socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Andreas Blum: [...] Kooperation von Jugendarbeit und Ganztagsschule

Cover Andreas Blum: Handbuch Zusammenarbeit macht Schule. Kooperation von Jugendarbeit und Ganztagsschule. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2006. 144 Seiten. ISBN 978-3-89974-270-1. 12,80 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Dass die Zusammenarbeit von Schule mit Jugendhilfe im Allgemeinen und Kinder- und Jugendförderung im Speziellen im Kontext der aktuellen Bildungsdebatten eine neue, andere Konnotation erlangt hat, illustriert augenfällig (auch) die wachsende Zahl von Publikationen, die sich diesem Thema zuwendet (vgl. die Rezension zu Deinet/Icking, die Rezension zu Pauli, die Rezension zu Fuchs und zu Rezension zu Braun/Wetzel. Mit dem "Handbuch Zusammenarbeit macht Schule" von Andreas Blum liegt eine weitere Publikation vor, die Anregungen geben möchte, Kooperationen zwischen Jugendarbeit und Ganztagsschulen zu entwickeln.

Entstehungshintergrund und Autor

Entstanden ist der Band aus der Kooperation der "AG Ganztagsschule" des Landesjugendrings Rheinland-Pfalz mit Schulen und außerschulischen Partnern. Der Autor, Diplom-Pädagoge (Studium in Koblenz und Mainz) und seit 2002 Projektreferent dieses Landesjugendrings, der Dachorganisation der Jugendverbände, ist dort für das Projekt "Kooperation von Jugendarbeit und Ganztagsschule" verantwortlich. Insoweit kann die Veröffentlichung nahe liegender Weise die in diesem Kontext gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse reflektieren.

Inhalt

Im Rahmen des von Blum geleiteten Projekts bezieht sich das "Handbuch" auf Rheinland-Pfalz; Verweise auf Praxis außerhalb dieses Bundeslandes sind (deshalb) rar. Irritierend ist zunächst auch, dass sich der Autor nicht wirklich auf Jugendarbeit allgemein bezieht, sondern in der Kooperation mit (Ganztags-) Schule Formen verbandlicher Jugendarbeit in den Focus rückt.

Der themenorientierende Überblick zum Stand der Kooperation von (Ganztags-) Schule und Jugendarbeit schließt einen spezifischen Blick auf Jugendverbände und Schule mit ein, bei dem zweifellos noch Defizite im Anbahnen, Entwickeln und Fortschreiben von Kooperationsbezügen und -beziehungen auszumachen sind. An dieser Stelle trägt der schmale Band sicher dazu bei, eine Lücke zu schließen, wozu auch einige best-practise-Beispiele aus der Kooperation von Jugendverbänden und Schule beitragen, die im Spektrum Umwelterziehung bis Berufsbildung, Schulsanitätsdienst und Konfliktlotsen, Offenem Café und Erlebsnispädagogik angesiedelt sind.

Der Service- und Anlagenteil des Büchleins enthält Materialien und Hinweise in erster Linie aus rheinland-pfälzischer Praxis: neben einer allgemeinen Literaturliste zur Zusammenarbeit von Jugendarbeit und Schule (die freilich den Literaturstand mehr des Jahres 2004 abbildet), eine ebensolche zur Kooperation in Rheinland-Pfalz, einige wenige Beispiele für Kooperationsprojekte in anderen Bundesländern, web-Links und ein Verzeichnis der rheinland-pfälzischen Ansprechpartner/innen und Jugendverbände, darüber hinaus ausschließlich rheinland-pfälzische Praxismaterialien zur "Serviceagentur Ganztägig lernen" (http://www.ganztaegig-lernen.de) von Jürgen Tramm, zur schulischen Unterstützung und Begleitung von Ganztagsschulen (Hans-Jürgen Liebert) und eine äußerst knapp gehaltene Beispieldarstellung zur Kooperation (Karin Kienle) sowie eine Musterrahmenvereinbarung sowie der Entwurf eines Dienstleistungsvertrages für außerunterrichtlich zu erbringende Bildungsleistungen an Ganztagsschulen.

Zielgruppen

Das "Handbuch Zusammenarbeit macht Schule" wendet sich an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen aus Jugendverbänden, kommunale in der Jugendarbeit Verantwortlichen, die ihrem Förderauftrag gem. § 12 Kinder- und Jugendhilfegesetz entsprechen wollen, sowie an (Ganztags-) Schulen. Diese Zielgruppenbestimmung mag helfen, die Veröffentlichung der "richtigen" Leserschaft zuzuführen. Experten einer an Kooperation interessierten kommunalen Kinder- und Jugendförderung werden an anderer Stelle sicher besser bedarfsgerechter bedient. 

Fazit

Der Band kann helfen, eine Bresche zu schlagen in der Kooperation zwischen Jugendverbänden und Schulen. Er ist knapp gehalten (ohne den so genannten Service- und Anlagenteil knapp 100 Seiten) und dürfte in erster Linie anregend für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus der Jugendverbandsarbeit sein, die sich orientieren wollen, wohl aber nichts für Praktiker der kommunalen Kinder- und Jugendförderung, die in der Diskussion in der Regel schon (deutlich) weiter sind. Die Engführung auf Rheinland-Pfalz, die sich aus der Projektgebundenheit des Autors erklären mag, freilich appelliert doch sehr an die Abstraktionsfähigkeit der Leserinnen und Leser aus Jugendverbänden, die nicht aus diesem Bundesland kommen, Erkenntnisse und Informationen auf ihre je spezifische Situation zu übertragen. Dennoch kann der Band helfen, die von Blum gewünschte "Kultur des Zusammenlebens und -arbeitens" (S. 86) zu entfalten, die - angesichts der absehbaren Ausweitung der schulisch bestimmten Zeit junger Menschen - ihren Standort werden neu bestimmen müssen, wollen sie nicht in einer zwangsläufigen Konkurrenz um die (knappere) freie Zeit junger Menschen weiter an Boden verlieren, was dazu führen wird, dass sie ihre eigentliche Stärke im Bereich des informellen Lernens nicht weiter ausspielen werden können.

Mit Blick auf die Gesamtdiskussionslage in Jugendverbänden und kommunaler Kinder- und Jugendförderung erweist sich der Focus auf Rheinland-Pfalz insgesamt doch eher hinderlich, wenn auch der Verlag (vielleicht doch etwas zu optimistisch) davon ausgeht, Rheinland-Pfalz habe eine Art Vorreiterrolle in der Entfaltung von Kooperationsbeziehungen zwischen Jugendarbeit und Ganztagsschule. Ein Hinweis im Titel, dass es hier in erster Linie um Praxisgestaltung in Rheinland-Pfalz geht ("Zusammenarbeit macht in Rheinland-Pfalz Schule"), würde dem Band und den Leserinnen und Lesern jedenfalls gut tun. Für den Anspruch, ein "Handbuch" vorzulegen, dürfte überdies die Präsentation insgesamt zu knapp ausgefallen sein.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
E-Mail Mailformular


Alle 90 Rezensionen von Peter-Ulrich Wendt anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 28.03.2007 zu: Andreas Blum: Handbuch Zusammenarbeit macht Schule. Kooperation von Jugendarbeit und Ganztagsschule. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2006. ISBN 978-3-89974-270-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4305.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!