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Rolf Arnold: Erwachsenenbildung

Cover Rolf Arnold: Erwachsenenbildung. Eine Einführung in Grundlagen, Probleme und Perspektiven. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2006. 5., unveränderte Auflage. 296 Seiten. ISBN 978-3-8340-0078-1. 17,00 EUR, CH: 30,20 sFr.
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Autor

Rolf Arnold ist Professor für Pädagogik und Leiter des Zentrums für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung an der Universität Kaiserslautern. Er nimmt einen Platz an einer Schnittestelle zwischen Praxis und theoretischer Auseinandersetzung mit Erwachsenenbildung ein. Diesen Bezug bekommt der Leser durch eine fundierte und inhaltliche dichte Darstellung vermittelt.

Entstehungshintergrund

Vermutlich ist die 5. Auflage dem Bedürfnis entwachsen, den veränderten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingen Rechnung zu tragen. Beim Blick in das Literaturverzeichnis stellt sich dann jedoch die Frage, warum die aktuellsten Quellen mit dem Jahr 2000 enden.

Aufbau

Fünf Abschnitte bestimmen den Weg durch das Werk von Rolf Arnold. Alle Abschnitte sind gut skizziert auf dem Cover der Publikation wiedergegeben.

1 Geschichtliche  und gesellschaftliche Voraussetzungen der Erwachsenenbildung

Das erste Kapitel enthält einen geschichtlich-gesellschaftspolitischer  Exkurszum Mitdenken und eine Einladung zum Verweilen in geschichtlichen Epochen. Maßgebliche politische, hochschulpolitische und soziologisch interessante Ereignisse beschreiben den Weg der Erwachsenenbildung (EB) durch die Jahrzehnte von der Volksbildung zur Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Besonders bemerkenswert ist die Darstellung zur ökologischen Krise und einer einhergehenden Ökologisierung der EB. Kurzweilig, doch ausführlich, führt dieses Kapitel den Leser durch den Dschungel von Institutionen, Organisationen, Gruppierungen und Strömungen der Bildung Erwachsener. Hier gelingt die Einordnung einer jungen Profession in den historischen Kontext in hervorragender Weise.

2 Rechtliche, institutionelle und organisatorische Bedingungen der EB

Erwachsenenbildung ist jedoch kein reines historisches Abenteuer. Von daher dämpft sich die Spannung im zweiten Kapitel. Ein fast lückenloser Überblick über Institutionen und Arbeitskreise erschließt dem Leser die Institutionalisierung dieser Profession. Doch auch die Grenzen des institutionalisierten Zugriffs auf das Lernen Erwachsener werden aufgezeigt. Das Kapitel über informelles und dialogisches Lernen durch Erfahrung bringt wesentliche Züge des Umgangs mit Lernen Erwachsener zum Ausdruck.

3 Sozialisation und Bildung Erwachsener - Aspekte einer sozialpsychologischen Didaktik der Erwachsenenbildung

Der Lebenslauf wird als zentrale erwachsenenpädagogische Kategorie dargestellt und ermöglicht somit ein genaueres Verständnis davon, was Erwachsenenbildung vermag und was nicht.  Lernen durch Erfahren und die damit verbundene Aufgabe der EB, dieses Erfahren anzuregen und auf Erfahrungen als individuelle Stärken in der eigenen Biografie im Kontexte eines lebenslangen Lernens aufzubauen, ist für ein didaktisches und methodisches Vorgehen unerlässlich. Abgeleitete Ansprüche an Zugängen zur Bildung Erwachsener runden dieses Spektrum ab. Im Abschnitt über qualitative Zugänge werden Verfahren und Methoden dargelegt, denen sich die EB als Wissenschaft bedient. Deutung der eigenen Situation, des Lebens, der Lebenswelt bestimmen den Fortschritt den Teilnehmer im Lernprozess. In diesem Zusammenhang benennt Arnold das "deutungsmusteranknüpfende Lernen" in der Erwachsenenbildung. Ein folgender interessanter Abschnitt besteht aus einem  vollständigesn Interview mit Herrn Prof. Dr. Hans Tietgens zum Thema "Erwachsenenbildung als Modalität der lebensgeschichtlichen Bearbeitung".

4 Weiterbildung als pädagogische Praxis - Zum Vernunftshandeln und der Professionalisierbarkeit der Erwachsenenbildung

Der Professionalisierung wird das vierte Kapitel gewidmet. An dieser Stelle wird erneut deutlich, welch gewundenen Pfade diese Fachrichtung gegangen ist und geht. Es wird die Frage gestellt, welche Kompetenzen ein erfolgreicher Erwachsenenbildner mitbringen, und welche curricularen Inhalte ein Studium auf diesem Sektor enthalten sollte. Eine Übersicht zu universitären Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Weiterbildner stellt - leider unvollständig - die Möglichkeiten zur Qualifizierung dar. Das Spannungsfeld Teilnehmerorientierung und Professionalisierung wird aufgezeigt und erwachsenenpädagogisches  Handeln als "Jedermannstätigkeit" hinterfragt.

5 Arbeit und Lernen

Arbeiten und Weiterbilden, Grundfragen zur beruflichen Weiterbildung in der Informationsgesellschaft, Qualifikation und Erwachsenenbildung, Ansprüche der Weiterbildung zwischen sozialstaatlichen und erwachsenenpädagogischen Ansprüchen stellen zentrale Themen dieses Kapitels dar: Was bedeutet Selbsthilfeförderung durch Identitätsorientierung, wo bleibt neben der beruflichen Qualifizierung das Identitätslernen und die Selbsterkenntnis?

Dieses relativ ausführliche Kapitel geht im Weiteren auf berufliches Lernen ohne berufliche Arbeit und auf die Ideologie der betrieblichen Weiterbildung ein. Leider kommt der Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung zu kurz, obgleich zu erwarten gewesen wäre, dass Rolf Arnold - als Experte und Praktiker in diesem Arbeitsfeld - diesem Schwerpunkt ein besonderes Gewicht einräumen würde.

Zielgruppen

Wie bereits anfänglich beschrieben, richtet sich das Buch nicht an Newcomer auf diesem Gebiet - es sei denn, sie sind bereit, eine intensive und teilweise sehr theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht zu scheuen. Der Leser sollte im Umgang mit Fachterminologien geübt sein und über Grundkenntnisse verfügen.

Diskussion

Ob Studenten des ersten Semesters Freude haben werden? Sicher, wenn sie eine intensive und tiefer gehende Auseinandersetzung mit der Thematik Erwachsenenbildung wünschen.Rolf Arnold gelingt es mit seiner Einführung in die Erwachsenenbildung in fachlich anspruchsvoller Form, das breit gefächerte Spektrum dieses Arbeitsfeldes aufzuzeigen und Tiefen auszuloten. Insgesamt  benötigt man Mut zum Text, was in einer Welt von an Illustrationen und Zusammenfassungen gewohnten sowie mit Powerpoint, Checklisten und Randbemerkungen geübten Lesern eine angenehme Herausforderung ist.  In der Kürze liegt daher nicht immer die Würze, sondern in der Auseinandersetzung mit komplexen Themenfeldern auf hohem Niveau. Dies ist dieser Ausgabe gelungen. Anspruch wird geboten aber auch beim Leser vorausgesetzt. Die Erwachsenenbildung fast in ihrer gesamten Spannweite und in ihren Problembereichen  aufzuzeigen, ist sehr gut gelungen. Das Buch ist geeignet für alle, die sich auf hohem Niveau mit der Thematik  auseinander setzen wollen oder sollen.

Sätze mit einer Länge von über einer halben Seite und die Verwendung hoch spezialisierter Termini tragen allerdings nicht immer zur Lesefreude bei. Das Werk fördert die kritische Auseinandersetzung mit Themengebieten der Erwachsenbildung. Als Handbuch ist die Veröffentlichung weniger zu empfehlen, da es durch eine komplexe Struktur und spezifische Themengebieten mehr in die Probleme und Perspektiven eindringt und weniger einen Überblick skizziert.

Fazit

Handbücher gibt es viele. Einführungen auch. Arnold gelingt in hervorragender Weise eine interessante und intensive Auseinandersetzung mit seinem Fachgebiet.  Hier liegt keine Einführung im herkömmlichen Sinne vor, sondern ein Fachbuch, in welchem zahlreiche bekannte Namen der Erwachsenbildung vertreten sind und somit ein Artikulationsinstrument einer - teilweise kontroversen - fachlichen Diskussion darstellt. Leider ist bei diesem Werk das schlechte Lektorat auffällig. Der Satz des Buches, das Layout, die Gliederungen und Übersichtlichkeit wären eindeutig zu verbessern gewesen. So gibt es verschiedene Schriftarten auf einer Seite, falsche Seitennummerierungen, nicht gelöschte editorische Notizen in den Tabellenüberschriften und - wenn auch sehr wenige - Rechtschreibfehler. Man kann sich des Eindruckes nicht verschließen, diese Ausgabe wurde in der Nacht vor Drucklegung fertig gestellt. Das ist schade und wirkt sich im Gesamten negativ auf diese anspruchsvolle Arbeit aus und ist nicht kongruent mit dem Inhalt.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Holger Böhm
Studium der Erziehungswissenschaften und Soziologie M.A. und Sozialwesen an der Friedrich-Schiller-Universität und Fachhochschule Jena, Dipl. Sozialpädagoge (FH), Erwachsenenbildner Tätigkeit: Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen (GFAW) bisherige Tätigkeiten: Geschäftsführer einer Erwachsenenbildungseinrichtung, Assistent der Geschäftsführung eines privaten Seminarhotels in Schleswig-Holstein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fachhochschule Jena und Technische Universität Ilmenau (Projektmanager des Verbundes der wissenschaftlichen Weiterbildung in Thüringen).
Homepage www.xing.com/profile/Holger_Boehm4
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Zitiervorschlag
Holger Böhm. Rezension vom 26.03.2007 zu: Rolf Arnold: Erwachsenenbildung. Eine Einführung in Grundlagen, Probleme und Perspektiven. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2006. 5., unveränderte Auflage. ISBN 978-3-8340-0078-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4212.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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