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Dagmar Ruhwandl: Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen

Rezensiert von Prof. Dr. Lilo Schmitz, 05.05.2007

Cover Dagmar Ruhwandl: Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen ISBN 978-3-608-86007-8

Dagmar Ruhwandl: Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2007. 131 Seiten. ISBN 978-3-608-86007-8. 12,90 EUR.
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-608-86116-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

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Thema

Immer mehr Frauen sind Burnout-gefährdet oder von Burnout betroffen. Dagmar Ruhwandel möchte in ihrem Buch die Grundlagen des Burnout und die spezielle Gefährdung von Frauen erläutern, Hilfestellungen für die (Selbst-)Analyse geben und Auswege und Präventionsmöglichkeiten aufzeigen.

Autorin

Dagmar Ruhwandl ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. In ihrer Praxis in München bilden Burnout-Prophylaxe und -Burnout-Behandlung Arbeitsschwerpunkte. Dagmar Ruhwandel kennt als Ärztin und Mutter von drei Kindern die Schwierigkeiten, die aus Doppelbelastungen und weiblichen Rollenerwartungen resultieren können und stellt ein eigenes Modell für Vorbeugung und Behandlung des Burnout vor, mit dem sie in ihrer Praxis behandelt.

Frauenspezifische Aspekte des Burnout

Zunächst stellt Dagmar Ruhwandl fest, dass sich der Umgang von Frauen mit dem Phänomen Burnout immer mehr dem Umgang von Männern mit diesem Thema annähert. Es gibt zunehmend mehr betroffene Frauen, aber die Gefährdung wird (auf "männliche Art") immer mehr geleugnet - es suchen zunehmend Frauen ihre Praxis auf, die auch bei akutem Burnout nicht bereit sind, die "Notbremse" zu ziehen, sondern Tipps für noch mehr Leistung und Effizienz erwarten. "Verlernen Frauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen?" fragt Dagmar Ruhwandel.

Zudem fehlen Frauen Erfahrungen und Vorbilder, die Männern zur Verfügung stehen. Hier sind es besonders die Führungserfahrung und die erfolgreichen Berufsvorbilder, die Männern den Umgang mit dem Thema erleichtern können.

Mit einem Überblick stellt Dagmar Ruhwandl das große Thema "Burnout" vor. Sie erläutert, wie die Besonderheiten des heutigen Arbeitslebens (Informationsfülle, gesteigerter Stress, Arbeitsplatz-Unsicherheit und gesteigerte Konkurrenz) die Burnout-Gefährdung steigen lassen. Positiv sieht Dagmar Ruhwandl, dass immer mehr Unternehmen erkennen, wie ihnen durch Burnout viele Potenziale verloren gehen und deshalb Prophylaxe- und Behandlungsprogramme unterstützen.

Speziell Burnout-Gefahren existieren für Frauen: Zusätzlich zu den geschilderten beruflichen Belastungen fühlen sich Frauen wie in Zeiten der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung als Allein-Zuständige für Familie, Haushalt und Hilfe für Angehörige. Hier sieht Dagmar Ruhwandl Gefährdungen vor allem in folgenden drei Bereichen:

  1. Grenzen erkennen. Gerade mangels geeigneter Vorbilder lassen sich Frauen aus Sicht der Autorin gerne zum "Schneller, Hoher, Weiter" antreiben oder treiben sich selbst dazu an. In einer Mischung aus Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Größenphantasien powern sich Frauen gerne aus. "Grenzen anerkennen, sich selbst als begrenztes Wesen zu akzeptieren, ist meiner Meinung nach der wichtigste Schritt bei der Bekämpfung eines Burnout." (26) Aber Grenzen ziehen ist nicht einfach für Frauen. So verlangen sie von sich selbst häufig perfekte Leistungen und müssen, wenn sie einmal Grenzen ziehen, mit Gefühlen der Einsamkeit und Wertlosigkeit kämpfen.
  2. Regenerieren. Burnout-betroffene Frau können schlecht regenerieren. Kaum ruhen sie sich aus, fallen ihnen unerledigte Pflichten oder neue Arbeitsprojekte ein.
  3. Delegieren. Burnout-Gefährdete meinen alles selber machen zu müssen. Frauen wollen dabei dem Rollenvorbild von Vater und Mutter gleichzeitig nacheifern und das Pensum von beiden erledigen.

Hilfen zur Selbstanalyse

Hilfestellungen gibt Dagmar Ruhwandl den Frauen, die sich fragen, ob sie Burnout-betroffen sind. Sie grenzt das Phänomen zunächst zu kleineren Krisen ("Durchhänger") und zur Depression hin ab und stellt dann charakteristische Phasenverläufe des Burnout vor. Sie nennt Warnzeichen für die einzelnen Phasen und gibt kurz gefasste Hinweise für die nächsten Schritte. Ein Fragebogen - aufgeschlüsselt nach den Bereichen "Erschöpfung", "Depersonalisation" und "Leistung" gibt erste differenzierte Hinweise auf besondere Gefahren.

Konkretes Burnout hat als Basis eine Kombination subjektiver und institutioneller Faktoren. Dagmar Ruhwandl verschweigt nicht, dass es häufig bestimmte Merkmale von Arbeitsstellen sind, die strukturell Burnout verursachen. Sie listet besonders belastende Arbeitsfaktoren auf. Mit diesem Bereich will wie sich jedoch in ihrem Band weniger beschäftigen, sondern eher auf die individuellen Gründe für Burnout eingehen. 

Hier nennt sie zunächst die Risikotypen A und B. Während eine Frau vom Risiko-Typ A gefährdet ist durch die hohe Bedeutsamkeit, die sie in der Arbeit sieht, ihre Verausgabungsbereitschaft und ihren Perfektionismus, ist eine Frau vom Typ B gefährdet, weil sie wenig motiviert ist, wenig Widerstandskraft zeigt und durch ihre resignierte Grundhaltung gefährdet ist. Mangelnde Stressbewältigungstechniken und unrealistische Erwartungen erhöhen zusätzlich die Gefährdung durch Burnout.

Auswege aus dem Burnout

Analog zu ihrem Analysemodell hat Dagmar Ruhwandl ein Ausstiegs- und Prophylaxe-Programm entwickelt, das drei Säulen hat:

  1. Regenerieren. Den meisten Frauen fällt es leichter mit diesem Baustein zu beginnen. Sie entdecken Ruhezeiten neu und lernen, wieder unbeschwerte Kontakte zu pflegen. Sie entdecken das Interesse für Kultur, Natur und Lebewesen und so ihre Energiequellen zu stärken. Entspannungstechniken und eine ruhige Alltagsorganisation mit Kurzpausen tragen weiter dazu bei. Dagmar Ruhwandl gibt viele Tipps und Anregungen, wie dieser Bereich zu stärken ist. Sie regt an, persönliche Tages- und Lebens-Rhythmen zu finden. Übungen und Check-Listen erleichtern die persönliche Planung zur Burnout-Vorbeugung.
  2. Delegieren. Frauen, die Verantwortung in Beruf, Haushalt und Familie ausfüllen, müssen Arbeit delegieren - daran geht kein Weg vorbei. Anhand von Check-Listen kann die Leserin hier erste Schritte tun und planen.
  3. Grenzen erkennen. In diesem schwierigen Bereich gibt Dagmar Ruhwandl Anregungen, wie die Achtsamkeit erhöht werden kann, realistische Eewartungen gepflegt werden können und nicht wahrgenommene Möglichkeiten betrauert werden können. Mit Hilfe bestimmter Übungen kann die Leserin sich fragen, ob sie in ihrem jetzigen Arbeitsumfeld wirklich gut aufgehoben ist oder ob nicht sogar ein Wechsel sinnvoll ist.

Kinder, Küche und Karriere

Am Ende ihres Buches ermuntert Dagmar Ruhwandl, durchaus den Spagat zu wagen und Kinder, Haushalt und Karriere vereinen zu wollen. Vor allem das Thema der Betreuung und Erziehung von Kindern ist in Deutschland schwierig. Dagmar Ruhwandl fordert mit Blick auf andere Länder bessere strukturelle Bedingungen für berufstätige Mütter. Im Bereich Haushalt müssen Frauen Entlastung annehmen und delegieren. Insgesamt ermuntert Dagmar Ruhwandl ihre Leserinnen, gelassen und in weiser Selbstbegrenzung sich mit dem für sie persönlich in Ruhe Machbaren zufrieden zu geben, ohne sich durch die Perfektionismusfalle selbst zu drangsalieren.

Frauen sollen sich Unterstützung holen - sei es durch Vorbilder, sei es durch den eigenen Vater oder durch den Austausch mit anderen Frauen in der gleichen Situation. Nach dem Ausblick auf die Möglichkeit kreativer Auszeiten aus dem Beruf schließen Literaturempfehlungen und Hinweise auf wichtige Internet-Links den Band ab.

Fazit und Zielgruppe

Ein kompaktes kluges und preiswertes Buch, empfehlenswert als Burnout-Prophylaxe für alle berufstätigen Frauen.

Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
ILBB – Institut für lösungsorientierte Beratung Brühl
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
ehem. Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 126 Rezensionen von Lilo Schmitz.

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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 05.05.2007 zu: Dagmar Ruhwandl: Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2007. ISBN 978-3-608-86007-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4433.php, Datum des Zugriffs 19.05.2022.


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