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Dietrich Eggert, Lucien Bertrand: RZI - Raum-Zeit-Inventar [...]

Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 02.09.2002

Cover Dietrich Eggert, Lucien Bertrand: RZI - Raum-Zeit-Inventar [...] ISBN 978-3-86145-210-2

Dietrich Eggert, Lucien Bertrand: RZI - Raum-Zeit-Inventar der Entwicklung der räumlichen und zeitlichen Dimension bei Kindern im Vorschul- und Grundschulalter und deren Bedeutung für den Erwerb der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2002. 352 Seiten. ISBN 978-3-86145-210-2. 24,60 EUR.
Unter Mitarbeit von Tina Deeken und Nicola Wegner-Blesin.

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Die Autoren und Autorinnen

Dr. Lucien Bertrand war Lehrer und Sonderschullehrer in Luxemburg und wurde später Leiter des SREA (Ambulanter Förderdienst des Landes Luxemburg). Er promovierte über die Frage der Entwicklung der Raum-Zeit-Dimensionen und ihre Bedeutung für die Schulleistung bei Kindern im Vorschulalter.

Tina Deeken studierte Sonderpädagogik in Hannover und ist z.Zt. als Referendarin an einer Sonderschule für Lernhilfe in Stade tätig.

Prof. Dr. Dietrich Eggert ist seit 1971 Professor für Psychologie der Behinderten am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hannover mit dem Forschungsschwerpunkten Förderdiagnostik bei individuellem Förderbedarf und Psychomotorik.

Nicola Wegner-Blesin ist Sonderschullehrein mit dem Schwerpunkt der Förderung sprachbehinderter Kinder durch Psychomotorik.

Zum Thema

Das Raum-Zeit-Inventar (RZI) dient der Beobachtung der entwicklungspsychologischen Lernvoraussetzungen, die dem schulischen Lernen vorausgehen: der Erfassung und Förderung des kindlichen Konzepts von Raum und Zeit. Es soll insbesondere die raum-zeitliche Entwicklung eines Kindes im Übergang von der Vor- zur Grundschule beschreiben und förderdiagnostische Hinweise geben.

Die Entwicklung der räumlichen Vorstellung aus der Bewegung des Körpers im Raum beruht auf der sicheren Orientierung am eigenen Körper des Kindes. Bei Kindern mit Entwicklungsstörungen lassen sich Zusammenhänge zwischen einem raum-zeitlichen Entwicklungsstand und einer entsprechenden Schulleistung feststellen. Das entwicklungsverzögerte Kind kann durch entsprechende Übungen auf seine Schulreife vorbereitet werden. Beim lernauffälligen Kind kann durch reedukatives Aufarbeiten eventuell bestehender Schwächen eine Verbesserung der Schulfähigkeit erwirkt werden.

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Band gliedert sich in einen theoretischen und praktischen Teil.

Im Theorieteil beginnt Eggert mit einem Beitrag zur Rolle der Raum-Zeit-Variablen für eine qualitative systemische Diagnostik, dem Beiträge von Bertrand und Deeken zur Theorie der Raum-Zeit-Entwicklung und ihrer Bedeutung für die kognitive und psychomotorische Entwicklung des Kindes folgen. Besondere Bedeutung wird dabei dem Vorschulalter zugemessen, in dem die zukünftigen kognitiven Strukturen angelegt werden. Als Grundlage für die Entwicklung des Raum-Zeit-Inventars wird der TERZ (Test zur Erfassung des Raum-Zeit-Verständnisses beim fünf- und sechsjährigem Kind) vorgestellt, der 1996 von Bertrand entwickelt, mit Vorschulkindern in Luxemburg durchgeführt und in Niedersachsen auf seine Anwendung überprüft wurde.

Der praktische Teil widmet sich der detaillierten und praxisnahen Vorstellung des Inventars. Er wurde von Nicola Wegner-Blesin gestaltet und orientiert sich an dem Muster der vorhergehenden Inventare (DITKA). Obwohl er auch ohne den theoretischen Teil gelesen werden kann, ist für die Anwendung das Wissen über die Bedeutung der raum-zeitlichen Wahrnehmung für die kindliche Entwicklung Voraussetzung.

Das RZI setzt sich aus 9 Kernaufgaben und 60 Beobachtungssituationen zusammen, die sich den Entwicklungsbereichen ‚Raum‘, ‚Zeit‘ und ‚Raum-Zeit‘ zuordnen lassen. Die Basis bilden die Kernaufgaben, die nach den aktuellen Bedürfnissen der jeweiligen diagnostischen Situation zusammengestellt sind. Die Beobachtungssituationen, eine umfangreiche Zusammenstellung motodiagnostischer Situationen, greifen die in den Kernaufgaben gestellten Anforderungen auf, vertiefen die diagnostische Eingangsanalyse und können als erste Schritte zu einer gezielten Förderungen verwendet werden.

Die Kernaufgaben und Beobachtungssituationen sind gekennzeichnet durch einen spielerischen Aufforderungscharakter. Mit Hilfe von Spielen wie z.B. ‚Zehn kleine Zappelfinger‘, ‚Pantomimen‘, und ‚Der Obstkorb fällt um‘ werden Grundwahrnehmungssysteme, Lateralität, Raumkoordination und Raumvorstellung der Kinder beobachtet und interpretiert.

Die Anwendung des RZI wird erleichtert durch Erläuterung und Darstellung der Eingangsdiagnose mittels der Kernaufgaben, eines individuellen Förderplans und Beobachtungs- und Protokollbögen zur Umsetzung und Interpretation des Inventars. Ausgewählte Beobachtungssituationen zur vertiefenden Beobachtung einzelner Entwicklungsdimensionen, unterrichtsfachbezogene Beispiele sowie ein Fragenkatalog zur Beobachtung zu Hause, in der Schule und zum Selbstkonzept runden das RZI ab.

Fazit

Das Raum-Zeit Inventar stellt durch seine wissenschaftlich erarbeiteten Inhalte und durch seinen praktischen Teil, der das zuvor Gelesene nachvollziehbar in Aufgabenstellungen umsetzt, ein zugleich anspruchsvolles wie praxisorientiertes Werk dar. Auffällig ist schon zu Beginn des Buches die große Wertlegung auf systemisches Gedankengut, einer stärkenorientierten ganzheitlichen Herangehensweise. Das handelnde Kind wird mit seinem Selbstkonzept, seiner Selbsteinschätzung und seiner Motivation zum zentralen Ausgangspunkt des Raum-Zeit-Inventars.

Das Inventar wendet sich an den Bereich der Vorschule, des Übergangs der Kinder in die Grundschule und der Arbeit in den Grundschulklassen. Es kann auch Anwendung finden in der Arbeit der Motopäd/innen, Ergotherapeut/innen und Physiotherapeut/innen sowie bei Erzieher/innen und Sozialpädagog/innen. Für die förderdiagnostische Praxis stellt RZI eine empfehlenswerte Bereicherung dar.

Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy

Es gibt 42 Rezensionen von Elke Katharina Klaudy.

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ISSN 2190-9245