Inge Blickwede: Soziale Unterstützung junger Erwachsener (Übergang in Beschäftigung)
Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, Diplom-Pädagoge Martin Schön, 15.02.2007
Inge Blickwede: Soziale Unterstützung junger Erwachsener beim Übergang in Beschäftigung. Kompetenzentwicklung und regionale Netzwerke an der 2. Schwelle. Schneider Verlag Hohengehren (Bielefeld) 2006. 153 Seiten. ISBN 978-3-8340-0072-9. 14,00 EUR. CH: 25,30 sFr.
Ausbildung- und Arbeitslosigkeit Jugendlicher
An der aktuellen Diskussion sieht man, dass es höchst unterschiedliche Ansichten gibt, ob es ausreichend Ausbildungsplätze für Jugendliche gibt. Tatsache ist, dass zumindest in den ländlichen Regionen und auch in vielen Gegenden in den neuen Bundesländern ein eklatanter Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Jugendliche herrscht.
Hintergrund
Über drei Jahre hinweg begleiteten vier Wissenschaftler/innen der Technischen Universität Dresden im Modellprojekt "Netzwerk Jugendliche an der zweiten Schwelle" sechs Projekte für junge Erwachsene: Inge Blickwede, Holger Kehler, Eberhard Raithelhuber und Christiane Thierling stellen die Projekte, deren Evaluation, innovative Aspekte und Folgerungen mit diesem Buch vor.
Aufbau des Buchs
- Die "Einleitung" führt in die Aufgabenstellung, zentrale Thesen und in die Struktur des Buchs ein.
- Als "theoretischen Hintergrund" werden u. a. Themen wie die Entgrenzung von Jugend sowie Netzwerke zur Unterstützung junger Erwachsener diskutiert.
- Anschließend wird das "Evaluationskonzept" vorgestellt. Für die begleitende Evaluation der Projekte wurden die Teilnehmer und Mitarbeiter mit Fragebögen, einige von ihnen auch in Interviews, insbesondere zur Vernetzung befragt.
- Danach werden die sechs evaluierten "Modellprojekte" beschrieben. Mit ihnen sollten regionale Netzwerke aufbaut werden, um die Kompetenzentwicklung junger Erwachsener beim Übergang in den Arbeitsmarkt zu fördern (es handelt sich dabei um die Projekte "Jugend in Arbeit" (Augsburger Gesellschaft für Lehmbau, Bildung und Arbeit in Leipzig e. V.), "Lasst Mich Auch Arbeiten" (CJD Insel Usedom-Zinnowitz), "Reaktnet" (Institut für Sprachen und Wirtschaft Dr. Hirsch GmbH Halle), "Netzwerk Jugendbüro" (Projekt-Transfer-Gesellschaft GmbH Greiz), sowie Projekte der trend Gesellschaft für Marketing GmbH Neubrandenburg und der Stiftung zur Wirtschaftsförderung, Qualifizierung und Arbeitsbeschaffung (WQA) Saalfeld-Rudolstadt. In der Beschreibung der Projekte werden zum Teil große Unterschiede in der Gestaltung, Finanzierung, Rahmenbedingungen und Klientel deutlich.
- In den Abschnitten 5 bis 7 werden die "Ergebnisse aus den Erhebungen" ausführlich vorgestellt und zusammengefasst. Die Ergebnisse werden aus unserer Sicht teilweise zu detailverliebt dargestellt, dabei wird der Blick eher auf Prozente und Antwortverteilungen als auf Zusammenhänge, Unterschiede und auch Konsequenzen für die Praxis (und ggf. auch für die Forschung) geworfen, die Daten werden kaum gedeutet in den Raum gestellt.
- Auf Grundlage der Evaluation, also nicht auf der Einschätzung der Projekte oder deren Zielvorgaben folgend, analysierten die Autoren die Projekte nach neuen, innovativen Aspekten. Sie fassen sie wie folgt zusammen: "weg von der Zielgruppe, hin zum Lebensalter", "beschäftigungsbezogene und unterschiedliche Lebensbereiche berücksichtigende Beratung", "Kompetenzentwicklung über Tätigwerden", "Genderspezifik von Lebenslagen aufgreifen", "strukturelle Einbettung von Angeboten" sowie "Projektentwicklung auf der Basis von Regionalanalysen".
- Die Erläuterungen dazu wie zu den Folgerungen für eine "Perspektive: integrierte Übergangsstrukturen für junge Erwachsene" fallen leider nur kurz aus.
Relevanz für die Praxis
Beim vorliegenden Buch handelt es sich um eine wissenschaftliche Veröffentlichung. Sie verfügt beispielsweise auch über eine theoretische Einführung und enthält einige Formulierungen, die auch verständlich(er) ausfallen könnten. ("Der Name der Vermittlungsagentur „L.M.A.A. - Lasst Mich Auch Arbeiten“ artikulierte die arbeitsgesellschaftlichen Exklusivwahrnehmungen junger Menschen", S. 54).
Dennoch erscheint uns das Buch von praktischer Relevanz. Zum einen unterscheiden sich die zwar für die Träger durchaus wohlwollenden, aber sonst vergleichsweise offenen und ausführlichen Beschreibungen und Evaluationen der Projekte deutlich und wohltuend von den Schönwetterberichten, die man sonst zu lesen bekommt: Tatsächlich gibt es auch ein Projekt, das keinen Jugendlichen an eine der vom Arbeitsamt als frei gemeldeten Stellen vermitteln konnte (S. 66). Und es gibt auch Projekte, die nur einer von sieben Teilnehmern auf jeden Fall Freunden empfehlen würde (S. 91).
Zudem können sich hier Regionen, Bildungs- und Beratungseinrichtungen Anregungen über Möglichkeiten der Gestaltung, der Vernetzung und der Finanzierung von Projekten holen sowie auch konkrete empirische Daten nachlesen.
Fazit
Das vorliegende Buch empfehlen wir allen, die Jugendliche auf den Weg in Berufsausbildung und Arbeit begleiten. Und einige Abschnitte würden wir gerne arbeitsmarktpolitisch Handelnden als Pflichtlektüre vorschreiben.
Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Diplom-Pädagoge Martin Schön
Geschäftsführer des bims e.V.
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