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Peter-Christian Kunkel: Jugendhilferecht. Systematische Darstellung [...]

Cover Peter-Christian Kunkel: Jugendhilferecht. Systematische Darstellung für Studium und Praxis. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2006. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 399 Seiten. ISBN 978-3-8329-1918-4. 25,00 EUR, CH: 43,80 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8329-5012-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Einführung in das Thema

Das Lehrbuch beinhaltet nach seinem Titel eine "systematische Darstellung" des Jugendhilferechts nach dem SGB VIII " für Studium und Praxis". Im SGB VIII, auch unter der Bezeichnung "Kinder- und Jugendhilfegesetz - KJHG" bekannt, sind im Wesentlichen die für Familien vorgesehenen Leistungen beschrieben, die - wie es in § 1 Abs. 2 des Gesetzes heißt - das Recht jedes jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit verwirklichen helfen sollen. Außerdem geht es in diesem Gesetz auch um hoheitliche Aufgaben des Jugendamtes, insbesondere um seine Pflicht, Kinder vor Gefährdungen zu schützen. Die aktuelle 5. Auflage des Werkes berücksichtigt die mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz ("TAG") und dem Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz ("Kick") erfolgten Gesetzesänderungen.

Entstehungshintergrund

Kunkel ist Jurist und Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und erfahrener Autor zahlreicher Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Jugendhilferechts. Er war viele Jahre im Landesjugendamt und im Sozialministerium Rheinland-Pfalz tätig. Sein "Lehr- und Praxiskommentar SGB VIII" ist 2006 in 3. Auflage erschienen.

Aufbau und Inhalt

Während ein juristischer Kommentar die Vorschriften eines Gesetzes nacheinander im Sinne eines Nachschlagewerkes zu einzelnen Paragrafen erläutert, beschreibt ein Lehrbuch wie das vorliegende die Entstehungsgeschichte eines Gesetzes, seine Systematik sowie Inhalt und Bedeutung der einzelnen Vorschriften nach Themenbereichen geordnet. So gliedert sich Kunkels Jugendhilferecht in die Kapitel

  • Entwicklung des Jugendhilferechts,
  • seine Grundsätze,
  • die Tätigkeitsfelder  der Jugendhilfe,
  • ihre Organisation,
  • das Verfahren der Jugendhilfe und
  • seine Kosten.

Besondere Bedeutung kommt dem Anhang zu, der vor allem für Studierende wertvolle Lernzielkontrollfragen mit Lösungen sowie  Prüfungsschemata enthält (Ziff.1). Es folgen zahlreiche Schaubilder und Schemata (Ziff.2), ausführliche  Übersichten über Rechtsquellen mit Fundstellen (Ziff.3), eine Reihe von Verwaltungsvorschriften, Musterverträgen (z.B. Muster eines Vertrages zwischen einem öffentliche und freien Träger zur Sicherstellung des Schutzauftrages nach § 8 a Abs. 2 SGB VIII) und Empfehlungen (z.B. Grundsätze für die Anerkennung von Trägern der freien Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII) (Ziff. 4) und schließlich ein Glossar und Stichwortverzeichnis (Ziff.5).

Zielgruppe und Bewertung

Das Buch ist in erster Linie für Studierende des Jugendhilferechts, aber auch für Fachkräfte in der Jugendhilfe-Praxis geschrieben. Seine Sprache ist erfrischend klar und gut verständlich. Immer wieder tritt Kunkel werbend für die Ziele einer guten Jugendhilfe im Sinne des Gesetzes ein. Gelegentlich vertritt Kunkel selbstbewusst auch von der herrschenden Meinung abweichende Einschätzungen: so hält er z.B. den "Anwalt des Kindes" nach § 50 FGG für ein entbehrliches Institut, da das Jugendamt doch Anwalt des Kindes sei (Rz.38), eine Meinung, die mögliche Verstrickungen und Festlegungen des Jugendamtes im Laufe vorangegangener Hilfebemühungen in schwierigen Familienkonstellationen nicht ausreichend  berücksichtigt. Versteht sich doch das Jugendamt nicht nur den Belangen der Kinder verpflichtet, sondern soll auch die Eltern bei Schwierigkeiten mit der Erziehung ihrer Kinder und in Verhältnis untereinander beraten und unterstützen. Diese unterschiedlichen Ziele können in hochstreitigen Sorgerechts- und Umgangsverfahren vor dem Familiengericht durchaus miteinander kollidieren.

Kunkel  ist ein Meister der Schemata, Schaubilder, Übersichten und Zusammenfassungen, die an zahlreichen Stellen des Buches schwierige Zusammenhänge deutlich machen, Übersichten über komplizierte Materien ermöglichen und Formulierungshilfen für die praktische Rechtsanwendung anbieten. Bedauerlicherweise wird häufig ihre Lesbarkeit - wohl aus drucktechnischen Gründen - durch teilweise sehr kleine Schriftgröße beeinträchtigt. 

Fazit

Kunkels Lehrbuch ist insgesamt uneingeschränkt für Studium und Praxis der Jugendhilfe zu empfehlen. Seine Stärke liegt in seiner großen Praxisnähe bei gleichzeitig hohem wissenschaftlichem Niveau. Dass es inzwischen bereits in 5. Auflage erschienen ist, beweist das große Verwendungsinteresse der Rechtsanwender.


Rezension von
Prof. Konrad Stolz
Professor für Jugend- und Familienrecht an der Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege (entpflichtet), ehemals Vormundschafts- und Familienrichter
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Zitiervorschlag
Konrad Stolz. Rezension vom 19.04.2007 zu: Peter-Christian Kunkel: Jugendhilferecht. Systematische Darstellung für Studium und Praxis. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2006. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. ISBN 978-3-8329-1918-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4000.php, Datum des Zugriffs 24.06.2021.


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