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Bernice Buresh, Suzanne Gordon: Der Pflege eine Stimme geben (Öffentlichkeitsarbeit)

Cover Bernice Buresh, Suzanne Gordon: Der Pflege eine Stimme geben. Was Pflegende wie öffentlich kommunizieren müssen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. 303 Seiten. ISBN 978-3-456-84220-2. 34,95 EUR, CH: 56,00 sFr.

Aus dem Amerikan. von Heide Börger. Dt.-sprachige Ausg. hrsg. von Angelika Zegelin und Andreas Büscher. Dt.-sprachige Ausg. bearb. von Britta March. Mit Geleitw. von Patricia Brenner.
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Thema

Der Titel hält was er verspricht! Ein praktischer Handlungsleitfaden, um Pflege in den Blickwinkel der Gesellschaft zu rücken und zwar nicht über Skandalmeldungen, sondern über konstruktive Öffentlichkeitsarbeit, um darzustellen was Pflege im Gesundheitswesen leistet.

Ein zentrale Empfehlung der Autorinnen, für jede, diein der Pflege, Lehre oder Pflegeforschung tätig ist lautet: Bevor Sie aus dem Haus gehen, sollten Sie immer drei Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag parat haben, um zu beschreiben, was Pflege ausmacht, um mitzuteilen wie Sie kranke und pflegebedürftige Menschen darin unterstützen, belastende Lebenssituationen zu bewältigen. Denn Öffentlichkeit entsteht auch dadurch, dass Pflegende ihre Geschichten erzählen und nicht nur durch Artikel, Radio und Fernsehen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwei Schwerpunktthemen

  • Teil 1 informiert über Strategien damit Pflegende "Nie wieder schweigen" und hebt die Vorteile hervor, die sich für Pflegende und die Gesundheitsversorgung ergeben, wenn die Öffentlichkeit die Bedeutung der Pflege wahrnimmt und versteht.
  • Teil 2 beschreibt die Kommunikation mit den Medien und der Öffentlichkeit

Teil 1 Strategien

  • Kapitel 1 widmet sich Mitteln, Motivation und Gelegenheiten zum "Ende des Schweigens". Öffentliche Kommunikation und öffentliche Aktionen werden als Mittel für eine positive Wahrnehmung der Pflege in der Öffentlichkeit dargestellt. Als wichtigsten Beweggrund, andere aufzuklären, nennen sie den Mangel an Wertschätzung und Sichtbarmachung der Pflege. Gelegenheiten dazu bieten sich täglich in den Medien, bei Freunden und in der breiten Öffentlichkeit, denn das Bedürfnis nach nützlichen Gesundheits-Informationen ist groß.
  • Im Kapitel 2 folgt "die Stimme der Autorität", darin wird ein Konzept dargestellt, das Pflegende schrittweise befähigen soll, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und Stellung zu beziehen.
  • Kapitel 3 umfasst Erläuterungen dazu "Wie man sich als Pflegeperson präsentiert", um einen positiven und professionellen Einruck zu hinterlassen
  • Kapitel 4 ermutigt "Sagen Sie allen was Sie tun".  Damit sind die vielfältigen Öffentlichkeiten angesprochen: Massenmedien sind ebenso wichtige Meinungsträger in der Öffentlichkeit wie der Freundeskreis, Nachbarn oder Angehörige. Es geht darum. auf interessante (fesselnde) Weise zu erzählen was Pflege ausmacht. Gelingt dies im privaten Kreis, so ist es eine gute Vorbereitung für die breitere Öffentlichkeit. Wie in der Einleitung plastisch dargestellt, eignen sich dazu besonders Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag. Einige Empfehlungen dazu lauten: "Stellen Sie informative Details der Situation dar, um dem Laien die Komplexität des Themas zu vermitteln, verzichten Sie auf Fachjargon, erläutern Sie ihr klinisches Urteilsvermögen". Ein eindrückliches Beispiel von der Betreuung einer an Brustkrebs erkrankten Frau wird auf S. 93 dargestellt.

Teil 2 Kommunikation mit den Medien und mit der Öffentlichkeit

  • Kapitel 5 informiert darüber "Wie die Medien arbeiten". Es wird viel Insiderwissen dazu präsentiert wie Medien funktionieren (z.B. was Journalisten brauchen – wie sie denken, was für sie wichtig ist), wie sie miteinander vernetzt sind, was wichtig ist und wie es gelingt, Einfluss auf sie und die politische Diskussion über die Zukunft des Gesundheitssystem zu nehmen.
  • Im Kapitel 6 werden hilfreiche Hinweise gegeben, um "Kontakte zu den Medien" erfolgreich zu gestalten. Ein Aufhänger zur Kontaktaufnahme mit Medien können Pressemitteilungen sein wie ein gelungenes Beispiel der Canadian Nurse Association auf S. 136 beschreibt. Die Autorinnen empfehlen ein Prinzip bei Medienkontakten: Telefonate oder Kontakte mit Reportern sind immer offiziell, "sagen Sie nie etwas, was sie nicht veröffentlicht haben wollen, sagen Sie nur was sie mitteilen möchten".
  • Kapitel 7 erläutert die Zusammenarbeit mit PR-Experten. Öffentlichkeitsarbeit ist kein Ziel, sondern ein Mittel zur Durchsetzung wichtiger Ziele so lautet die Kernaussage des Kapitels. Aufgaben von PR-Experten werden vor- und hilfreiche Tipps zusammengestellt, um einen geeigneten PR-Experten zum Imagemanagement der Pflege in der Öffentlichkeit zu finden.
  • Im 8. Kapitel werden sechs Kampagnen vorgestellt, die ihre Ziele erreichen. Sie wurden von Pflegende initiiert, um gravierende Mängel und Probleme zu beseitigen, exemplarisch:

    • "Kampf um ein Pflegepersonal-Gesetz für kalifornische Krankenhäuser" 1999 war Kalifornien der erste Staat in USA, der Krankenhäuser zur Einhaltung eines festen Verhältnisse von Pflegenden zu Patienten verpflichtete, um eine qualitativ hochwertig Versorgung sicherzustellen.
    • "Die schleichende Krise", landesweite Kampagne in Kanada von der Canadian Nurses Association (CNA) betrieben, um Druck auf die Regierung auszuüben, staatliche Mittel für die Gesundheitsversorgung zu erhöhen und die Pflege mehr zu fördern. 
  • Das 9. Kapitel umfasst Beschreibungen wie Pflegende "Mit eignen Worten: Leserbriefe und Kommentare" verfassen können, um ihre Meinungen zu vertreten und Stellungnahmen abzugeben.
  • Das 10. Kapitel beschäftigt sich mit "Auftritten in Radio- und Fernsehsendungen". Darin werden Fragen erläutert wie z.B. "Wie gehe ich mit provokanten Fragen um, wie kann ich zu einem anderen Thema überleiten?" Hilfreiche Überleitungssätze sind auf S. (235) zusammengefasst, auch die 10 Tipps für ein Interview (S. 238) bieten praxisnahe Ratschläge. Beispiele für einige Überleitungssätze

    • Das ist ein interessantes Thema, aber interessant ist auch…
    • Ich möchte Ihnen gern etwas erzählen über…
    • Da wir gerade darüber sprechen, was wichtig für Patienten ist, sollen Sie auch bedenken…
    • Da ist noch ein Faktor, der bislang nicht berücksichtig wurde…
  • Kapitel 11 widmet sich dem "Thema Pflegeforschung publik machen" - ein Aufruf zur medienwirksamen Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Die Wirkung von Pflege kann die Öffentlichkeit besser verstehen, wenn sie mehr über die Pflegeforschung weiß. Pressemitteilungen sind dazu ein wichtiges Mittel. "Neue Studie befürwortet Anwesenheit von Familienangehörigen in der Notaufnahme" so lautete 2000 eine Pressemitteilung die an alle Nachrichtenanstalten in den USA gesendet wurde. Das American Journal of Nursing (AJN) machte damit einen gewagten Schritt, um Pflegeforschung publik zu machen. Die Zahlen der Öffentlichkeitsarbeit sprechen für sich. Sämtliche Zeitungen der USA berichteten über die Studie, ein 2-minütiges Video, das der Pressemitteilung hinzugefügt wurde, wurde ca. 75-mal in über 45 Sendebereichen ausgestrahlt und erreichte ca. 5,7 Mio. Zuschauer.
  • Kapitel 12 bietet Informationen zur "konstruktiven Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit". Theaterstücke können hilfreich sein, um die Arbeit der Pflege, die Bedeutung der Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten mal "anders" darzustellen, um auf künstlerischen Wegen sich dem Thema zu nähern.

Anhang

Das Buch wird von einem nützlichem Anhang mit nationalen und internationalen Adressen (Schweiz, Österreich, Deutschland) für Medienkontakte, mit einer Liste von Verbrauchermagazinen, TV-Sendungen, einer Bücherauswahl, und einer Auswahl an Pflegefachzeitschriften und Pflege-Fachbuchverlage abgerundet.

Fazit

Ein mutmachendes Buch, das Pflichtlektüre für jeden im Pflegebereich Tätigen, für Auszubildende, für Studierende, für Lehrende, für Forschende usw. sein sollte. Ein umfassendes Informationswerk, das Pflegenden vermittelt, wie sie ihre Geschichten, Erkenntnisse und ihr Fachurteil in die Öffentlichkeit bringen können. Es nimmt die Leser mit, lässt sie an spannendem Insiderwissen der Autorinnen teilhaben.

Die Autorinnen Burseh und Gordon sind "Öffentlichkeits-Aktivistinnen" der Pflege was sie nicht nur mit diesem Buch belegen, sondern auch mit Rezensionen darstellen, die in der Washington Post erschienen (einer sehr renommierten Tageszeitung in den USA). Buresh und Gordon fordern auf die Pflege mal anders darzustellen. Gesundheitsmagazine, Frauenzeitschriften sind ebenso Quellen der Information und Meinungsbildung wie Fachzeitschriften – daher können sie auch beide als Mittel des Informationstransfers genutzt werden. Es ist zu wünschen, dass dieses Buch sehr viele Nachahmer findet, um das Image der Pflege in der Öffentlichkeit zu verändern.


Rezensentin
Dr. Anja Rutenkröger
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Zitiervorschlag
Anja Rutenkröger. Rezension vom 06.12.2008 zu: Bernice Buresh, Suzanne Gordon: Der Pflege eine Stimme geben. Was Pflegende wie öffentlich kommunizieren müssen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. ISBN 978-3-456-84220-2. Aus dem Amerikan. von Heide Börger. Dt.-sprachige Ausg. hrsg. von Angelika Zegelin und Andreas Büscher. Dt.-sprachige Ausg. bearb. von Britta March. Mit Geleitw. von Patricia Brenner. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4288.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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