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Peter Eisenmann: Werte und Normen in der sozialen Arbeit

Cover Peter Eisenmann: Werte und Normen in der sozialen Arbeit. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2006. 257 Seiten. ISBN 978-3-17-018443-5. 24,00 EUR.
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Thema

Dieses Buch beschäftigt sich mit der zentralen Frage nach einem wertorientierten und an Normen ausgerichteten sozialen Handeln und dessen philosophisch-ethischer Grundlegung.

Autor

Prof. Dr. Peter Eisenmann lehrt an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt in den Studiengängen Soziale Arbeit und Pflegemanagement.

Aufbau und Inhalt

Aufbau und Inhalt des Buches weisen es als ein klassisches Lehrbuch aus, welches wahrscheinlich auf erprobten Vorlesungs- und Seminarkonzepten in der Lehrtätigkeit des Autors basiert.  Es gliedert sich in die sieben Abteilungen:

  1. Sozialphilosophische Grundannahmen
  2. Grundlagen der Philosophie / Ethik
  3. Wert und Wertekonzept
  4. Die Norm im Kontext des Sozialen
  5. "Soziale Gerechtigkeit": Kardinalwert oder normierte Illusion
  6. Ethische Kodifizierung
  7. Reflexion

Die Abteilungen weisen jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Kapiteln aufweisen.

Die Ausführungen decken lehrbuchartig ein großes Spektrum philosophischer Positionen ab, welche materialreich belegt werden. Ausgehend von der aktuellen Bedeutung des Konstruktes "Soziale Gerechtigkeit" hätte ich mir eine auf ethische Fragestellungen des 21. Jahrhunderts bezogene Auseinandersetzung gewünscht. Diese Beschäftigung findet auch statt, bleibt aber sehr formal und wenig konkret. Eisenmann argumentiert hier im besten Weber"schen Sinne "Werturteilsfrei". Seine Ausführungen wirken auffallend konform mit zeitgemäßen neoliberalen und wertkonservativen politischen Strömungen. Hier wird lehrbuchartig das Hohe Lied der "sozialen Marktwirtschaft" vorgetragen, ohne auch nur im Geringsten beispielsweise auf die ethischen Fragen im Zusammenhang mit einer "Hartz-IV-Gesetzgebung" einzugehen. Diese Wahrnehmung und Hinterfragung wird auch durch die ausgewiesene Literatur verstärkt. Es ist schon auffallend, wenn in einem Fachbuch, welches sich an Akteure der Sozialen Arbeit richtet, im Rahmen eines Kapitels über Menschenwürde und Menschenrechte nicht ein einziger Verweis auf die Arbeiten von Staub-Bernasconi vorkommt. Im Sinne einer hoch gelobten wissenschaftlichen Ausgewogenheit hätte es dem Anliegen des Buches gut getan, auch ein paar "kritische Positionen" zu bearbeiten.

Zielgruppen

Obwohl der Anspruch vertreten wird, auch Praktikerinnen und Praktiker der Sozialen Arbeit ansprechen zu wollen, zeigen Aufbau und Sprache deutlich die originäre Zielgruppe des Autors, nämlich Studierende.

Fazit

Eisenmann beklagt in seiner Einführung, dass die Beantwortung der Fragen von Werte und Normen an der Fachhochschule vielfach nur den Disziplinen Soziologie, Pädagogik und Psychologie überlassen würde. Anstelle nun selbst die Beschäftigung in das Zentrum der Diskurse der Sozialen Arbeit zu stellen, reklamiert er nur, dass diese Beschäftigung durch die Disziplin Philosophie erfolgen sollte. Er vergibt damit die Chance, sich den ethischen Fragen der Profession in einer interdisziplinären Auseinandersetzung zu stellen. Herausgekommen ist dabei ein Buch, was nicht sehr anregt, weil es brennende Fragen der Zeit umgeht bzw. nur oberflächlich abhandelt. Von daher wird es wohl ein Buch für brave, angepasste Studierende bleiben.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 05.06.2007 zu: Peter Eisenmann: Werte und Normen in der sozialen Arbeit. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2006. ISBN 978-3-17-018443-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4145.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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