinder fordern uns heraus. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3997.php, Datum des Zugriffs 22.10.2017.


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