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Jessie Feinstein, Nia Imani Kuumba: Working with Gangs and Young People

Cover Jessie Feinstein, Nia Imani Kuumba: Working with Gangs and Young People. A Toolkit for Resolving Group Conflict. Jessica Kingsley Publishers (London N1 9JB) 2006. 144 Seiten. ISBN 978-1-84310-447-6.

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Entstehungshintergrund

Dieses Arbeitshandbuch ist das Ergebnis der dreijährigen Arbeit der beiden AutorInnen für Leap Confronting Conflikt, eine britische Organisation, die sich seit 1987 für die Arbeit mit Jugendlichen und Jugendgangs einsetzt. Grundgedanke ist hierbei die Unterstützung der Jugendlichen bei der Lösung und Bewältigung von Konfliktsituationen. Hinsehen und sich kreativ mit dem Problem auseinandersetzen sind hier die Grundsteine des Ansatzes von Leap.

Aufbau und Inhalt

Zunächst beschäftigt sich der Text in der Introduction mit der Frage nach den Gesetzmäßigkeiten und dem Wesen von Jugendgangs. Warum schließen sich Jugendliche in Gangs zusammen und was unterscheidet Gangs von einfachen Jugendcliquen?

Anschließend grenzen die AutorInnen in dem Abschnitt How to Use this Manual die Zielgruppe ein, für die ihr Programm geeignet ist. Sie klären Grundsätzliches zu den im Handbuch beschriebenen Techniken, zur Sicherheit, zur Einschätzung des Erfolgs der beschriebenen Arbeitsweisen und setzen sich mit der besonderen Situation auseinander, wenn mit rivalisierenden Gangs gearbeitet wird.

In den folgenden vier Kapiteln werden jeweils eintägige Blöcke beschrieben, die sich in sehr strukturierter Weise jeweils mit relevanten Aspekten der jeweiligen Themen beschäftigen. Methodische Vielfalt und die abwechslungsreiche, auf allen lernrelevanten Ebenen gestalteten Abläufe zielen sowohl auf die intellektuelle Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem jeweiligen Thema ab, als auch auf die unmittelbar erlebbaren Erfahrungen in den Übungen.

  1. In Chapter 1 Safety and Danger geht es um Sicherheitsempfinden und Sicherheitsverhalten. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung gehen oft auseinander. Was können Jugendliche tun, um hier mit möglichst gute Wahrnehmung zu entwickeln und so die Sicherheit für sich und andere zu verbessern?
  2. In Chapter 2 Space and Territory findet die Auseinandersetzung rund um das Thema des Raumes, also des Territoriums der Gang statt. Kritisch zeigen sich hier oft die Grenzen und die Mittel die gewählt werden, wenn es darum geht diese zu wahren.
  3. In Chapter 3 Status and Reputation wird aufgezeigt, wie sich das Verhalten von Gangmitgliedern interpretieren und verstehen lässt, wenn dabei berücksichtigt wird, welche Bedeutung dies für den Status in der Gruppe und/oder nach Außen beinhaltet.
  4. In Chapter 4 Enemies and Revenge steht die Bearbeitung der Funktion von Feindbildern im Vordergrund.

Zielgruppen

Praktiker, die mit gefährdeten Jugendlichen arbeiten oder sich mit dem Thema beschäftigen.

Diskussion

Viele gute Ideen für die Gruppengestaltung. Manchmal bei einzelnen Übungen etwas durchsichtig oder althergebracht, dafür aber stimmig und konsequent. Die Veröffentlichung ist englischsprachig und in einfachem Stil geschrieben, so dass der Text auch dem weniger geübten Leser, oder der weniger geübten Leserin keine Probleme bereiten dürfte. Eine gute Frage ist an dieser Stelle, wie gut sich der Ansatz von Leap für die Arbeit mit Jugendlichen z.B. in Deutschland eignet, da sich die Formen jugendkultureller Lebensformen nicht eins-zu-eins übertragen lassen. Gangkultur und entsprechende Gruppenkonflikte sind hier weniger prägnant als im anglo-amerikanischen Raum und folgen zumindest derzeit noch anderen Gesetzmäßigkeiten. Interessant ist aber auch hier die Frage, inwieweit sich die Problematik mit Jugendgangs in Mitteleuropa der auf den britischen Inseln, oder der Situation in den USA annähern wird.

Wie beschrieben verfügen die VerfasserInnen über einige Erfahrung in der Arbeit mit Gangs in GB, in den USA und in Teilen des europäischen Kontinents, ebenso wie die Organisation Leap über den entsprechenden Fokus. (Gute Quelle: www.leaplinx.com )

Fazit

Gute Ideen, konsequente Struktur, prima Sache. - Mehr Beachtung von Geschlechtsunterschieden durch unterschiedliche Rollen oder Rollenvorstellungen von Jungen und Mädchen wären wünschenswert gewesen.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Gregor Prüfer
M.A. Päd. / Dipl. Soz.-Päd.(FH) War lange tätig in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit; Aktiv in der Vernetzung von Jungenarbeit in München seit 1993 (www.netzwerk-jungenarbeit.de), freiberuflicher Fortbildungsreferent zu Themen der Genderpädagogik und zu Gender Mainstreaming seit 1999. Seit 2005 Mitarbeiter im Münchner Informationszentrum für Männer mit den Schwerpunkten Männerberatung und Gruppenarbeit für Männer mit Gewalthintergrund (www.maennerzentrum.de), seit WS 2008/09 auch Lehrbeauftragter an der Katholischen Stiftungshochschule München (www.ksh.de). Seit 2011 außerdem Mitarbeiter am Pädagogischen Institut in München, zuständig für Geschlechtergerechte Pädagogik und Jungenförderung an den Städtischen Münchner Schulen (www.pi-muenchen.de).
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Zitiervorschlag
Gregor Prüfer. Rezension vom 17.06.2007 zu: Jessie Feinstein, Nia Imani Kuumba: Working with Gangs and Young People. A Toolkit for Resolving Group Conflict. Jessica Kingsley Publishers (London N1 9JB) 2006. ISBN 978-1-84310-447-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4069.php, Datum des Zugriffs 28.02.2021.


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