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Susanne Wachsmuth: Kommunikative Begegnungen. Aufbau und Erhalt sozialer Nähe durch Dialoge mit Unterstützter Kommunikation

Cover Susanne Wachsmuth: Kommunikative Begegnungen. Aufbau und Erhalt sozialer Nähe durch Dialoge mit Unterstützter Kommunikation. Edition Bentheim (Würzburg) 2006. 296 Seiten. ISBN 978-3-934471-56-6. 29,90 EUR.
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Aufbau und Zielsetzung

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel und verfolgt das Ziel, Zusammenhänge zwischen Unterstützter Kommunikation und sozialer Nähe darzustellen, somit rücken in den Mittelpunkt der Betrachtung von Kommunikation die Aspekte "Beziehung", "Selbstdarstellung", "Soziale Etiketten" und "Soziale Nähe".

Inhalt

  • Die zentrale Begrifflichkeit der Arbeit bildet ausgehend von Martin Buber der Dialog. Als Forschungsmethode ist schwerpunktmäßig die geisteswissenschaftlich-hermeneutische Vorgehensweise gewählt worden. Ausgangspunkt bilden eine Reihe von Schriften, die sich der Thematik "Soziale Nähe" angenommen haben.
  • Im zweiten Kapitel werden der Personenkreis der nicht bzw. kaum sprechenden Menschen beschrieben sowie individuelle Auswirkungen fehlender Lautsprache diskutiert. Die Autorin macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine rein sonderpädagogische Thematik handelt, sondern dass eine Vielzahl von Ursachen zur Beeinträchtigung der lautsprachlichen Verständigung führen kann, so beispielsweise Demenz, Wachkoma, Aphasie. Somit wird die Gruppe nicht bzw. kaum sprechender Menschen einerseits entsprechend unter dem Aspekt der Funktion, die Unterstützte Kommunikation für sie erfüllt, und andererseits unter dem Aspekt des Zeitpunkts des Lautsprachverlusts eingeteilt, letzteres um das Selbstkonzept betroffener Personen differenzierter zu betrachten.
  • Der Zielsetzung der Arbeit entsprechend werden im dritten Kapitel folgerichtig die Situation der Kommunikationspartner der nicht bzw. kaum sprechenden Personen sowie unterschiedliche sich daraus ergebende soziale Probleme detailliert analysiert. Ein "Kreis von Kommunikationspartnern" bildet hier die Möglichkeit die unterschiedlichen Personengruppen, u.a. Eltern, Lebensgefährten, Nachbarn, Kollegen, Therapeuten, Pädagogen, fremde Personen zu systematisieren.
  • Im vierten und fünften Kapitel wird ausgehend von der Dialogik Martin Bubers der Begriff "Dialog" als Grundlage für diese Schrift herausgearbeitet. Dialog wird verstanden als Bezeichnung für Interaktionen, die dem Aufbau und dem Erhalt sozialer Nähe dienen. Im Fokus steht hier u.a. die Unterscheidung zwischen konventionellem und echtem Dialog, beide geben Möglichkeiten zur sozialen Nähe. Anhand dieser Formen des Dialogs werden Handlungsmöglichkeiten zur Kommunikation für nicht sprechende Personen sowie deren Kommunikationspartner dargelegt.
  • Im folgenden Kapitel werden Dialoge mit nicht bzw. kaum sprechenden Menschen analysiert, wobei die zentralen Komponenten von unterstützt kommunizierenden Dialogen und mögliche Störungen detailliert dargestellt sind.
  • Das siebente Kapitel thematisiert in umfangreicher Weise die Förderung des dialogischen Verhaltens, wobei alle am Kommunikationsprozess Beteiligten in die Betrachtung mit aufgenommen werden. Neben der Darstellung entwicklungspsychologischer Aspekte und einer Verknüpfung mit Förderangeboten geht die Autorin durch die gesamte Lebensspanne und greift die Situationen nicht bzw. kaum sprechender Menschen in Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und hohem Alter mit Besonderheiten hinsichtlich der Förderung des Dialogs auf.

Diskussion

Die Schrift liefert einen wichtigen Beitrag zur Theoriebildung in der Unterstützten Kommunikation und fokussiert einen zentralen Aspekt menschlicher Kommunikation - die soziale Nähe. Gerade wo derzeit eine Reihe von technischen Neuerung im Bereich der Kommunikationshilfen, sprich der Talker entwickelt werden, sowie eine Fülle von verschiedenen Methoden zur Förderung nicht bzw. kaum sprechender Menschen angeboten werden, ist die Betrachtung der sozialen Dimension von großer Bedeutung. Die Ausführungen zur Förderung bieten dem Leser eine Reihe wichtiger Denkanstöße. Der Autorin gelingt es auf sehr detaillierte Weise die Kommunikation zwischen nicht bzw. kaum sprechenden Personen und ihren Partnern sowie deren sozial-emotionales Erleben dieser Interaktionen darzustellen, zu analysieren und relevante Handlungsmöglichkeiten aufzustellen.

Fazit

Mit der Betrachtung entwicklungspsychologischer Aspekte über die gesamte Lebensspanne in Kombination mit einem Sprachverlust bzw. einem Nichtaufbau von Sprache aus unterschiedlichen Gründen positioniert die Autorin das Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation in einen interdisziplinären wissenschaftlichen Kontext.

Die Schrift spricht sowohl wissenschaftlich Tätige als auch in der Praxis arbeitende Personen an.


Rezension von
Dr. Malte Kolshorn
Schulleiter, Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung in Kiel
Lehrbeauftragter an der Universität Flensburg, Heilpädagogisches Institut
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Zitiervorschlag
Malte Kolshorn. Rezension vom 20.10.2007 zu: Susanne Wachsmuth: Kommunikative Begegnungen. Aufbau und Erhalt sozialer Nähe durch Dialoge mit Unterstützter Kommunikation. Edition Bentheim (Würzburg) 2006. ISBN 978-3-934471-56-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4148.php, Datum des Zugriffs 29.10.2020.


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