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Reinhilde Beck: Konflikt-Coaching und Verhandlungsführung

Cover Reinhilde Beck: Konflikt-Coaching und Verhandlungsführung. Strategien - Tools - Materialien. ZIEL Verlag (Augsburg) 2006. 175 Seiten. ISBN 978-3-937210-45-2. D: 25,80 EUR, A: 26,60 EUR, CH: 46,00 sFr.

Blaue Reihe - SozialManagement Praxis.
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Überblick

Bei einem Buch aus einer Reihe "SozialManagement Praxis" des Verlags  "Zentrum für interdisziplinäres erfahrungsorientiertes Lernen GmbH" kann man ein Lehrbuch erwarten, das einen fundierten Überblick über das Thema mit handlungsorientierten Perspektiven anbietet. Beides leistet die von der Autorin didaktisch kompetent aufbereitete Materie in hohem Maße.

  1. Zunächst wird der Leser mit grundlegendem Wissen über theoretische Zugänge zu Konflikten vertraut gemacht. Individualpsychologische Ansätze (z.B. Freud, Adler, Jung) sind darin ebenso enthalten wie Neurolinguistisches Programmieren oder verhaltenspsychologische Ansätze.
  2. Im zweiten Kapitel werden die verschiedenen Aspekte handlungstheoretischer Grundlagen diskutiert: die Rolle und die neutrale Haltung eines Mediators, die Positionen der Konfliktparteien, die Überlagerung der Konflikte durch Macht und Hierarchie und die Interessenkonflikte.
  3. Die konkrete Konfliktbearbeitung im Detail ist Thema des dritten Kapitels. Hier geht es um die einzelnen Stadien des Ablaufs von Konfliktbearbeitungsprozessen.
  4. In einem vierten Kapitel werden ergänzende Materialien für die verschiedenen Stadien und Settings von Konfliktbearbeitungsszenarien angeboten.

Alle Kapitel sind lehrbuchartig konzipiert, d.h. an Beispielen werden Themen und Aspekte verdeutlicht, die Leser werden aufgefordert, verschiedene Aufgaben zu bearbeiten, die systematisch aufeinander aufbauen. Das Schlusskapitel resümiert (kritisch) Möglichkeiten und Grenzen einer professionell gesteuerten Konfliktbearbeitung.

Diskussion

Lehrbücher können dazu verführen, dass man meint, durch sie "kompetent" zu werden. Dies gilt jedoch nur für angelerntes Wissen - selbst methodisches. Sie ersetzen keine Erfahrung (die man niemandem ersparen kann). Hier wäre angebracht gewesen, über das Lernen aus Fehlern ein Wort zu verlieren. Lehrbücher suggerieren die Hoffnung, dass mit ihren Inhalten alles Wesentliche gesagt sei. Sie sind jedoch ebenso aus der singulären Perspektive der Autoren verfasst wie alle anderen Bücher einzelner Autoren auch, selbst wenn in ihnen die gängigen theoretischen Ansätze dargestellt werden. Dahinter verbirgt sich das Problem des methodischen Eklektizismus bzw. Dogmatismus. Niemand kann alle Wege gleichzeitig gehen und nicht jeder Weg führt zum Ziel. Wer in der Lehre tätig ist, wird den Wunsch der Lernenden nach dem Lehrbuch, in dem "alles drinsteht", kennen, aber auch wissen, wie wichtig es ist, den eigenen und ganz persönlichen Weg zu seiner professionellen Kompetenz zu finden.

Fazit

Lehrbücher sind für die Lehre gemacht, nicht für die Praxis. Das trifft besonders für die Bearbeitung von Konflikten zu, in denen zuviel Unerwartetes passieren kann, als dass eine umfassende Vorbereitung durch ein  Buch zu vermitteln wäre. Mit dem vorliegenden Buch ist aber das Mögliche an Vorbereitung in exemplarischer Weise zu erreichen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, das Schlusswort am Anfang zu lesen: über die Konfliktvermeidung, über die Unausweichlichkeit (und die innovative Produktivität) von Konflikten und schließlich über die Frage, wann eine Konfliktbearbeitung in der von der Autorin angeregten Art indiziert ist.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Büttner
Homepage www.christian-buettner.de


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Zitiervorschlag
Christian Büttner. Rezension vom 19.02.2008 zu: Reinhilde Beck: Konflikt-Coaching und Verhandlungsführung. Strategien - Tools - Materialien. ZIEL Verlag (Augsburg) 2006. ISBN 978-3-937210-45-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4418.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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