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Bayerisches Staatsministerium f. Arbeit u. Sozialordnung, Familie u. Frauen (Hrsg.): Musizieren mit dementen Menschen

Cover Bayerisches Staatsministerium f. Arbeit u. Sozialordnung, Familie u. Frauen (Hrsg.): Musizieren mit dementen Menschen. Ratgeber für Angehörige und Pflegende. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2006. 146 Seiten. ISBN 978-3-497-01877-2. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 29,70 sFr.

Reinhardts Gerontologische Reihe, Band 39. 15 Lieder, Notentext mit 1 Audio-CD.
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Zur Thematik des Buches

Musik ist ein elementarer Bestandteil des menschlichen Lebens. Durch Musik werden Gefühle, Stimmungen und auch Sehnsüchte ausgedrückt, die oft mehr noch als Worte den einzelnen eingängig sind. Egal, ob gesungen, musiziert oder ob Musik nur gehört wird, der Mensch wird durch Musik eingebunden, fast schon gefesselt und in einen Gefühlszustand versetzt. Diese Wirkkraft der Musik wird auch im therapeutischen Kontext und auch als Element der Milieugestaltung gezielt eingesetzt. Im Rahmen der Demenzpflege und Demenzbetreuung sind in den letzten Jahrzehnten viele Untersuchungen und Beobachtungen hinsichtlich der Wirkung von Musik auf demenziell erkrankte alte Menschen durchgeführt worden, die überwiegend positive Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses der Musik auf diese Personengruppe erbrachten.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Veröffentlichung basiert auf den Erfahrungen und Erkenntnissen eines zweijährigen Modellprojektes "Musik mit Demenzerkrankten - Handlungsmöglichkeiten für den Lebensalltag" aus den Jahren 2004 - 2005, das in einem Pflegeheim und in einem ambulanten Dienst in Holledau und München realisiert wurde. Bei den Autorinnen handelt es sich um Brigitte Hörmann und Birgit Weinbauer.

Inhalt

Die Publikation ist in folgende Kapitel untergliedert:

  • einführende Erläuterungen über die Bedeutung des Gedächtnisses und die Demenz
  • die Bedeutung der Musik und die Wirkung der Musik auf Demenzkranke
  • "Heimatmusik" - ein musikbiografisches Konzept
  • musikalisch-biografisches Arbeiten mit Demenzkranken u. a. mittels der Verwendung eines "musikalischen Biografiebogens"
  • musikalische Vorgehensweisen (Singen, Musikhören, Musik und Bewegung und Musizieren)
  • Bewegungs- und Musiziervorschläge zu 10 bekannten Liedern
  • Vorschläge für musikbiografisches Arbeiten mit Demenzkranken
  • Weiterführende Literatur und Materialhinweise

Der überwiegende Teil des Textes (ca. 80 Seiten) besteht aus den praxisnahen Musiziervorschlägen. So werden z. B. zu einem bestimmten Lied ("Horch, was kommt von draußen rein?" oder "Lustig ist das Zigeunerleben")  Bewegungsvorschläge (z. B. Klatschen, Kopf schütteln, Arme vor der Brust verkreuzen) und zugleich begleitende Musiziervorschläge (z. B. Rassel, Klanghölzer, Schellenring) zu den einzelnen Liedzeilen in einer übersichtlichen Tabellen unterbreitet. Bei den musikbiografisch orientierten Vorschlägen wird ein multimediales Spektrum an Impulsen themenzentriert entwickelt. So werden z. B. zum Thema "Hausarbeit" Stimulusmaterialien (alte Haushaltsgegenstände wie ein Waschbrett oder Bügeleisen und Putzmittel) mit Gesprächsangeboten (z. B. Waschtag), einschlägigen Volks- und Kinderliedern zum Singen, Schlagern aus der Vergangenheit zum Thema Hausarbeit zum Zuhören und Bewegungsübungen zu einem Baustein zusammengestellt. Besonderes Augenmerk wird hierbei u. a. auf die Verbindung von Musik und Bewegung gelegt: einfache Bewegungselemente wie Schunkeln, Gymnastik mit Musik, Sitztanz und Tänze werden zu den einzelnen Themen offeriert. Darüber hinaus wird auf die Musik als Begleitungselement bei der  Pflege und Betreuung eingegangen: z. B. Lieder beim Aufstehen oder Schlafengehen (z. B. "Guten Abend, gute Nacht"), Begleitmusik bei den Mahlzeiten und Musik zur Ruhe und Entspannung (z. B. meditative Musik oder ruhige klassische Musik).

Kritische Würdigung und Fazit

Den Ausführungen ist deutlich zu entnehmen, dass hier reichhaltige Erfahrungen aus einem praxisorientierten Modellversuch die Grundlage für die zahlreichen Vorschläge und Empfehlungen darstellen. Die Erläuterungen sind übersichtlich, allgemeinverständlich  und mit vielen Erklärungen und Hinweisen versehen. Mit diesen Tipps und Hinweisen vermag jeder Laie mit musikalischem Verständnis Demenzkranken die schönen Seiten der Musik nahe zu bringen. Somit kann dieser Ratgeberband allen Interessierten zur Lektüre empfohlen werden.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 05.07.2007 zu: Bayerisches Staatsministerium f. Arbeit u. Sozialordnung, Familie u. Frauen (Hrsg.): Musizieren mit dementen Menschen. Ratgeber für Angehörige und Pflegende. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2006. ISBN 978-3-497-01877-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4087.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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