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Klaus-Peter Hufer: Argumente am Stammtisch

Cover Klaus-Peter Hufer: Argumente am Stammtisch. Erfolgreich gegen Parolen, Palaver und Populismus. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2006. 144 Seiten. ISBN 978-3-89974-245-9. 10,00 EUR.
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Autor

Klaus-Peter Hufer, Dr. rer.pol. habilitierte in Erziehungswissenschaften und arbeitet als Privatdozent an der Kreisvolkshochschule in Viersen.

"Argumente am Stammtisch" ist nicht seine erste Veröffentlichung zu diesem Thema, schon einmal, vor sechs Jahren, erschien von ihm das ein Buch mit dem Titel: "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen". Weitere Veröffentlichungen von ihm befassen sich mit politischer Bildung bei Jugendlichen und Erwachsenen und 2002 erschien sein Titel "Autonomie und Kritikfähigkeit".

Inhalt

Hufer kritisiert nicht die Institution der Stammtische an sich. Wer hätte etwas gegen geselliges Beisammensein, wo Freunde sich treffen und über das sprechen, was sie erlebt haben, was sie bewegt, worüber sie sich geärgert oder gefreut haben. Stammtische haben durchaus eine soziale Funktion, sie sind ein Kommunikationsforum, sie haben für gewöhnlich eine stille Rangordnung. Es gibt Leute, die den Ton angeben, die etwas zu sagen haben, ihren Kommentar abgeben und andere, die zuhören, sich einordnen. Und nicht selten ist es ja auch bequem, sich die Meinung anderer zuteil zu machen, sich der Mehrheit anzuschließen oder einfach das nachzuquatschen, was die vermutlich Schlaueren herausgefunden und gesagt haben.

Ministerpräsident Stoiber soll mal gesagt haben, dass es darauf ankomme, die Hoheit über den Stammtischen nicht zu verlieren. Stammtischparolen scheinen eng verwandt mit Vorurteilen zu sein. Aber können wir denn überhaupt ohne Vorurteile leben, gehören sie nicht zum Selbstverständnis, sind sie nicht Gruppen bildend? "Wenn du nicht so denkst wie wir, wie kannst du dann einer von uns sein?"

Hufer behandelt auch dieses Thema und weist darauf hin, dass es sowohl positive wie negative Vorurteile gibt. Auch Kantinen- oder Stammtischparolen müssen nicht ausschließlich negative Inhalte haben: "mit der neuen Regierung wird alles besser", "wenn die Extremisten im Land X erst einmal geschlagen sind, kehren dort Ruhe und Frieden ein.!"

Doch was ist, wenn - womöglich steigendem Alkoholgenuss geschuldet - plötzlich jemand aus der Rolle fällt? Wenn jemand anfängt, seine Wut, seinen Frust raus zulassen mit Behauptungen wie: "Die Ausländer rauben uns die Arbeitsplätze, die Juden sind selbst schuld, dass sie von den Nazis umgebracht wurden, die Moslems sind doch heimlich alle für die Terroristen, Frauen sollten sich wieder mehr um Familie und Kinder kümmern, Schwule sind alle Weicheier usw." Solche Ansichten muss man sich ja unter Umständen nicht nur am Stammtisch, sondern auch in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein oder im Bus oder der Straßenbahn anhören.

Was tun?

Man kann sie als unqualifiziertes Geschwafel abtun, das nicht lohnt, sich näher damit zu befassen.

Stammtisch- oder Kantinenparolen sind weniger ein Problem derjenigen, die damit um sich werfen, außer sie sind nach deutschem Recht strafbar, sondern sie gehen denjenigen auf die Nerven, die sich solchen Schwachsinn nicht gefallen lassen mögen.

Es gehört aber nicht nur Mut dazu, einem Rechtsradikalen z.B. zu widersprechen, wenn er seine fremdenfeindlichen Thesen von sich gibt, es gehört auch dazu zu wissen, wie man das am besten macht.

Dazu braucht es nicht nur fachliche Argumentationshilfe, man sollte auch über einige gesprächstechnische Kenntnisse und Kniffe verfügen, um dem Parolendrescher Paroli zu bieten.

Hufer zeigt in seinem Buch alltägliche Situationen auf, entwickelt Mustergespräche und greift dabei auf soziologische Untersuchungen und Studie zurück, die erkennen lassen, welche Schemata Hetztiraden von Populisten und Demagogen häufig zugrunde liegen.

Ein Mittel ist, an der richtigen Stelle gezielt nachzufragen: woher stammen deine Informationen?, hast du das selbst erlebt? usw.

Anschaulich wird Hufers schmales auch Buch durch eine Reihe von witzigen Illustrationen im Comicstil.

Fazit

Es ist ein Buch, das nicht ausschließlich, aber doch insbesondere Jugendliche ansprechen kann.

Es wird sicherlich eine Hilfe sein, den Ärger, den Stammtischparolen nun einmal provozieren, nicht still in sich hineinzufressen, sondern sich gekonnt gegen Schwadroneure und Phrasendrescher und ihre Parolen zu wehren.


Rezensent
Dr. Gerd Manstein
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Zitiervorschlag
Gerd Manstein. Rezension vom 21.10.2006 zu: Klaus-Peter Hufer: Argumente am Stammtisch. Erfolgreich gegen Parolen, Palaver und Populismus. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2006. ISBN 978-3-89974-245-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4015.php, Datum des Zugriffs 16.09.2019.


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