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Stefan Reichmuth, Mark Bodenstein u.a. (Hrsg.): Staatlicher Islamunterricht in Deutschland

Cover Stefan Reichmuth, Mark Bodenstein, Michael Kiefer, Birgit Väth (Hrsg.): Staatlicher Islamunterricht in Deutschland – Die Modelle in NRW und Niedersachsen im Vergleich. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2006. 144 Seiten. ISBN 978-3-8258-8830-5. 14,90 EUR.

Reihe: Islam in der Lebenswelt Europa, Band 1.
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Zur Situation des Islamunterrichts in Deutschland

Zwei der Herausgeber/innen Michael Kieferund Stefan Reichmuthweisen in ihrer Einleitung (S. 7ff) darauf hin, dass im Unterschied zum Buchtitel „Islamunterricht„der „Islamische Religionsunterricht“ als Regelfach im Sinne des Grundgesetzes (Art. 7 Abs. 3) einen breiten gesellschaftlichen Konsens genießt und ebenso in anderen Ländern Europas zu den zentralen Diskussionsfeldern zählt. Dennoch scheitert seine Einführung in Deutschland an der bisher nicht erfolgten Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft, was eine notwendige Voraussetzung darstellt, um die Vereinbarkeit des Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaft zu bestätigen.

Jenseits der Rechtsproblematik nennen die beiden Autoren als weiteres Problemfeld „die ethnische und nationale Heterogenität des Islam in Deutschland“ (S. 8), die ihrer Meinung nach nicht auf einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht hoffen lässt. Angesichts der Tatsache allerdings, dass in Österreich trotz ähnlicher Bedingungen an Heterogenität bereits seit Jahrzehnten die Erteilung des Islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen funktioniert [1], überzeugen die für Deutschland angeführten  Verhinderungsgründe allenfalls den, der an sie „glauben“ möchte.

So ist denn auch der vorliegende Band von insgesamt zehn Autoren und einer Autorin als ein tendenzielles Pro oder Contra zu verstehen - entweder

  • zugunsten des islamkundlich orientierten Schulversuchs „Islamkunde in deutscher Sprache in Nordrhein-Westfalen“ (in alleiniger Verantwortung des Landes NRW) oder
  • zugunsten des Schulversuchs „Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache„in Niedersachsen (gemäß Art. 7, Abs. 3 GG in staatlicher Verantwortung und in Übereinstimmung mit den Glaubensgrundsätzen der Religionsgemeinschaft).

Die einzelnen Beiträge wurden im Rahmen des gleichnamigen Panels „Staatlicher Islamunterricht in Deutschlandauf dem 29. Deutschen Orientalistentag“ am 24. September 2004 von ihren jeweiligen Autoren vorgestellt und später in Form des vorliegenden Bandes einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zu den Autoren und ihren Beiträgen

Ein kurzer inhaltlicher Überblick zu den einzelnen Beiträgen (S. 10 bis 14) korrespondiert mit dem Einblick in berufliche Tätigkeitsfelder der jeweiligen Autoren (S. 141 bis 144 – eine korrelierende Lesart ist durchaus zu empfehlen!). Etwas „stiefmütterlich“ behandelt, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, bleibt einzig die Autorin zu nennen, deren Studium und Dissertationstitel noch Erwähnung finden, über deren weitere Tätigkeit – außer einer vorübergehenden Mitgestaltung am Modellstudiengang der Universität Osnabrück – der Leser aber nichts erfährt (eine Quoten-Autorin?).

Michael Kiefer skizziert mit seinem Beitrag Unterrichtsmodelle der Länder – Der aktuelle Sachstand im Schuljahr 2004/05 (S. 15 – 27) die im Laufe der Zeit in den einzelnen Bundesländern entwickelten Terminologien rund um den „Islamunterricht“, wie „Konsularunterricht“, „Religiöse Unterweisung“ (mal für muslimische Schüler/innen unterschiedlicher Herkünfte auf Deutsch, mal ausschließlich für Schüler/innen türkischer Herkunft auf der Grundlage türkischer Richtlinien auf Türkisch), „Islamische religiöse Unterweisung“ (auf Deutsch), „Islamkunde“ sowie die zarten Versuche einzelner Bundesländer einer Annäherung an den „Islamischen Religionsunterricht“. Im Rahmen seiner 2005 erfolgreich abgeschlossenen Promotionsschrift beschäftigt er sich mit dem Schulversuch Islamkunde in NRW, was ihn zu einem Fachmann für dieses Bundesland ausweist, allerdings nicht grundsätzlich vor Kenntnislücken in anderen Bundesländern schützt (vgl. z.B. Zusammensetzung „Runder Tisch“ in Niedersachsen S. 20 und S. 96).

Klaus Gebauer versucht in seinem Beitrag Islamkunde in NRW (S. 27 – 53, längster Beitrag und stellenweise suggestiv) den Leser davon zu überzeugen, inwiefern „Islamkunde in NRW„(bis 23.02.05 unter dem Namen „Islamische Unterweisung„bekannt) einem ordentlichen Religionsunterricht anderer Konfessionen gleichkommt (vgl. Tabelle S. 35, Typus 4 u. 5).

Die wesentliche Gefahr eines ordentlichen Religionsunterrichts sieht Gebauer in einer ihn gelegentlich begleitenden „Glaubenslehre“, die sich „als Hinführung zur Religion … und Glaubenserziehung versteht“ (S. 33). Hier stellt der Autor die Frage, ob diese von ihm kritisierte Auffassung von „Glaubenserziehung“ mit Artikel 4 GG zu vereinbaren ist? Eine suggestiv gestellte Frage, weil die Antwort bereits wenige Zeilen später unmissverständlich nachgeliefert wird: So kann es „eine Erziehung zum Glauben in einer staatlichen Schule nicht geben, auch wenn Eltern, Religionsgemeinschaften und Schule diese einvernehmlich für erstrebenswert halten“ (S. 34).

Da nun aber, so folgert er weiter, „insbesondere Vertreter und Vertreterinnen der islamischen Religionsverbände diese Differenziertheit … noch nicht wahrgenommen haben“ (S. 35f.), sehen sie in der „staatlichen Islamkunde“ (, die in alleiniger Verantwortung des Landes NRW stattfindet,) eine Konkurrenz zum „Islamischen Religionsunterricht“ (, der ihnen ein Mitspracherecht einräumt), was dem Autor offenbar nicht behagt (?). Auch diese Kontroverse wird von einer Suggestivfrage begleitet: Steht zu Beginn des Artikels noch die Frage, „was islamischer Religionsunterricht in öffentlichen Schulen sein würde, gäbe es ihn“ (S. 31), unbeantwortet im Raum, interpretiert der Autor im Anhang die von muslimischer Seite häufig erhobene Forderung nach „bekenntnisorientiertem Unterricht“ als Indiz dafür, dass sie die (von ihm als unzulässig eingestufte) „Glaubenslehre„meinen (vgl. S. 51).

Bülent Ucar hat den Wandel vom Lehrer für „Islamkunde“ zum Mitgestalter von Lehrplänen, Unterrichtsmaterialien, Handreichungen, Qualifizierung und Fortbildung der Lehrkräfte im Bereich der Religionslehre, hier der „Islamkunde in NRW“ vollzogen. In seinem Beitrag Die Akzeptanz des Faches Islamkunde in NRW (S. 53 – 61) geht er der Frage nach, warum das Fach sowohl von Muslimen als auch von Nichtmuslimen häufig kritisiert wird – eine streckenweise nicht sehr freudig stimmende Bilanz für das Fach.

Die am Ende seines Beitrags aufgeworfene Frage, ob  „Islamkunde“ oder„„Islamischer Religionsunterricht“ mündet in der Aussage: „Für einen „Islamunterricht“ spricht sicherlich die Gleichberechtigung der Religionen…“ (S. 59). Ist der Autor sich nicht darüber im Klaren, dass auch eine weitere (ungeklärte!) Begrifflichkeit („Islamunterricht“) nur Verwirrung stiftet und eine verschleierte Antwort nicht der Aufklärung dient?

Kays Mutlu gewährt dem Leser mit seinem Erfahrungsbericht eines muslimischen Orientalisten als Lehrer im Schulversuch „Islamische Unterweisung als eigenständiges Unterrichtsfach in NRW“ [2]  (S. 61 – 68) einen lebhaften Einblick in den Alltag eines Islamkundelehrers türkischer Herkunft: Angefangen bei den Hürden zur Einstellung überhaupt, über die Erschwernisse eines Lehrers „on the road“ (bedingt durch die Unterrichtsversorgung an verschiedenen Standorten), hin zu den Gesinnungsprüfungen unterschiedlicher Personengruppen (Schüler/innen, Elternschaft, Vorgesetzter) gibt sein Beitrag einen kleinen Vorgeschmack davon, welchen Spannungsfeldern solch ein Lehrer ausgesetzt ist. Seine eigene Fachkompetenz primär aus der väterlichen Lehre sowie anschließenden Studien schöpfend, konstatiert er abschließend, dass ihm Fortbildungsmaßnahmen „über methodische Hilfen hinaus“ keine Unterstützung boten, „da ihnen entsprechende Fachkenntnisse fehlten“ (S. 67).

Birgit Väth wagt bereits mit ihrem Titel Islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen – Zwei Modellprojekte zu seiner Etablierung in Niedersachsen (S.69 – 83) einen Sprung in Neuland, indem hier Modelle der Unterrichtsversorgung und Lehrer/innenweiterbildung erprobt werden, die grundgesetzlichen Vorgaben des Art. 7 Abs. 3 GG genügen wollen. Aufgrund ihrer vorübergehenden Mitgestaltung des Modellstudiengangs an der Universität Osnabrück liefert sie mit ihrem Beitrag umfangreiche Informationen über Entstehungsgeschichte, Zielsetzung, Entwicklung und Inhalt der Rahmenrichtlinien (unter Mitwirkung der Religionsgemeinschaften durch deren Vertreter am Runden Tisch). Dabei scheut sie nicht, auch aus unveröffentlichten (!) Manuskripten des Niedersächsischen Kultusministeriums zu berichten: „Allerdings wird von Seiten des Kultusministeriums betont, dass der Religionsunterricht zwar Glaubenserfahrungen und Glaubenspraxis sowie deren Reflexion zum Inhalt hat, jedoch nicht der Ausübung der Glaubenspraxis dient.“ (S. 71)

Mark Chalil Bodenstein verrät bereits mit seinem Titel Zwischen Islamwissenschaft und islamischen Wissenschaften – Islamstudien in der Weiterbildung von Lehrern für den islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache (S. 83 – 94), dass auch in der Wissenschaft der Prozess einer Begriffsfindung – ähnlich der Suche nach einer Begrifflichkeit für den Unterricht an Schulen – in vollem Gange ist. Er selbst sieht sich als „muslimischer Wissenschaftler, der jedoch nicht Theologe ist, …“ (S. 85) und ist (offenbar auch persönlich? [3]) ideell wie intellektuell stark eingebunden in die wissenschaftliche Weiterbildung der Lehrer/innen in Osnabrück, wovon sein detaillierter Werkstattbericht zeugt. Er begründet inhaltliche Abweichungen des Modellprojekts von einem künftigen Masterstudiengang, erhebt Ansprüche an Islamstudien in Richtung innerislamischer Pluralität und plädiert für einen konstruktiven „(selbst)kritischen Umgang mit Texten“ (S. 91) aus der Islamwissenschaft. 

Mit dem Beitrag von Djavad Mohagheghi und Firouz Vladi Erste Erfahrungen mit islamischem Religionsunterricht im Schluversuch Niedersachsen (S. 95 – 104) deckt das Panel die Perspektive einer Religionsgemeinschaft ab, die sich als SCHURA Niedersachsen zeitgleich zum Schulversuch gegründet hat. Ihr – wie einigen weiteren Vereinigungen – wurden Mitwirkungsrechte bei der inhaltlichen Gestaltung der Rahmenrichtlinien am Runden Tisch im Kultusministerium in Niedersachsen eingeräumt. Nach dem Motto „Reicht man den kleinen Finger, verlangt sie die ganze Hand“ beklagt sie nun ihre Nicht-Beteilung bei der Auswahl der Lehrkräfte „aus dem Pool türkischer Muttersprachlehrkräfte“ (S. 98), fordert die Beteiligung von Muslimen an der wissenschaftlichen Begleitung und Erfolgsfeststellung des Schulversuchs und legt abschließend einen Fragenkatalog vor, der aufgrund ausstehender Antworten ihre Aussicht auf Anerkennung als Religionsgemeinschaft nicht gerade in greifbare Nähe rücken zu lassen scheint.

Der folgende Artikel zum alevitischen Religionsunterricht von Ismail Kaplan Staatlicher Islamunterricht aus Sicht der Aleviten (S. 105 – 118) bestätigt die zuvor von Gebauer vorgetragene Information, dass der Föderation der Alevitischen Gemeinden Anfang 2005 in den Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen der Status einer Religionsgemeinschaft zugesprochen wurde, so „dass es in naher Zukunft in den genannten Ländern eigenständigen alevitischen Religionsunterricht nach Artikel 7,3 GG geben wird“ (S. 50); in Niedersachsen wurde dieser im Mai 2003 beantragt (vgl. S. 108) und in Berlin wird er bereits seit dem Schuljahr 2002/03 (vgl. S. 107) angeboten. Durch den detaillierten Einblick in seine inhaltliche Ausrichtung wird deutlich, dass der alevitische Religionsunterricht sich grundlegend vom islamischen unterscheidet und nur durch Eigenständigkeit seine Authentizität bewahren kann.

Martin Stockliefert mit seinem Beitrag, der auch gleichzeitig der letzte ist, Islamunterricht in öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen (S. 119 – 144) eine anspruchsvolle Rezeption der aktuellen Debatte in NRW, wobei seine Schärfeneinstellung auf bildungspolitische und formal rechtliche Aspekte fokussiert ist. Er konstatiert eine durch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ins Rollen gebrachte „konfessionalisierende Trendrichtung“ (S. 121) „nach österreichischem Muster“ (S. 122), die er vorrangig migrationspolitisch motiviert sieht, nicht aber bildungspolitisch, bildungsrechtlich sowie pädagogisch-fachlich ausreichend unterfüttert, geschweige denn mangels eigenständiger islamischer Religionspädagogik säkular abgesichert. Wenn er das Kapitel „Religion und Verfassungstreue“ (S. 127) aufschlägt, spricht das Herz eines Rechtswissenschaftlers, das den Religionsunterricht der Zukunft auf demselben Niveau eines jeden anderen „wissenschaftlichen Lehrfaches“ (S. 128) sehen möchte – Hand in Hand mit einem „wohlverstandenen Bildungsauftrag“ (S. 132).

Ausblick

Für den in der Materie nicht sonderlich Verhafteten ist es bisweilen unverständlich, was sich hinter dem Begriffsdschungel rund um den „Islamunterricht“ inklusiv seiner universitären Lehrer/innenausbildung [4] verbirgt. Handelt es sich hierbei doch vorrangig um das grundgesetzlich vorgeschriebene Einräumen von Mitwirkungsrechten einer (bislang in Deutschland nicht anerkannten islamischen) Religionsgemeinschaft, was unterschiedlichen Personengruppen mehr oder weniger starke Kopfschmerzen zu bereiten scheint. Auf der anderen Seite gibt es das staatliche Neutralitätsprinzip, was im konkreten Fall bedeutet, „dass der Staat den Inhalt einer Religion nicht regeln, bestimmen oder bewerten darf.“ [5] Wer in diesem Kontext die rechtlichen Rahmenbedingungen – gerieben an den Inhalten der islamischen Religion – intensiver erforschen möchte, dem sei die 2005 erschienene Dissertationsschrift von Katrin Janke „Institutionalisierter Islam an staatlichen Hochschulen“ empfohlen.

Fazit

Ein bunter Band mit individuellen Noten und Schwerpunkten, in dem auch Experten auf dem Gebiet „Islamunterricht“ einige neue Informationen entdecken können. Allerdings werden die einzelnen Beiträge ihrem angekündigten Ziel (Untertitel des Buches: „Die Modelle in NRW und Niedersachsen im Vergleich“) nicht gerecht; ein Vergleich findet faktisch nicht statt. Vielmehr reihen sich einzelne Perspektiven sumerisch aneinander, wobei rein mathematisch Niedersachsen schlechter wegkommt:

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Jenseits der Länder

Zwei Mitarbeiter, Birgit Väth, (ausgeschieden) und Mark Bodensein (noch tätig), aus dem Modellprojekt Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache - Wissenschaftliche Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Osnabrück bilden gemeinsam mit Sprechern des Landesverbandes der Muslime (Schura Niedersachsen) die Informationsgrundlage zum Modellversuch Islamischer Religionsunterrichtnach Art. 7 Abs. 3 GG. Sie stehen ein wenig verloren auf weiter Flur, angesichts des Beitragshagels, der aus NRW hereinbricht.

Stefan Reichmuth (seit 2000 beratender Mitarbeiter am Schulversuch Islamische Unterweisung in NRW - jetzt Islamkunde), Michael Kiefer (ebenfalls seit 2000 beratender Mitarbeiter am Schulversuch Islamische Unterweisung in NRW - Islamkunde), Klaus Gebauer (bis 2005 Regierungsschuldirektor, 25 Jahre lang Betreuer der Entwicklung von Lehrplänen, u. a. zur Islamischen Unterweisung - Islamkunde), Bülent Ucar (aktiver Berater rund um die Islamkundeu.  Lehrer/innenfortbildung in NRW), Kays Mutlu (seit 2003 Lehrer für Islamkunde in NRW), Martin Stock (Rechtswissenschaftler an der Uni Bielefeld) fokussiert seinen Beitrag ebenfalls auf NRW.

Ismail Kaplan (seit 2000 Bildungsbeauftragter der Alevitischen Gemeinde Deutschland in Köln) ist weder den Modellen Niedersachsens noch Nordrhein-Westfalens zuzuordnen – daran ändert auch der ihm verpasste Titel „Staatlicher Islamunterricht aus Sicht der Aleviten“ nichts. Dennoch verkörpert er „im Vergleich“ den Sieger (nach dem Motto: Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte?)  Seine Religionsgemeinschaft genießt Anerkennung in mehreren Bundesländern und kann sich auf einen eigenständigen alevitischen Religionsunterrichtfreuen.

Ein misslungener Versuch wissenschaftlicher Ausgewogenheit? Nicht unbedingt, vielleicht eher ein Hinweis darauf, dass in deutschen Landen ziemlich viele Süppchen gekocht werden, von denen kein Koch so richtig weiß, wie bekömmlich die Kost(en) sein werden? Und noch ist jeder damit beschäftigt, sein „Süppchen“ zum Angebotsrenner zu stilisieren, ohne zuvor unter den Betroffenen die Nachfrage zu recherchieren. Auf transparente nationale Evaluationen (gar nicht zu sprechen von internationalen empirischen Studien) bestehender Modelle darf weiterhin gehofft werden, damit ein Vergleich stattfinden kann.


[1] Vgl. hierzu eine Studie der Universität Wien: http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/islamischer-religionsunterricht-in-osterreich-und-deutschland/69/neste/6.html, Zugriff am 30.05.2006

[2] Dieser Begriff wurde mit Wirkung vom 23. Februar 2005 in “Islamkunde in deutscher Sprache“geändert. (Vgl. hierzu den Beitrag von Gebauer, K. Islamkunde in NRW, S. 27)

[3] Wie z. B.: “.unsere wissenschaftliche Weiterbildung.“, “.unser Programm.“ (S. 84), “.unser Curriculum.“ (S. 85)

[4] Ursprünglich war zwischen dem Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die Ausschreibung für die C4-Professur für “Islamische Theologie“vereinbart worden, was dann umbenannt wurde in “Religion des Islam“, abrufbar unter URL: http://wwwuv2.uni-muenster.de/Dokumente/zielvereinbarung.pdf (Zugriff: 30.05.2006)

[5] Katrin Janke Institutionalisierter Islam an staatlichen Hochschulen,Frankfurt a. M. 2005, S. 151


Rezension von
Dipl.-Päd. Iyman Salwa Alzayed
Dipl.-Päd. für das Lehramt Deutsch, Kunst u. Islamischer Religionsunterricht Abteilungsleiterin für die Schulpraktischen Studien an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA)


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Zitiervorschlag
Iyman Salwa Alzayed. Rezension vom 05.09.2006 zu: Stefan Reichmuth, Mark Bodenstein, Michael Kiefer, Birgit Väth (Hrsg.): Staatlicher Islamunterricht in Deutschland – Die Modelle in NRW und Niedersachsen im Vergleich. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2006. ISBN 978-3-8258-8830-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4020.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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