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Jürgen Oelkers (Hrsg.): Rationalisierung und Bildung bei Max Weber

Cover Jürgen Oelkers (Hrsg.): Rationalisierung und Bildung bei Max Weber. Beiträge zur historischen Bldungsforschung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2006. 269 Seiten. ISBN 978-3-7815-1449-2. 22,00 EUR.
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Thema

Dieses Buch unternimmt den Versuch, Max Webers Beiträge für eine historische Analyse der Moderne aufzugreifen. Ziel dabei ist, Fragestellungen zu entwickeln, die es erlauben, Webers These von der Rationalisierung aus heutiger Sicht neu zu lesen.

Autorinnen und Autor

Prof. Dr. Jürgen Oelkers lehrt an der Universität Zürich Allgemeine Pädagogik. Rita Casale, Rebekka Horlacher und Sabina Larcher Klee sind Oberassistentinnen am Pädagogischen Institut der Universität Zürich.

Aufbau und Inhalt

Nach einem einleitenden Vorwort gliedert sich das Buch in drei Teile.

  1. Rationalisierungsprozesse in der Frühen Neuzeit. Im ersten Teil handeln fünf Beiträge Fragestellungen ab, die sich auf die Entwicklung der modernen Zivilgesellschaft und des Kapitalismus beziehen. Jürgen Oelkers expliziert die Rationalisierung des Lernens, Britta Rang in ihrem Beitrag das Verhältnis von Religion und Rationalität. Sabine Larcher Klee handelt die Projektmacherei des 17. und 18. Jahrhunderts als Alternative zum Modell einer unerbittlichen Rationalität ab, während Anja-Silvia Göing sich mit der protestantischen Arbeitsethik auseinandersetzt. Rita Casale schließlich erörtert in ihrem Beitrag die Kapitalismusanalyse von Max Weber.
  2. Protestantische Rationalisierung und Kapitalismus. Der zweite Teil des Buches widmet sich aus der Sicht historischer Bildungsforschung den politischen und ökonomischen Phänomenen des Kapitalismus. Der Beitrag von Daniel Tröhler thematisiert die enge Verknüpfung zwischen aufstrebendem Kapitalismus und protestantischer Ethik, Thomas Geisen beschäftigt sich mit Webers Konzept der ÈWahlverwandtschaftÇ, welches hier in eine Lesart der Wahlverwandtschaft zwischen Max Weber und Karl Marx gestellt wird und schließlich  Sabine Andresen, die über die Entstehung und Etablierung deutscher Sozialstaatlichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeitet.
  3. Rationalisierung von Bildung und Schulsystemen. Im dritten Teil stellen drei Beiträge spannende Teilaspekte Weberscher Gedanken vor. Philipp Gonon problematisiert die Veränderung des Zusammenhangs von Bildung und Kultur. Die Disparität im Berufsbegriff bei Weber  thematisiert Katrin Kraus, während Rebekka Horlacher anhand von Webers Vortrag "Wissenschaft als Beruf" das Verhältnis von Bildung und Erziehung expliziert. Der lesenswerte vierte Beitrag von Elisabeth Flitner nimmt nicht direkt Bezug auf Weber, sondern handelt unter dem Titel, "Pädagogische Wertschöpfung" die Rationalisierung von Schulsystemen am Beispiel von PISA ab.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Menschen, die sich mit Erziehungs- und Bildungsprozessen in heutiger Zeit beschäftigen.

Fazit

Es ist ein lesenswertes Buch, welches in einer klaren, verständlichen Sprache geschrieben wurde. Insgesamt ist die Lektüre anspruchsvoll und setzt eine aktive Auseinandersetzung voraus. Aus dem Fachgebiet Historische Bildungsforschung kommend bietet es aber dem interessierten Leser sehr viele Anknüpfungspunkte für heutige Fragestellungen. Durch die Bereitschaft, über das Werk von Max Weber (und damit auch des Werks von Karl Marx) bildungspolitische Fragestellungen mit Kapitalismus in Beziehung zu setzen, entstehen hochaktuelle Bezüge zu erzieherischen und bildungspolitischen Themen des 21. Jahrhunderts.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 11.07.2007 zu: Jürgen Oelkers (Hrsg.): Rationalisierung und Bildung bei Max Weber. Beiträge zur historischen Bldungsforschung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2006. ISBN 978-3-7815-1449-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4340.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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