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Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - OECD (Hrsg.): Bildung auf einen Blick. OECD-Indikatoren 2006

Cover Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - OECD (Hrsg.): Bildung auf einen Blick. OECD-Indikatoren 2006. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. 497 Seiten. ISBN 978-3-7639-3480-5. 65,00 EUR.
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Thema

Seit mehreren Jahren untersucht die OECD die Bildungsniveaus und -bedingungen in den OECD-Ländern. Im Ende 2006 erschienenen aktuellen Band wird ein umfangreiches Spektrum vergleichbarer Indikatoren auf Makro-, Meso- und Mikroebene vorgestellt; diese sind thematisch gegliedert und mit Hintergrundinformationen angereichert. Ausführlich werden auch jeweils die den Daten zugrunde liegenden Definitionen und die angewandte Methodik vorgestellt. Alle Daten sind darüber hinaus im Internet in Form von Excel-Arbeitsmappen downloadbar, sodass interessierte Forscher/innen mit den Daten weiterarbeiten können; entsprechende Verweise finden sich nach jeder Grafik.

Zielgruppen

Zielgruppen des vorliegenden Bandes sind laut eigener Einschätzung Bildungspolitiker/innen, Wissenschaftler/innen sowie die allgemeine Öffentlichkeit.

Aufbau

Nach einem kurzen Editorial mit den wesentlichen Ergebnissen der Studie folgen vier thematisch gegliederte Kapitel sowie ein ausführlicher Anhang:

  • A: Bildungsergebnisse und die Auswirkungen von Lernen
  • B: Die in Bildung investierten Finanz- und Humanressourcen
  • C: Bildungszugang, Bildungsbeteiligung und Bildungserwartung (in Jahren)
  • D: Das Lernumfeld und die Organisation von Schulen
  • Anhang 1: Merkmale der Bildungssysteme
  • Anhang 2: Statistische Bezugsdaten
  • Anhang 3: Quellen, Methoden und technische Hinweise

Ausgewählte Inhalte und Ergebnisse

Bemerkenswertestes Ergebnis der Studie ist wohl die Tatsache, dass sowohl Europa als auch die USA immer häufiger von den ostasiatischen Ländern überholt werden, was die Leistungen ihrer Bildungssysteme angeht. So hing bspw. das Erreichen von Bildungsabschlüssen in Korea allein von den Leistungen und nicht von der sozialen Herkunft ab. Als Herausforderung der OECD-Länder wird aufgrund der Befunde konstatiert, inwieweit sie in der Lage sind, die wachsende Nachfrage im Bereich der Hochqualifizierten zu befriedigen. Voraussetzung sind Verbesserungen im schulischen Lernen und eine gleichmäßigere Verteilung der Bildungschancen. Dies gilt auch für Deutschland, das bei fast allen Indikatoren nur im durchschnittlichen, bei Indikatoren wie der Investition in Bildung oder den geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Bildungsstand sogar im unterdurchschnittlichen Bereich liegt.

Deutsche verbringen zwar durchschnittlich mehr als 13 Jahre im Bildungssystem, was ihnen einen zweiten Platz hinter Norwegen einbringt. Bei den Abschlüssen im Tertiärbereich (Bildungsstand der Erwachsenenbevölkerung 2004) erreichen sie jedoch nur den OECD-Durchschnitt, und der Anteil der AbsolventInnen gemessen an der Bevölkerung im typischen Abschlussalter ist sogar weit unterdurchschnittlich. Geschlechtsspezifisch interessant ist, dass Frauen mit einem hohen Abschluss in Deutschland häufiger arbeitslos sind als Männer und die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern weiterhin sehr viel größer als in anderen Ländern sind. Ein fast paradoxer Befund ist in diesem Zusammenhang, dass in einigen Ländern – wie auch in Deutschland – ein guter Bildungsabschluss den Einkommensunterschied der Frauen zu den Männern sogar vergrößert.

Bei den jährlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen pro SchülerIn/Studierenden schneidet Deutschland im OECD-Vergleich leicht unterdurchschnittlich ab. Deutlich unter dem Mittelfeld liegt es, wenn die Ausgaben für Bildungseinrichtungen als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erfasst werden. Hier führen Israel, Island und Korea die Tabelle an. Dabei wird in der Studie festgestellt, dass die Investition in Bildung nicht nur positive ökonomische Folgen hat, sondern auch zur gesellschaftlichen Entwicklung insgesamt beiträgt. Erneut wird durch die Studie deutlich, dass die frühe Selektion der SchülerInnen, wie sie auch in Deutschlands Schulsystem noch immer praktiziert wird, zu einem größeren Bildungsabstand führt als in Ländern, deren Lehrpläne zwischen den Schulen sich nicht so signifikant unterscheiden. In Deutschland ist daher die Wahrscheinlich, dass Kinder von Eltern aus hochqualifizierten Berufen einen Schulzweig besuchen, der zur Universität führt, viermal höher als der von SchülerInnen, deren Eltern gewerbliche Berufe ausüben.

Einschätzung und Fazit

Das umfangreiche Datenmaterial ist hervorragend aufbereitet und bietet eine Fülle detaillierter und differenziert erfasster Indikatoren zum Thema Bildung im OECD-Ländervergleich. Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Daten fast durchgängig geschlechtsspezifisch erhoben wurden. Es wird deutlich, dass Deutschland nicht nur im PISA-Vergleich schlecht abschneidet, sondern erhebliche Umstrukturierungen im Bildungssystem erforderlich sind, um im Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben und steigende Armut aufgrund schlechterer Bildungschancen zu vermeiden. Die Studie wird insofern vor allem Politiker/innen und Bildungsforscher/innen ansprechen.


Rezensentin
Prof. Dr. Susanne Gerull
Professorin für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit mit den Schwerpunkten Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit und niedrigschwellige Sozialarbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin
Homepage www.susannegerull.de
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Zitiervorschlag
Susanne Gerull. Rezension vom 29.08.2007 zu: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - OECD (Hrsg.): Bildung auf einen Blick. OECD-Indikatoren 2006. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2006. ISBN 978-3-7639-3480-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4114.php, Datum des Zugriffs 12.12.2018.


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