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Nicola Raschendorfer, Sabine Zajicek: Dyskalkulie - Wo ist das Problem? [...]

Cover Nicola Raschendorfer, Sabine Zajicek: Dyskalkulie - Wo ist das Problem? Hilfen für den Unterrichtsalltag. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2006. 116 Seiten. ISBN 978-3-8346-0061-5. D: 9,80 EUR, A: 10,10 EUR, CH: 17,30 sFr.
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Einführung in die Thematik

Der Begriff "Dyskalkulie" bezeichnet ebenso wie der bekanntere Begriff der "Legasthenie" eine Teilleistungsschwäche. Eine Dyskalkulie wird diagnostiziert, wenn eine hohe Diskrepanz zwischen allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und den arithmetischen Leistungen besteht. Es liegen grundlegende Schwierigkeiten beim Begreifen und Operieren mit Zahlen und Mengen vor, die durch herkömmliche Methoden des Übens und der Nachhilfe nicht behoben werden können. Sekundär treten bei einer Dyskalkulie oft auch psychosoziale Folgen auf; sie kann zu einem insgesamt negativen Selbstbild, generellem Leistungsversagen, Verhaltensauffälligkeiten und zur sozialen Isolation führen.

Die Autorinnen

  • Nicola Raschendorfer ist studierte Diplom-Sozialpädagogin und Lerntherapeutin.
  • Sabine Zajinek ist studierte Diplom-Pädagogin mit Zusatzausbildung in Gestalttherapie, Familientherapie und Sozialmanagement. Sie ist seit 1988 in der Dyskalkulietherapie tätig.

Zielgruppe

Dieses Buch richtet sich zunächst an Studierende in entsprechenden Studiengängen, Lehrer und Personen, die in der außerschulischen Förderung Kindern mit Dyskalkulie tätig sind. Auch Eltern von betroffenen Kindern können durch das Buch einen Einblick in die Erkenntnislage zur spezifischen Lernschwäche ihres Kindes erlangen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich nach einem kurzem, in die Thematik einführendem Vorwort  in sieben Kapitel.

  1. Kapitel 1: Dyskalkulie. Erklärungsansätze und Problemfeld. Das erste Kapitel befasst sich mit der allgemeinen Rechenentwicklung des Kindes und der Früherkennung von Abweichungen und Verlangsamung von dieser. Der Begriff der Dyskalkulie wird genauer umrissen. Diagnostik und mögliche Ursachen werden erörtert.
  2. Kapitel 2: Merkmale von Rechenschwächen. Hier wird dargestellt, in welcher Form sich Dyskalkulie äußert. Neben den Schwierigkeiten, die im Fach Mathematik auftreten, finden auch die Auswirkungen auf andere Fächer Erwähnung.
  3. Kapitel 3: Besondere Lernvoraussetzungen. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit möglicherweise mit einer Dyskalkulie assoziierten Störungen der Wahrnehmung sowie Problemen der Persönlichkeit und des Verhaltens. Insbesondere auf die Auswirkungen auf die Entwicklung des Selbstwertgefühls wird bezug genommen.
  4. Kapitel 4: Schulische Förderung. An dieser Stelle werden einige didaktische Hinweise für Lehrer gegeben, sowie einige Mathematiktests vorgestellt und hinsichtlich ihrer Eignung zur Dyskalkuliediagnostik evaluiert.
  5. Kapitel 5: Außerschulische Förderung. Hier wird auf eine mögliche Indikation zur außerschulischen Förderung eingegangen. Dabei wird besonders auf den Ansatz der "Integrativen Lerntherapie" bezug genommen, der von den Autorinnen in ihrer praktischen Arbeit bevorzugt wird. Zentral ist hierbei die Einbeziehung der schulischen Lernmethode in die außerschulische Förderung, die Arbeit an den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen, die Kooperation mit Eltern und Lehrern, sowie die Herstellung einer positiven Schüler-Lerntherapeuten-Beziehung und die Verbalisierung der Rechenschritte durch das Kind. Zudem werden Informationen über die Möglichkeit einer Finanzierung der Lerntherapie aus Jugendhilfemitteln gegeben.
  6. Kapitel 6: Elterngespräche als Beitrag zur positiven Unterstützung des Kindes. Dieses Kapitel richtet sich in erster Linie an Lehrkräfte und gibt Hinweise zur Gestaltung eines Elterngespräches hinsichtlich Setting, Gesprächsführung sowie zu Möglichkeiten der Aktivierung von elterlichen Ressourcen zur Förderung des Kindes im familiären Kontext.
  7. Kapitel 7: Anhang. Hier werden die in den einzelnen Bundesländern differierenden ministeriellen Vorgaben für das Vorgehen und die jeweils vorgesehene Form der Förderung bei Kindern mit Dyskalkulie zusammengestellt.

Eine Literaturliste bietet eine Auswahl weiterführenden Materials sowohl zu theoretischen Hintergründen, als auch für praktische Arbeitsansätze an. Des weiteren werden Tests und Spiele aufgeführt. Ergänzt wird dies zudem durch Internetlinks sowie relevante Adressen von  eingetragenen Vereinen.

Diskussion

Das Buch weist eine klare Strukturierung auf, welche durch eine leichte Sprache, Hervorhebungen und Merkkästen insgesamt zu einer guten Lesbarkeit und Eingängigkeit führt. Aufgelockert wird der Text zudem durch den einzelnen Kapiteln vorangestellte Zitate und durch zahlreiche Illustrationen. Das Buch ist somit dafür geeignet, sich einen schnellen Überblick über die Thematik zu verschaffen.

Fazit

Das Buch verzichtet weitgehend auf Fachtermini und ist somit auch für den Laien geeignet, zu einem schnellen Einstieg in die Thematik zu verhelfen. Für denjenigen, der sich eingängiger mit dem Phänomen der Dyskalkulie beschäftigen will oder muss, wird weiterführende Literatur angegeben. Eltern betroffener Kinder werden zudem praktische Hinweise zur Finanzierung einer außerschulischen Therapie und nützliche Adressen an die Hand gegeben, während Lehrer einen ersten Überblick über Diagnostik und Fördermaterial erhalten. Insgesamt reicht das Buch sicherlich zur Erstinformation für Eltern aus, Lehrer und Lerntherapeuten sind aber auch auf die Lektüre der angegebenen weiterführenden Literatur oder anderer Werke angewiesen. Dem Buch kann insgesamt ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bescheinigt werden.


Rezension von
Dr. Lena Becker
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Zitiervorschlag
Lena Becker. Rezension vom 28.02.2007 zu: Nicola Raschendorfer, Sabine Zajicek: Dyskalkulie - Wo ist das Problem? Hilfen für den Unterrichtsalltag. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2006. ISBN 978-3-8346-0061-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4187.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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