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Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF): Von der Politik der illegalen Drogen zur Politik [...]

Cover Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF): Von der Politik der illegalen Drogen zur Politik der psychoaktiven Substanzen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. 102 Seiten. ISBN 978-3-456-84266-0. 16,95 EUR, CH: 29,90 sFr.

Reihe: Studien zur Gesundheits- und Pflegewissenschaft. Redaktion: André Tschudin.
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Thema und AutorInnen

Seit 1982 befasst sich die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) als beratendes Organ des schweizerischen Bundesrates mit grundsätzlichen Aspekten der schweizerischen Drogenpolitik. Der Bericht betrachtet die Drogenfrage noch umfassender, als man es gewohnt ist. Das gilt in zeitlicher und in thematischer Hinsicht. Im Zeitlichen wird ein Blick in die Vergangenheit versucht und der gesellschaftliche Wandel skizziert. Die Geschichte zeigt, wie Gesellschaften bisher mit psychoaktiven Substanzen und mit Abhängigkeitsproblemen umgegangen sind, und welche Lehren man daraus ziehen kann.

Zum Thematischen: Bereits der im Titel enthaltene Begriff "psychoaktive Substanzen" weist darauf hin, dass sich die Kommission nicht auf einzelne Drogen wie Kokain oder Heroin beschränkt hat. Sie geht von der Tatsache aus, dass dem Konsum von Substanzen, die einen Einfluss auf das Gehirn und damit auf das Wohlbefinden des Menschen haben, ähnliche Ursachen zugrunde liegen.

Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Kommission das bisherige Vier-Säulen-Modell weiter entwickelt. Die Kommission hat sich mit dieser Publikation das Ziel gesetzt, die Diskussion um die Suchtpolitik zu versachlichen. Weiter soll damit dem Bundesrat und dem Parlament ein Leitfaden und ein Instrument in die Hand gegeben werden, an denen sich künftige suchtpolitische Pläne und Massnahmen messen lassen.

Aufbau und Inhalt

Der Bericht ist in drei Teile gegliedert: Aspekte der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Dabei dienen die ersten zwei Teile der Schilderung und der Reflexion des bisherigen gesellschaftlichen Umgangs mit der Suchtthematik. Es wird festgestellt, dass der politische Fokus auf die illegalen Suchtmittel, also die Drogen, künftig nicht mehr zielführend sein kann. Aus dieser Erkenntnis heraus wird im dritten Teil ein neues Modell, genannt "psychoaktiv.ch" als Weiterentwicklung der bisherigen 4-Säulen-Politik vorgeschlagen.

  1. Im ersten Teil werden der gesellschaftliche Wertewandel vom "Selbstverständnis zur Pflichterfüllung" (nach Max Weber) hin zur Individualisierung mit seinen Konsequenzen und die Entwicklung der Wirtschaft und der Politik mit globaler Reichweite beschrieben. Der gesellschaftliche Umgang mit psychoaktiven Substanzen wird auf diesem Hintergrund beschrieben.
  2. Der zweite Teil befasst sich schwerpunktmässig mit dem Stand des Wissens. Diese Darlegungen sind unterteilt in die Bereiche: Medizinische Forschung, Prävention, Therapie und Schadensminderung, Kriminologie, Ökonomie und Politik.
  3. Im abschliessenden dritten Teil wird als Fazit aus den vorhergegangenen Themen das neue Würfelmodell "psychoaktiv.ch" Schritt für Schritt erläutert. Hier wird verdeutlich, was der Titel der Publikation meint: Die bisherige Politik der illegalen Drogen soll in eine Politik im Umgang mit psychoaktiven Substanzen transformiert werden. Sie soll in einem neuen "Leitbild Suchtpolitik" die Orientierungspunkte für die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger bieten. Als Kernthemen werden die Stärkung des Individuums, die Stärkung der gesellschaftlichen Institutionen wie Familie, Schule, Arbeit und Freizeit und die Stärkung der staatlichen Steuerung kurz skizziert. Der Bericht endet in 10 Empfehlungen zuhanden des Bundesrates für eine künftige Suchtpolitik der Schweiz. 

Zielgruppe

Der Bericht richtet sich in erster Linie an Entscheidungsträgerinnen und -träger in Gesellschaft und Politik, aber auch an jede Person, die sich über die Hintergründe und die Zukunftsperspektiven im Bereich der psychoaktiven Substanzen orientieren will.

Fazit

Der Kommissionsbericht bietet einen raschen Überblick über das Verhältnis vom Umgang der Gesellschaft mit psychoaktiven Substanzen in den letzten Jahrzehnten und deren politischer Reaktion. Wer nun eine vertiefte Analyse und Reflexion erwartet wird mit dieser gut 100-seitigen Schrift enttäuscht sein. Die Kommission verbindet politisches und fachliches Know-how. Der Wert dieses Berichtes liegt denn nun in der Verbindung von komprimiertem (medizinischen) Wissen über psychoaktive Substanzen in der Gesellschaft mit den Mechanismen des strategischen Umgangs der Politik mit dieser Thematik.

Allerdings richtet die Kommission den Fokus ausschliesslich auf die psychoaktiven Substanzen und leitet diese Erkenntnisse für ein neues Leitbild Suchtpolitik ab. Eine "moderne Suchtpolitik" müsste diesen Blick auch auf stoffungebundene Suchtformen (wie z.B. die Glücksspielsucht) erweitern. Der Forderung nach einer kohärenten Suchtpolitik widerspricht sich die Kommission damit selbst.

Nichtsdestotrotz ist der Bericht als wertvoller Input für die politische Diskussion zu werten.


Rezensent
Prof. Jörg Häfeli
Dozent/Projektleiter,Team Prävention
Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
Homepage www.hslu.ch


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Zitiervorschlag
Jörg Häfeli. Rezension vom 26.07.2007 zu: Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF): Von der Politik der illegalen Drogen zur Politik der psychoaktiven Substanzen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. ISBN 978-3-456-84266-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4318.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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