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Fritz Krueger, Johannes Degen (Hrsg.): Das Alter behinderter Menschen

Cover Fritz Krueger, Johannes Degen (Hrsg.): Das Alter behinderter Menschen. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2006. 208 Seiten. ISBN 978-3-7841-1627-3. 21,00 EUR, CH: 36,90 sFr.

Herausgegeben im Auftrag des Brüsseler Kreises.
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Einführung in das Thema

Im vorliegenden Buch sind verschiedene Beiträge zum Thema Alter behinderter Menschen zusammengefasst. Im Focus stehen umfassende und wissenschaftlich fundierte soziodemographische Daten, die von Sozialunternehmen des Brüsseler Kreises in Auftrag gegeben wurden, um eine bessere Planungssicherheit zu gewährleisten.

Weitere zentrale Aspekte des Alterns von Menschen mit Behinderungen (im Mittelpunkt stehen Menschen mit geistiger Behinderung) wie selbstbestimmte integrative Wohnformen, Assistenzdienste, Übergänge vom Berufsleben in den Ruhestand, kompetenzfördernde Umwelten, ambulante Aspekte in der Pflege und für die Lebenserwartung behinderter Menschen heranzuziehende Prädiktoren sind Thema des Buches.

Autoren

Die Autoren sind ausgewiesene Forscher und erfahrene Praktiker, die an Universitäten im jeweiligen Fachgebiet lehren, gerontologischen Instituten und Gremien vorstehen und/oder größere Sozialeinrichtungen leiten.

Aufbau und Inhalt

In der Einleitung stellt F. Krüger die Intentionen des Buches vor: Eine Zusammenfassung und Ergänzung soziodemographischer Daten über die Situation von älteren Menschen mit Behinderung in Deutschland, um Sozialunternehmen und weiteren Einrichtungen und Netzwerken in Deutschland dringend benötigte demographische Daten zu liefern und um Eltern behinderter Menschen Perspektiven aufzuzeigen. Aktuelle gesetzliche Regelungen wie SGB IX, Benachteiligungsverbot und in diesem Zusammenhang vor allem die fortschreitenden Prinzipien der Verselbständigung, Selbstbestimmung und Selbstermächtigung haben entsprechende Auswirkungen auf die Lebensführung behinderter älterer Menschen.

  • J. Degen betont im 1. Kapitel die Normalität des Altwerdens, fordert in diesem Zusammenhang neue Lebens-, Wohn- und Begleitangebote, betont die Notwendigkeit, die Bedarfe von den Betroffenen selbst abzufragen und Begleitung statt Versorgung sowie Assistenzdienste anzubieten.
  • Im 2. Kapitel wird von E. Driller und H. Pfaff eine umfassende Bestandsaufnahme zur soziodemographischen Struktur von Menschen mit Behinderungen in Deutschland wie Alter, Geschlecht, ökonomische und familiäre Bedingungen sowie über die Lebenssituation in diversen Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe geliefert und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Versorgungs- und Unterstützungsstruktur der Behindertenhilfe diskutiert. Die empirische Datenlage wird als mangelhaft bezeichnet und eine vermehrte Kooperation zwischen Wissenschaft und amtlicher Statistik angemahnt. Aus den Ergebnissen werden eine Reihe von Prämissen für Forschung und Praxis abgeleitet .
  • Im 3. Kapitel beschreibt A. Kruse Faktoren, die die Kompetenz bei älteren Menschen mit geistiger Behinderung beeinflussen. Er bescheinigt den Menschen mit geistiger Behinderung im Alter durchaus Lern- und Veränderungspotential und fordert entsprechende Maßnahmen und Konzepte, um verschiedene Kompetenzbereiche zu erhalten, zu fördern und weiterzuentwickeln.
  • Im nächsten Kapitel beschäftigt sich F.Schultz- Nieswandt mit Formen des Alterns, Lebenserwartung und Altersstruktur unter besonderer Berücksichtigung angeborener Formen geistiger Behinderung. Er macht auf eine Reihe von Problemen aufmerksam, die bei der Analyse und Prognose von Lebenserwartung und Altersstruktur zu berücksichtigen sind. Abgesehen von erheblichen Datenproblemen geht die immer wieder zugrundegelegte demographische Normalisierungsthese offensichtlich von einer relativ homogenen Gruppe von behinderten Menschen aus, ohne diese näher zu differenzieren. Der Verfasser weist nach, dass die Prognose nach Behinderungsart und weiter auch nach Form und Stärke der Behinderung variiert. Weiter ist Lebenserwartung auch als Resultat sozial überformter, biographischer Verlaufsformen des Alterns behinderter Menschen zu sehen. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden einige praktisch- sozialpolitische Schlussfolgerungen gezogen.
  • Die Pflege älterer Menschen mit Behinderungen ist das Thema des letzten Kapitels. Kraft fordert ein ganzheitliches Pflegekonzept für Menschen mit Behinderung, in dem die Eingliederungshilfe mit ihren rehabilitativen und fördernden Leistungen von zentraler Bedeutung und die Ambulantisierung im Blick auf die neuen Leitkonzepte wie Normalität, Integration, Inklusion etc. die konsequente Antwort ist. Betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte, qualifizierte Unterstützung wie Bereitstellung von Hilfsmitteln, Angebote zur Tagesstrukturierung, Training von Fähigkeiten, medizinisch- pflegerische Versorgung etc. sollten bei dem Angebot von Assistenzleistungen berücksichtigt werden.
  • Im Nachwort wird noch einmal auf den Anspruch älterer behinderter Menschen auf ein würdiges Alter hingewiesen, das eine möglichst weitgehende Individualisierung, Selbstbestimmung und Teilhabe beinhaltet. Die großen Sozialunternehmen stehen vor fachlich- personalwirtschaftlichen, unternehmerischen und ethischen Herausforderungen und der vorliegende Band soll mit seinen Beiträgen ein höheres Maß an Planungs- und Handlungssicherheit gewährleisten.

Zielgruppen

Der vorliegende Band ist geeignet für alle, die Interesse an einem umfassenden Überblick über Forschungsergebnisse zur Datenlage älterer behinderter Menschen und entsprechender Konsequenzen für den Lebensalltag dieser Menschen haben. Das betrifft v.a. Fachleute von Sozialunternehmen, Heilpädagogen, Sozialpädagogen etc., Psychologen, Ärzte und Auszubildende der genannten Ausbildungsgänge.

Fazit

Im Blick auf die fehlende bzw. unvollständige Datenlage zur Lebenssituation älterer behinderter Menschen und der demographischen Dringlichkeit wurde im Auftrag großer Sozialunternehmen mit diesem Band eine umfassende Präsentation soziodemographischer Forschungsergebnisse geliefert und qualifizierte, an den aktuellen heilpädagogischen Leitkonzepten orientierte fachliche Konsequenzen abgeleitet. Ein differenziertes, wissenschaftliches Werk, das allerdings zum Verständnis einschlägiger fachlicher Vorkenntnisse bedarf.


Rezensentin
Prof. Dr. Renate Weigel
Evangelische Fachhochschule Nürnberg, Fachbereich Sozialwesen
Allgemeine und spezielle Pädagogik; Schwerpunkt: Arbeit mit Menschen mit Behinderungen


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Zitiervorschlag
Renate Weigel. Rezension vom 14.12.2006 zu: Fritz Krueger, Johannes Degen (Hrsg.): Das Alter behinderter Menschen. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2006. ISBN 978-3-7841-1627-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4164.php, Datum des Zugriffs 23.09.2019.


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