Karl-Heinz Braun, Konstanze Wetzel: Soziale Arbeit in der Schule
Rezensiert von Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt, 29.03.2007
Karl-Heinz Braun, Konstanze Wetzel: Soziale Arbeit in der Schule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2006. 221 Seiten. ISBN 978-3-497-01864-2. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 34,70 sFr.
Thema
Im Kontext des aktuellen Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung hat der Diskurs um die Trias von Bildung, Betreuung und Beratung aus einer spezifisch sozialpädagogischen Sicht eine neue Bedeutung erhalten: es geht (auch) darum, Soziale Arbeit im Verhältnis zu Schule neu zu positionieren. Mit Karl-Heinz Braun und Konstanze Wetzel sind "sozialpädagogische Perspektiven der Schulentwicklung als der theoretische und praktische Versuch zu verstehen, die sehr vielfältigen Ausrichtungen, Handlungsansätze und Institutionalisierungsformen der sozialpädagogischen Arbeit in und mit der Schule unter einer integrativen Aufgabenstellung zusammenzufassen" (S. 11). Damit ist die Perspektive von "Soziale Arbeit in der Schule" skizziert, die die beiden Autoren verfolgen: eine Praxis sozialer Arbeit in Schulen theoretisch zu fundieren. Im Unterschied zu eher schulbezogenen Überlegungen - wie etwa von Appel und Rutz (vgl. die Rezension) vorgebracht - rücken sie dezediert Soziale Arbeit als eigenständige Leistung in Schule mit ebenso eigenständiger Legitimation in den Focus ihrer Publikation.
Autor/Autorin
Dr. Karl-Heinz Braun lehrt als Professor an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaft, Dr. Konstanze Wetzel ist Professorin für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit an der FH Technikum Kärnten in Feldkirchen.
Inhalt
Zunächst nehmen Braun und Wetzel eine systematische Einordnung im Diskurs um Bildung, Betreuung und Beratung und den damit verbundenen Debatten und die Reform von Schule, Ganztagsbildung und der Kooperation von Sozialer Arbeit und Schule vor im Nachgang zu "PISA" vor: als "zukunftsoffene Abstimmung" (S. 65) der Systeme, wie sie es nennen, wobei sie die Perspektiven einer selbstbewussten Standortbestimmung durch die Soziale Arbeit selbst betonen. Eine solche Positionsfindung freilich ist notwendig, will Soziale Arbeit nicht in die Rolle des willfährigen Erfüllungsgehilfen schulischer Imperative verfallen. Deshalb definieren Braun und Wetzel im Anschluss im zweiten Teil der Veröffentlichung auch Aspekte einer spezifisch sozialpädagogischen Profilbildung in Schule, sei es als Erlebnispädagogik (S. 71ff), Soziales Lernen (S. 106ff), Beratung (S. 141ff), Arbeitswelt- bzw. berufsbezogene Jugendbildung (S. 180ff) oder durch Herausarbeitung und Betonung der Gesichtspunkte des Konzepts Gender Mainstreaming (S. 159ff).
Zielgruppen
Konzipiert ist die vorliegende Publikation für Fachkräfte, die an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit (insbesondere Jugendhilfe) und Schule tätig sind. Damit steht sie einer wachsenden Zahl von Fachkräften zur Verfügung, die entweder - zum Beispiel in der Schulsozialarbeit - direkt an Schule tätig sind oder in Schule als eigenständige Akteure sozialpädagogischer Einrichtungen - zum Beispiel bei Verbänden oder aus kommunaler Kinder- und Jugendförderung heraus - tätig werden. Anregend und hilfreich ist der Band für beide Gruppen gleichermaßen.
Fazit
Der Band besticht durch sein theoretisches Niveau und den empirischen Gehalt (der sich zum Beispiel durch zahlreiche Verweise auf aktuelle Ergebnisse der Bildungsforschung dokumentiert). Dieser theoretische Teil mag auf den ersten Blick vielleicht etwas zu ausführlich geraten sein, scheint doch das Meiste hierzu schon gesagt zu sein, doch überzeugt die Darstellung durch ihre Komprimierung und Übersichtlichkeit.
Auch der zweite, die Praxis betonende Teil ist exzellent aufgearbeitet. Allerdings wäre doch eine für Praktikerinnen und Praktiker immer relevante Zusammenfassung sinnvoll, die ihnen helfen würde, den Anschluss an die theoretische Fundierung sicher zu finden. Die Publikation bricht an der Stelle ab, wo es um die Entfaltung einer integrierten Strategie der eigenständigen An- und Rückbindung von Sozialer Arbeit und Schule gehen müsste. Der Materialreichtum des Bandes freilich wiegt diesen "Mangel" in vollem Umfang auf. Die Publikation von Braun und Wetzel ist kenntnisreich und animativ genug verfasst, um die Hoffnung haben zu können, dass die Schnittstellen-Fachkräfte an diesem Punkt vorankommen werden
Rezension von
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Professur für Grundlagen und Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Magdeburg
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